Elisabeth Görner

"Des halbe Dorf is do!" Mit dieser Feststellung betrat ein Vertreter des Weigelshofener Gartenbauvereins die Wohnstube des 90 Jahre alt gewordenen Michael Birkel. Es klang weniger verwundert als viel mehr fröhlich bestätigend, dass das auch genau richtig sei bei diesem Jubilar, der auch Mitglied im Sozialverband VdK und überhaupt nach wie vor sehr kontaktfreudig ist.
Neben ihm auf dem Sofa saßen schon Pfarrer Daniel Schuster, die stellvertretende Landrätin Rosi Kraus (CSU) und der Zweite Bürgermeister von Eggolsheim, Georg Eismann (CSU). Sohn Hans, der mit im Haus lebt, und die Töchter Antonia und Margit kümmern sich um den Vater, der 1955 seine Maria geheiratet hat (sie ist 2013 gestorben).
Zusammen haben sie sich auch als Mesner für die Kirche engagiert. Michael Birkel ist auch schon seit seinem zwölften Lebensjahr Organist. Insgesamt hat er 75 Jahre lang Orgel gespielt und ist dafür geehrt worden - vom Bamberger Bischof schon nach 60 Jahren. Inzwischen fällt das Erklimmen der Orgelempore zu schwer, aber spielen kann Michael Birkel nach wie vor - das beweist er am häuslichen Harmonium.
Überhaupt war und ist Musik sein Leben: Bis vor fünf Jahren hat er bei der Blaskapelle "Die Eggerbachtaler" das Tenorhorn gespielt, er beherrscht das Schifferklavier und hat bei Festzügen die Trommel geschlagen; natürlich hat er auch im ehemaligen Gesangverein Weigelshofen mitgesungen. Zu seiner großen Freude ist das musikalische Talent auf die Generation der Enkelkinder übergegangen, von denen er fünf hat und dazu drei Urenkel.


Gelernter Zimmermann

Gelernt hat Michael Birkel den Beruf des Zimmermanns; viele Dächer vom Dorf sind noch von ihm aufgerichtet worden und auch die Bühne für die frühere Theatergruppe hat er aufgebaut - er spielte selber mit. Eine kleine Landwirtschaft für den Eigenbedarf wurde zusätzlich betrieben. "Genau heute vor 75 Jahren ist Vater aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft wieder nach Haus gekommen, an seinem 17. Geburtstag", erzählt seine Tochter Antonia. Er war noch zum Kriegsdienst eingezogen worden, fiel den Amerikanern bei Prag in die Hände und kam nach der Gefangenschaft in Ludwigshafen zurück nach Weigelshofen, wo er auch geboren und mit vier Geschwistern groß geworden ist. Der 90-Jährige sagt: "Meine Nachfahren und meine vielen Interessen halten mich jung."