Etzelskirchen — Wenn die beiden jugendlichen Enkelkinder Janine und André ihren Opa mit den Worten charakterisieren: "Opa ist noch voll auf Draht", dann kann es wohl kaum eine schönere Anerkennung zum 90. Geburtstag von Johann Weidner aus Etzelskirchen geben. "Opa ist immer für einen Spaß mit uns zu haben", schwärmt Andrè. Janine ergänzt: "Ich baue gerade ein Haus und bin ganz stolz darauf, dass Opa dafür die ,Bauaufsicht' übernommen hat. Opa Hans hat alles voll im Griff!"

Gefangenschaft in Sibirien

Die beiden sprechen auch für die übrigen vier Enkelkinder von Johann Weidner. Der Jubilar ist mit seinen sechs Enkeln und zwei Urenkeln jung geblieben.

1928 wurde Johann Weidner in Landshut geboren. Als er sechs Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihren Kindern nach Etzelskirchen. Hier besuchte Johann die Grundschule und wurde mit 16 Jahren in Hitlers Krieg befohlen. Über Wien geriet er zu Kriegsende in russische Gefangenschaft nach Sibirien, in die Gegend von Swerdlowsk. Nach vier Kriegsgefangenen-Jahren kam er im November 1948 zurück nach Deutschland. Sein "Kriegs-Andenken": drei abgefrorene Zehen.

In seiner Heimat war er zunächst arbeitslos. Dann arbeitete er sechs Jahre in der Teerfabrik Erlangen. Mitte der 50er-Jahre wechselte er zur Firma Schaeffler in Höchstadt als Busfahrer. Bei Schaeffler war er bekannt dafür, dass er notwendige Reparaturen an den Fahrzeugen selbst erledigte. Schweißnähte zum Beispiel zog er besser als die Monteure. Das Urteil seines Abteilungsleiters: "Das Schweißen an den Bussen übernimmt der Hans in Zukunft selbst!"

Noch heute bemüht sich Johann Weidner, sein "technisches Wissen" immer auf dem neuesten Stand zu halten. Mit seinen 90 Jahren fährt er noch selbst Auto.

Weidners Ehefrau starb schon im Jahre 2006, kurz nach der Goldenen Hochzeit. Die Familie (zwei Söhne, eine Tochter, sechs Enkel und zwei Urenkel) sei heute die größte Stütze für ihn und er selbst freue sich, dass er immer noch viel für seine Familie machen könne.

Zwetschgen selbst geerntet

Den Garten hat "Hans" voll unter seinen Fittichen. Er baut an, pflegt und erntet selbst. Die 2018-er Zwetschgen hat Johann Weidner allein vom Baum geholt. Fernsehen, tägliches Zeitunglesen und guter Kontakt zu Bekannten und Freunden sind dem Jubilar Herzens-Bedürfnisse. Seine Lebenserfahrungen bringt er mit den Worten auf den Punkt: "Die Arbeit lieben, Kontakte pflegen und immer am Ball bleiben, solange der Körper das zulässt".