Zum Jahreswechsel gibt es einige Begebenheiten aus der Umgebung von Herzogenaurach zu erzählen. Georg Martin Seeberger, Hausnummer 3 in Beutelsdorf, hatte in seiner Familie eine Geschichte erzählt, die der Herzogenauracher Heimatforscher Luitpold Maier 1952 niederschrieb.

Als Napoleons Glücksstern im Sinken begriffen war und immer mehr Länder sich gegen ihn zusammenfanden, marschierten auch russische Truppen als Verbündete durch die Gegend rund um Herzogenaurach auf ihrem Weg nach Frankreich. In der Weihnachtswoche des Jahres 1813 lagen russische Kosaken in Beutelsdorf. Es herrschte ein kalter und schneereicher Winter. Die Pferde waren in den Ställen und Scheunen untergekommen.

Zum Erstaunen der Bauern gingen einige Soldaten zum Klingenweiher und schlugen Löcher in das dicke Eis, um zu baden. Danach kleideten sie sich wieder an und begaben sich zu ihren Quartierhöfen, wo sie die Backöfen anheizten. Als diese die nötige Temperatur hatten, wurden Glut und Asche herausgeräumt und die Russen krochen in die Backöfen, wo sie die kalte Nacht bei einer Schwitzkur verbrachten, während draußen Eis und Schnee knirschten.

Dass an Neujahr die Verwandten reihum besucht wurden, war auch früher üblich. Besonders die Kinder besuchten gerne ihre Paten, konnten sie doch mit einer kleinen Aufmerksamkeit rechnen.

Lehrer Michael Stadter hat 1925 ein altes Neujahrslied aufgezeichnet, das in Hammerbach gesungen wurde:

"Was wünschen wir dem Herrn im Haus, zu einem neuen Jahr?

Wir wünschen ihm einen golde-nen Tisch, drauf soll er essen gebackenen Fisch.

Von Silber und von Gold. Hör amol on: Wir wünschen a glückseligs neu's Johr!

Was wünschen wir der Frau im Haus, zu einem neuen Jahr?

Wir wünschen ihr ein Wiegelein, drin soll sie wiegen das Jesulein.

Von Silber und von Gold. Hör amol on: Wir wünschen a glückseligs neu's Johr!

Was wünschen wir dem Sohn im Haus, zu einem neuen Jahr?

Wir wünschen ihm eine Feder in der Hand, damit soll er schreiben den Brief übers Land.

Von Silber und von Gold. Hör amol on: Wir wünschen a glückseligs neu's Johr!

Was wünschen wir der Tochter im Haus, zu einem neuen Jahr?

Wir wünschen ihr einen roten Rock, der soll ihr stehn wie a Nägelasstock.

Von Silber und von Gold. Hör amol on: Wir wünschen a glückseligs neu's Johr!

Was wünschen wir dem Knecht im Haus, zu einem neuen Jahr?

Wir wünschen ihm eine Peitsche in der Hand, damit soll er fahren über Berg und Land.

Von Silber und von Gold. Hör amol on: Wir wünschen a glückseligs neu's Johr!

Was wünschen wir der Magd im Haus, zu einem neuen Jahr?

Wir wünschen ihr einen Besen in der Hand, damit soll sie kehren die Spinnen von der Wand.

Von Silber und von Gold. Hör amol on: Wir wünschen a glückseligs neu's Johr!

Nun wollen wir beschließen was wir gesungen habn, es soll euch nicht verdrießen zu einem neuen Jahr.

Wir haben gesungen das Jesulein, das soll euer Hüter und Wächter sein.

Von Silber und von Gold. Hör amol on: Wir wünschen a glückseligs neu's Johr!"

