"Zu mir!" "Dreh dich nach links!" "Komm, wirf schon!" Die Spieler rufen sich lautstark durch die Halle, das Trippeln der Basketbälle hallt, die Reifen quietschen - Ja, richtig gelesen. Was hier gespielt wird? Rollstuhlbasketball! Die Mitglieder des Ebener Vereins "Fit4Rolli" geben beim Training in Bamberg mit ihren wendigen Sportrollstühlen ihr Bestes. Der Verein ist noch recht jung: Am 27. Oktober 2017 hat ihn Vorsitzende Christine Petrautzki gegründet.

Vereinssterben im Landkreis?

"Fit4Rolli" wurde erst vor kurzem im Bayerischen Landessportverband (BLSV) aufgenommen: Christine Petrautzki erhielt an der BLSV-Sportlergala in Zeil die Mitgliedsurkunde. Sie setzt sich damit dem Vereinsschwund entgegen: Denn Vereine unterliegen einem Abwärtstrend. Viele Mitglieder treten aus, manche Vereine werden dann aufgrund zu weniger Mitglieder sogar aufgelöst.

Der Landkreis Haßberge bleibt von diesem Abwärtstrend nicht verschont. Aktuell gibt es, wie Michael Gast vom BLSV mitteilt, im Landkreis Haßberge 147 Sportvereine. Im Vergleich zum 31. Dezember 2017 ist das ein Rückgang um drei Vereine. Umso wichtiger ist es, dass sich neue Vereine formieren. Wie kam es zu "Fit4Rolli"?

Verein mit eigenen Visionen

"Einige unserer Mitglieder kannten sich bereits durch die gemeinsame Sportart und hatten die Vision, einen eigenen Verein zu gründen", erzählt die Vorsitzende. Insgesamt 22 Mitglieder hat der Verein. Ihnen allen ist es wichtig, diesen nach eigenen Vorstellungen zu führen, voranzutreiben und "die ein oder andere negative Erfahrung in positive Energie umzuwandeln".

Der Verein ist eine Herzensangelegenheit: "Es ist einfach ein toller Haufen, wir halten fest zusammen und bei uns herrscht stets Fröhlichkeit", sagt Mitglied Ferdinand Walter. Dabei wollte er zunächst gar nicht beitreten. Doch die anderen Rollstuhlbasketballer haben keine Ruhe gegeben und ihn überredet. "Zum Glück! Ansonsten könnte ich jetzt zu Hause sitzen und Trübsal blasen", sagt er. Walter wurde direkt als Coach angesehen, da er der erfahrenste Spieler ist und Ligaspiele ausgetragen hat.

In Bamberg und Schweinfurt gibt es zwei weitere Rollstuhlbasketballvereine. Allerdings handelt es sich bei diesen um Ligateams. Für die Ligaspiele gelten Punktregeln: Man darf maximal 14,5 Punkte für seine Mannschaft aufs Feld bringen, erklärt die Vorsitzende. Die Punkte werden nach Grad der Behinderung eingestuft - pro Mannschaft darf zum Beispiel nur ein Fußgänger mit 4,5 Punkten aufs Feld geschickt werden. Folglich ist es schwer, eine Mannschaft stellen zu können. Anders ist es bei "Fit4Rolli". Beschränkungen gibt es nicht: "Bei uns spielen faszinierte Freizeitsportler neben langjährigen Ligaspielern, begeisterte Ballkünstler neben aufgeschlossenen Amateuren, flinke Fußgänger zusammen mit routinierten Rollstuhlfahrern", erzählt Petrautzki. Der Erfolg ist nebensächlich, niemand wird ausgeschlossen und der Spaß am Basketball und das Miteinander stehen im Vordergrund.

Wer aber denkt, das Training sei nicht anstrengend, der irrt: "Nach einer Aufwärmübung trainieren wir unsere Wurftechniken. Dann mischen wir immer unterschiedliche Teams und trainieren das reale Spiel." Ganze zwei Stunden lang.

Das Motto: Rollstuhlsport vereint. "Auch eine Schwerbehinderte spielt bei uns mit, die den Ball zwar schlecht fangen kann, dafür super blockt", erzählt der Coach und macht deutlich: "Sie ist bei uns voll integriert und so muss das auch sein."

Engagement und Aufklärung

Mit dem Verein wollen sie Inklusion leben und Rollstuhlbasketball in Franken populär machen. "Außerdem ist es uns ein großes Anliegen, uns für behinderte Menschen zu engagieren und auf deren Probleme aufmerksam zu machen", erzählt Christine Petrautzki. Das Engagement wird in der Bevölkerung sehr gut aufgenommen: "Wir werden des Öfteren für Aktionen angefragt, sei es bei der Teilnahme an Freizeitspielen oder im Schulunterricht."

"3 Tage Respekt"

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Im Rahmen des Projekts "3 Tage Respekt" in Haßfurt bringen die Mitglieder in Kooperation mit drei fränkischen Schulen Jugendlichen das Thema "Leben und Sport von Menschen mit Behinderung" näher. Das Projekt läuft, wie Ferdinand Walter erklärt, so ab: "Ich und Christine stellen uns der Schulklasse vor und reden über Behinderungen. Danach geht es in die Turnhalle Ost oder West, wo die Schüler mit den Sportrollstühlen Basketballspielen dürfen." Viele stellen dabei fest, dass es gar nicht einfach ist, im sitzen den Korb zu treffen. Aber den Schülern gefällt's: "Für manche geht`s da ab wie Schmidts Katze - die wollen gar nicht mehr aus den Rollstühlen raus", sagt er und lacht.

Auch macht der Verein auf Missstände aufmerksam. So zum Beispiel auf die fehlende Barrierefreiheit des Burgpreppacher Dorfladens. Petrautzki ist stolz auf ihren Verein und ist sich sicher: "Wir haben den Grundstein für etwas Großes gelegt."Bei "Fit4Rolli" geht es um weit mehr als nur um die Liebe zum Sport.

Damit die Reifen noch lange quietschen können, ist der Verein auf Spenden angewiesen. Denn beim kontaktreichen Spiel werden die Sportrollstühle stark beansprucht, die Anschaffung eines neuen Sportgeräts und die Ersatzteile sind sehr teuer. Um bestehen zu können "reparieren wir unsere Sportrollstühle möglichst selbst", so die Vorsitzende. Noch mehr als über Spenden freuen sich die Rollstuhlbasketballer aber über neue Mitglieder: Interessenten können jeden Freitag von 18 bis 20 Uhr in der Moosstraße 42 in Bamberg zum Training kommen. Getreu nach Coach Walters Motto: "Nicht nur gucken, sondern reinsetzen und mitspielen!"