Als Kämmerer Christian Bertleff am Mittwochabend im Rahmen der Gemeinderatsitzung in der Aischgrundhalle in Adelsdorf dem Gremium den Haushaltsplan 2020 vorstellt, ist schnell klar, dass ein großer Batzen allein in Kinder und Jugendliche investiert werden soll. So entfallen zum Beispiel 555 000 Euro auf Maßnahmen für die Schule, davon 175 000 Euro für die Digitalisierung. Der Ersatzkindergartenneubau in Aisch schlägt mit 265 000 Euro zu Buche und die Neugestaltung der Skateranlage wird mit 200 000 Euro veranschlagt. Das Interimsgebäude Kunterbunt steht mit 291 000 Euro auf der Liste, den größten Posten jedoch macht der Neubau der Kita Regenbogen II mit 1,3 Millionen Euro aus.

Vielfacher Spagat

Daneben steht noch die Generalsanierung vom Oberdorf mit einer geplanten Investition von einer Million Euro an, die Errichtung der Hochlastfaulung auf der Kläranlage sowie diverse weitere Posten, die ins Geld gehen. Bertleff spricht von einem "weiterhin sehr hohen Investitionsniveau in Adelsdorf, um den vorhandenen Rückstau zu beseitigen. Wir investieren auch in Zukunft in die Zukunft."

Zudem sind Unterhaltsmaßnahmen in Höhe von etwa 1,42 Millionen Euro im Plan vermerkt, zu welchen unter anderem der Starkregen-/Hochwasserschutz zählt. Eine Kreditaufnahme in Höhe von 2 695 000 Euro ist geplant, dieser gegenüber steht ein Schuldenabbau in Höhe von 746 000 Euro. "Aufgrund der derzeitigen Finanzmarktsituation sind Kreditaufnahmen aktuell volkswirtschaftlich sinnvoller als die Finanzierung aus Eigenmitteln", so Bert-leff. Den Haushalt selbst beschreibt er mit: "Es ist ein Haushalt, der zwischen Gewünschtem und Gewolltem, Bezahlbarem und Unbezahlbarem und Möglichem und Unmöglichem einen Spagat versucht. Wir investieren in die Zukunft."

Jörg Bubel (SPD) macht nach Bertleffs Präsentation schnell klar, dass er dem vorgestellten Haushalts- und Finanzplan nicht zustimmen wird. "Der in den nächsten vier Jahren vorgesehene Anstieg der Verschuldung auf knapp 20,3 Millionen Euro ist nicht zu akzeptieren", erklärt er, räumt aber ein, dass der Ausbau und die Sanierung der Infrastruktur nicht ohne Darlehensaufnahme möglich seien. "Aber die Verschuldung darf die Handlungsfähigkeit der Gemeinde nicht gefährden!"

"Ständige Schwarzmalerei"

Zudem bemängelt er, dass viele Dinge versprochen wurden, aber immer wieder verschoben werden. "Verschieben war ein Motto der letzten Jahre, und ich fürchte, daran wird sich auch weiterhin nichts ändern." Als Beispiele zählt Bubel unter anderem die Fertigstellung der Hochlastfaulung sowie die Generalsanierung der Straßen im Oberdorf auf. Zudem ärgert ihn die seiner Meinung nach unvollständige Weitergabe an Informationen an den Gemeinderat.

Bürgermeister Karsten Fischkal lauscht Bubel mit versteinerter Miene und verschränkten Armen. Als Bubel endet, sagt er: "Ich bin seit 18 Jahren im Gemeinderat, aber das ist doch jedes Mal die gleiche Rede. Nimmst du eigentlich an den Sitzungen teil? Für mich ist das eine Show-Rede."

Auch Günter Münch (FW) richtet klare Worte an Bubel, "Ich sehe in dieser Haushaltsrede eine ständige Stänkerei und Schwarzmalerei. Das ist meiner Meinung nach Friedhofspolitik und Totengräberpolitik. Machen Sie nur so weiter!" Dann lobt er den Sachverstand des Kämmerers und erklärt, dass er dem Haushalt zustimmen wird: "Es wird richtungsweisend investiert. Der Mehrbedarf im sozialen Dienst, hier insbesondere bei den Kindertagesstätten, ist eine gute und sinnvolle Entscheidung bzw. Investition. Hier investieren wir in Bildung für unsere Kinder, für unsere Zukunft." Aber auch ihm sind die Hochlastfaulung und die damit verbundenen ständigen neuen Auflagen der Behörden ein Dorn im Auge. Dennoch lautet für ihn der entscheidenste Satz des Haushaltes wie folgt: "Die dauernde Leistungsfähigkeit der Gemeinde Adelsdorf ist nach Auffassung der Verwaltung in den nächsten Jahren sichergestellt."