Hohen Besuch gab es bei Melanie Humls "Lounge in the City" mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur schon des Öfter. Aber dieses Mal konnte die bayerische Staatsministerin mit einer Frau aufwarten, die sich gern rar macht: Katharina Wagner, Urenkelin von Richard Wagner und seit 2008 Festspielchefin in Bayreuth, deren Vertrag gerade erst bis 2025 verlängert wurde.

Zur 15. Ladies After Work Party am Montag wurde aus gutem Grund in die soeben eröffnete Kulturfabrik Kufa an der Ohmstraße geladen. Huml ist die Schirmherrin des Hauses, in dem "Kultur für alle" praktiziert wird. "Wir wollen", sagte sie, "diesen Ort mehr bekannt machen und damit die Lebenshilfe in ihrer Arbeit unterstützen."

Im fast leer geräumten Theatersaal tummelten sich rund 150 Besucherinnen - und zu Beginn die hauseigene Tanzgruppe Wackelkontakt, die mit ihrem barfüßigen Auftritt gleich für Aufsehen sorgte. Claudia Bachmann, Humls Pressereferentin, hatte Fragen vorbereitet, die die 41-jährige Festspielleiterin bereitwillig und mit einer Prise Humor beantwortete.

Lieben, was man macht

Mehrfach kam bei dem gut halbstündigen Gespräch die Rede auf die Publikumsreaktionen. "Gebuht", sagte Katharina Wagner, "wird eigentlich immer, denn Regie ist auch Geschmackssache. Wenn kein Buh kommt, wäre ich irritiert." Ganz abgesehen davon müsse man den Regisseuren Freiheit lassen, denn: "Kunst darf nie halbherzig sein. Das Schlimmste ist doch, wenn es keine Emotionen gibt, nur lauwarmer Applaus kommt und mancher an seine Steuererklärung denkt."

Die Männerdominanz im Opernbusiness stört sie nicht, denn sie begegnet Männern nicht anders als Frauen. "Es geht doch in erster Linie darum, dass man tausendprozentig hinter der Sache steht. Man muss lieben, was man macht." Dass sie aufgrund ihrer Promi-Herkunft schon immer im Rampenlicht stehen musste, nimmt sie inzwischen gelassen: "Man kann es ja nicht ändern. Man muss da mitmachen. Punkt."

Die einmalige Akustik im Festspielhaus, die Faszination von Oper, Kartenfragen und Kinder-Oper wurden gestreift. Und nicht zuletzt die Wagnerianer. Das kommende Programm des Bamberger Richard-Wagner-Verbands lobte die Festspielleiterin ausdrücklich, enthält es doch unter anderem einen Vortrag von Konrad Kuhn, dem Dramaturgen vom neuen "Ring" und der diesjährigen "Tannhäuser"-Neuinszenierung.