Etwas eng, aber durchaus kuschelig wurde es bei der Nominierungsversammlung des Kreisverbandes Kronach von Bündnis90/Die Grünen. Sie tagten im Gasthaus "Sonnenschein" und stellten ihre Liste für den Kreistag und den Stadtrat vor. Unter anderem bemängelten sie "zu viel Lobbyismus" und "zu wenig Herzblut".

Was künftig auf der Agenda stehe, daran ließen die Kandidaten überhaupt keinen Zweifel. Nach wie vor stehe natürlich der Schutz der Natur im Vordergrund, aber auch Themen wie Jugendparlamente, Pflege der älteren Mitbürger, Flüchtlingsarbeit und ein gutes Mobilitätskonzept sollen nicht außen vor bleiben. Man wolle die Region stärken, dem Flächenfraß entgegenwirken und vor allem vernünftig miteinander reden.

Und Reden stand auch im Vordergrund dieser Versammlung, denn allen Kandidaten wurde die Möglichkeit gegeben, sich vorzustellen und auch Fragen zu beantworten. Immer wieder musste deshalb Wahlleiter Franz Köstner an diesem Punkt unterbrechen, weil die Diskutierfreudigkeit beinahe den Rahmen gesprengt hatte.

Deutlich herausgestellt wurde aber das Ziel, viel mehr junge Leute in die Region zu holen und diese dann auch in die Politik zu integrieren. Vorgemacht haben sie das an diesem Abend selbst, denn Listenführerin für den Kreistag ist Elena Pietrafesa, sie ist gerade einmal 18 Jahre alt. Aber auch die anderen Kandidaten sind ein Mix aus jung und erfahren, Frauen und Männern und vor allem ein Spiegelbild des Landkreises.

Und auch wenn der ÖPNV, für dessen Ausbau sich Elena Pietrafesa stark machen will, nicht zentrales Thema des Abends war, so sprachen sich gleich mehrere Kandidaten dafür aus. Insgesamt solle die Region aber vor allem lebenswert sein, damit junge Leute zurückkommen, sich hier wohlfühlen und hier auch wieder niederlassen.

Kümmern will man sich außerdem um Menschen, "die am Rande der Gesellschaft stehen", um Asylanten und um sozial benachteiligte Bürger. "Dafür wollen wir ein deutliches Signal nach außen setzen."

Landwirt Peter Heller aus Marktrodach machte die Landwirtschaft quasi zu seinem Thema. Er sprach über die jüngsten Beschlüsse aus der Bundespolitik und fragte sich, wie man das alles umsetzen könne. "Die Bauern fühlen sich etwas verstoßen."

Auf viel Potenzial, das man ausschöpfen könne, machte Musikpädagogin Rosalie Heckel aufmerksam: "Wir könnten nachhaltige Studiengänge anbieten, die sich mit Klima-, Umwelt- und Naturschutz beschäftigen."

Für den sozialen Ausgleich will Peter Witton kämpfen, der sich auch über einen "raubkapitalistischen Verkauf des Krankenhauses" aufregte.

Plädiert hatten alle für Photovoltaik auf möglichst vielen öffentlichen Dächern und eine fahrradfreundliche Kommune. Außerdem informierte Odette Eisenträger-Sarter darüber, dass es in Kürze ein Büro für die Grünen geben werde und zwar im ehemaligen Tabak Fischer in der Johann-Nikolaus-Zitter-Straße.

Einen Appell aus den Reihen der Grünen gab es am Schluss: "Wir haben einen starken Zulauf und politische Verantwortung. Wir sollten uns überlegen, ob wir nicht Bürgermeisterkandidaten stellen wollen."