"Es gleicht einer Operation am offenen Herzen", sagt Bürgermeister Klaus Homann (CSU). Er meint damit die sich bis Mitte der 20er Jahre hinziehende Sanierung, Erweiterung und Sicherstellung der gemeindlichen Wasserversorgung. Mehr als vier Millionen Euro Baukosten zeichnen sich jetzt schon für Hirschaid-Ost (etwa bis zum Main-Donau-Kanal) ab. Und dann richtet sich voraussichtlich ab 2024 das Augenmerk auf den westlichen Versorgungsbereich, wo als vordringlichste Maßnahme die Speicherkapazität des Hochbehälters Mainberg vergrößert werden muss.

Immer wenn neue Leitungen, Brunnen oder Aufbereitungstechnik an das bestehende Versorgungssystem angeschlossen werden, droht eine vorübergehende Verunreinigung des Trinkwassers. Damit niemand zu Schaden kommt, wird das Hirschaider Wasser daher über geraume Zeit hinweg wöchentlich in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt auf Erreger untersucht. Finden sich Keime oder Verschmutzungen, muss das Leitungswasser gechlort werden oder man empfiehlt den Bürgern, es nur im abgekochten Zustand zum Trinken und Kochen zu verwenden.

Die meisten Einwohner hätten dafür Verständnis, berichtet Homann. Doch werde die Gemeindeverwaltung oft auch unberechtigt mit Klagen bombardiert: Da beschwere sich schon mal einer über Chlorgeruch in seinem Wasser, obwohl er in einem Gemeindegebiet wohnt, in dem gar kein gechlortes Wasser fließe. Oder es werde über "milchtrübes" Wasser aus der Leitung geschimpft, dem in Wirklichkeit nur der bei der Aufbereitung zugefügte Sauerstoff noch nicht entwichen sei. Solches Wasser kläre sich dann zusehends.

Wasserverbrauch steigt

Hirschaid ist gezwungen, in die Wasserversorgung zu investieren, schon wegen der Bevölkerungszunahme, aber auch weil in heißen, verbrauchsstarken Sommern und bei rückgängiger Schüttung der Kälberbergquellen der Wasserbedarf steigt. Verschärft wird die Situation durch die zu geringe Speicherkapazität der Hochbehälter. Im Baukastensystem macht sich die Marktgemeinde nun nach Plänen des Ingenieurbüros Höhnen & Partner an die Ertüchtigung der Versorgunganlage.

Ein wichtiger Schritt war die Abkoppelung des Brauchwassers des Erlebnisbads "Frankenlagune" von der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Mit einem Aufwand von nur 70 000 Euro für den Anschluss eines separaten Brauchwasserbrunnens können übers Jahr 50 000 Kukikmeter Trinkwasser gespart werden, fast so viel wie der Jahreswasserbedarf von Röbersdorf und Erlach.

Übers letzte Jahr wurde für eine Million Euro der Ortsteil Seigendorf nachgerüstet: Der neue Tiefbrunnen 4 wurde angebunden, die Aufbereitungslange erweitert, eine UV-Bestrahlung eingebaut und ein neuer Hochbehälter errichtet. Dies hat zu einer Stabilisierung und konstanten Wasserqualität beigetragen, die nun nicht mehr zwischen 1 und 30 Grad deutscher Härte variiert, sondern bei 16,5 Grad dH liegt. Zwei neue, etwas höher liegende Speicherkammern verstärken den Versorgungsdruck in Seigendorf um 2 bar.

Ein weiterer Baustein ist die Generalsanierung des Hochbehälters Friesen, der nicht mehr den technischen und hygienischen Anforderungen genügte. Bis Mitte Dezember werden hier 250 000 Euro netto investiert.

Ein zweites Standbein

Neben dem Wasser aus eigenen Quellen und Brunnen verfügt der Markt seit wenigen Tagen über ein zweites Standbein: Der Anschluss an die Fernwasserversorgung Franken sichert Hirschaid jährlich den Zufluss von 60 000 Kubikmeter Wasser aus dem Lech-Mündungsgebiet, maximal 400 Kubikmeter am Tag. Damit könne die Trinkwasserversorgung auch bei Spitzenverbrauch oder Betriebsstörungen jederzeit sichergestellt werden, erklärt Diplom-Ingenieur Winrich Bussinger, der für das Gesamtkonzept verantwortlich zeichnet. Der Anschluss an die ohnehin durch das Gemeindegebiet verlaufende Fernwasserleitung hat rund 280 000 Euro gekostet.

Neuer Hochbehälter

Der dickste Brocken steht 2019/20 an: Ein neuer zentraler Hochbehälter mit einem Speichervolumen von 1750 Kubikmeter wird rund 1,7 Millionen Euro verschlingen. Er soll unweit des teilweise aus den 1930er Jahren stammenden alten Reservoirs gleich neben der Straße nach Friesen gebaut werden. Der große Hochbehälter wird die Versorgungssicherheit Hirschaids weiter verbessern.

Anschließend ist an die Sanierung der Kälberbergquellen gedacht. Aber dazu wird man wohl erst die Geologen einschalten. Denn die Ergiebigkeit der Quellen lässt nach: 400 Kubikmeter sprudeln normalerweise am Tag aus dem Gebirge oberhalb von Hirschaid, vor knapp fünf Wochen waren es noch 130 und derzeit sind es ganze 100 Kubikmeter. "Tendenz fallend", stellt Ingenieur Bussinger fest. Ob sich dafür eine Investition von einer Million Euro in die Kälberbergquellen lohnt, muss noch wohlbedacht werden. Grundsätzlich gilt allerdings: "Wenn man das Quellwasser nutzt, kann man das Grundwasser schonen", so Bussinger. Und jede Wasserversorgung sei nur so gut, wie sie in starken Verbrauchszeiten Wasser zur Verfügung stellen könne.

Die Hirschaider müssen freilich bedenken, dass sie der Ausbau und die Sicherstellung der Wasserversorgung auch etwas kostet: Staatliche Zuschüsse gibt es nicht, und so sind die Kosten über Herstellungsbeiträge und höhere Verbrauchsgebühren zu decken. Eine erste Gebührenerhöhung wird der Marktgemeinderat im Frühjahr rückwirkend zum 1. Januar 2019 beschließen.