Vom Nürnberger Planungsbüro Anuva war die Ingenieurin Andrea Schleicher zur Marktgemeinderatssitzung gekommen, um die vom Markt Gößweinstein beauftragten Änderungen des Bebauungsplans "Büchenstock/Erweiterung" zu erläutern. Ziel war es, den gestalterischen Freiraum für die künftigen Bauherren zu erweitern.


Flachdächer zugeassen

In Zukunft soll zum Beispiel auch ein Flachdach oder ein dreigeschossiges Haus zugelassen werden, wenn es nicht höher als sieben Meter wird. Immer wieder hatten die Mitglieder des Bauausschusses den Bauwerbern in diesem Baugebiet Ausnahmen zu den Festsetzungen des Bebauungsplans in typisch fränkischem Baustil gestattet. Waren bisher keine Satteldächer erlaubt, sind sie nun ebenso wie Flachdächer zugelassen.
Auch Carports dürfen nun ohne Ausnahmegenehmigung errichtet werden oder Wintergärten, wenn sie nicht größer als 15 Quadratmeter sind. Hier folgte der Rat dem Vorschlag von Dietmar Winkler (CSU), der zehn Quadratmeter für einen Wintergarten als zu klein befand.


Weniger Vorschriften

Neu zugelassen sind auch Sonnenkollektoren oder Dachgauben und nicht mehr vorgeschrieben die Dachform für Garagen. "Ziel war es, alle Dachformen zuzulassen", erklärte Schleicher. Satteldächer dürfen jedoch höchstens 48 Grad steil sein. "Steiler sieht es nicht mehr schön aus", sagte die Planerin.
"War es der richtige Weg, dass man den Bauausschuss Jahrzehntelang machen ließ, was er wollte?", fragte Jürgen Kränzlein (SPD). Er befand, dass nun alle diejenigen, die dort bereits nach den Richtlinien des Bebauungsplans gebaut haben, vor den Kopf gestoßen werden. "Der Bebauungsplan ist 20 Jahre alt, in dieser Zeit verändert sich was", erklärte dazu die Planerin.
"Für mich ist es wichtig, dass sich der Mensch in dem Haus wohlfühlt, in dem er ein ganzes Leben wohnt", meinte Konrad Schrüfer (FWG). Der Geschmack und die Gestaltung von Häusern habe sich geändert.
"Anlass für die Beauftragung zur Planänderung sind nicht die Häuser, die dort schon stehen, sondern ein geplantes Bauvorhaben mit Flachdach", befand Georg Lang (CSU). Nur deshalb müsse jetzt der Bebauungsplan für 10 000 bis 15 000 Euro geändert werden.
Daniela Drummer (FWG) hingegen befand, dass man mit der Zeit gehen müsse. Die Fortschreibung des Plans sah sie nicht so negativ wie Lang, sondern als Modernisierung. Zweiter Bürgermeister Georg Bauernschmidt (SPD) gab ihr recht. Denn in den 20 Jahren hätte man 49 Befreiungen von den Festsetzungen des Bebauungsplans erteilt. Schließlich wolle man ja, dass sich das Baugebiet mit Leben füllt.


Vier sind dagegen

Georg Rodler (CSU) sah dies eher wie Kränzlein. "Das ist nicht im Sinne derer, die dort schon gebaut haben", sagte Rodler, der befürchtet, das man in zehn Jahren dort ein Kuddelmuddel habe. "Mit dieser Erweiterung machen wir ein weiteres Fass auf", legte Lang nach, der sich mit seiner Ablehnung aber nicht durchsetzte. Nur Lang, Rodler und Manuela Engelhardt und Tanja Rost (beide JuF) stimmten am Ende gegen die Bebauungsplanänderung.