Außerdem hat der umtriebige Heimatforscher Luitpold Maier das Brauchtum an Neujahr in früherer Zeit erforscht. In der Silvesternacht wurde nicht mit gekauften Böllern geschossen, sondern mit den in vermutlich jedem Haus vorhandenen Waffen, die durch die Einrichtung der Bürgerwehr nötig waren. Wenn es vom Kirchturm 12 Uhr schlug, blies der Türmer auf dem Türmersturm in sein Horn. Ihm folgten die Nachtwächter, bliesen in ihre Instrumente und riefen die Stunde aus. Groß und Klein standen unter den Haustüren und wünschten den Nachbarn und allen Vorübergehenden Gottes Segen und Glück zum neuen Jahr.

Mehrtägige Runde

Als Herzogenaurach noch zum Fürstbistum Bamberg gehörte, war es der Brauch, dass die städtischen Angestellten am Neujahrsmorgen ihren Glückwunsch in den Bürgerhäusern der Stadt aufsagten. Dazu zählten auch die Torwächter, der Türmer, der Hirte, der Flurer und der Stadtknecht. Für ihre Runde in der ganzen Stadt waren einige Tage erforderlich. Der Anfang wurde beim Amtmann im Schloss gemacht, gefolgt von Pfarrer, Rats- und Gemeindemitgliedern sowie dem Lehrer. Die Tour endete bei den Bürgern.

Zu Zeiten der Weimarer Republik war dies kaum anders. Andreas Fischer vermerkt in seiner Chronik für Neujahr 1927, dass die Silvesternacht im Zeichen der Fröhlichkeit und des Trubels verlief. Auch in der damaligen Zeit ließ es sich die Jugend nicht nehmen, das neue Jahr mit Freudenschüssen zu empfangen. Um 12 Uhr ertönte feierliches Glockengeläute von den Kirchtürmen und mahnte mit ernstem Schalle an die Vergänglichkeit alles irdischen Daseins, ließ aber auch wohl manchen frommen Wunsch für das kommende Jahr im Herzen wach werden.

Von luftiger Höhe des damals als "Museumsturm" bekannten Vehnturms herab blies Andreas Fischer das althergebrachte Neujahrslied. Dabei wurde auch angeregt, neben diesem vom alten Eingang des Turmes herab das "Großer Gott, wir loben dich" zu blasen.

Gesang auf den Straßen

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte diese Aufgabe die Kapelle Engert übernommen, die sich aus Mitgliedern der Kolpingsfamilie Herzogenaurach zusammensetzte. Die Kolpingsmit-glieder, damals noch als Gesellenverein bekannt, hatten ihr Gesellschaftslokal beim "Glaß".

Rund ein Dutzend Männer der Kolpingsfamilie trafen sich zuerst an der Sakristei der Stadtpfarrkirche. Pünktlich zur Jahreswende stiegen die Bläser auf den Vehnturm und bliesen das einst hier gebräuchliche Neujahrslied.

Nach dem Blasen vom Vehnturm sangen sie das Lied zuerst vor dem Pfarrhaus dem Pfarrherren. Dann ertönte es auf den "Tremperli", zuerst am Zusammenstoß Hintere Gasse mit Erlanger Straße vor dem Anwesen Biermann/Erhardt, dann am Marktplatz vor dem Rathaus, anschließend vor dem Wirtshaus "Ziggler", Hauptstraße 71, und zum Schluss am "Plätzla", der Zusammenführung von Hinterer Gasse und Bamberger Straße:

"Als die acht Tage vorüber war'n, und das Jesukindlein beschnitten war, beschnitten in Peinen und Schmerzen; Jesu, du liebes Kindelein, wolltest uns dieses Jahr barmherzig sein und uns unserer Sünden nicht strafen.

Was wünschen wir unseren Herren und Bürgern? Ein glückseliges, fröhliches, freudenreiches neues Jahr. Und was wir ihnen wünschen, das wünschen wir ihnen von Herzen. Also wollen wir hier und dort, immerfort und fort, loben und preisen seinen Namen. Gelobt sei Jesus Christus! Amen."