"Von April bis Oktober kann im Deutschen Korbmuseum an jedem Samstagnachmittag ab 13.30 Uhr in den Museumsräumen einigen Flechtern bei der Arbeit über die Schulter geschaut werden." Das ist auf der Homepage des Deutschen Korbmuseums in Michelau zu lesen. Am Ostersamstag wurden die "Lebenden Werkstätten 2018" offiziell eröffnet. Die zahlreichen Besucher erhielten dabei einen Einblick in ein altes Handwerk, das seit 2016 immaterielles Weltkulturerbe der Unesco ist.
"Zur Blütezeit des Korbmacherhandwerks gab es 18 000 gemeldete männliche Korbmacher am Obermain, wobei in der Regel die ganze Familie mitarbeitete", erläuterte Korbmachermeister Roland Ponsel. Heute gebe es nur noch 30 selbstständige Flechtwerksgestalter im Landkreis.
Das größte Korbhandelshaus in Lichtenfels, die Hordeaux-Bergmann AG, habe um 1900 einen Katalog mit 200 000 Artikeln veröffentlicht.
Das Flechthandwerk ist laut Ponsel eines der ältesten Handwerke der Menschheit. Nicht immer sei diese Kunst entsprechend anerkannt. Noch immer zeige sich dies am krassen Missverhältnis zwischen dem Arbeits- und Zeitaufwand beim Flechten eines Korbes und dem erzielten Verkaufspreis. Dabei handele es sich wie bei den Feinkorbarbeiten von Waldemar Backert um echte Kunstwerke, angefertigt von Meistern ihres Fachs.
"Die Korbmacher können sich eigentlich von ihrem Handwerk nicht ernähren", sagte der Michelauer Bürgermeister Helmut Fischer, der als Vorsitzender des Vereins Deutsches Korbmuseums die "Lebenden Werkstätten " offiziell eröffnete. Deshalb würden heute viele Absolventen der Korbfachschule in Lichtenfels später nicht als Korbmacher arbeiten, sondern als Therapeuten in den Bereich Sozialpädagogik wechseln.
Rund 15 Korbmacher engagieren sich in Michelau ehrenamtlich im Rahmen der "Lebenden Werkstätten". Ergänzt wird dieser Mitarbeiterstamm durch Jugendliche der Korbfachschule, die sich ebenfalls ehrenamtlich engagieren.
Am Eröffnungstag waren es die Korbmachermeister Waldemar Backert, Roland Ponsel und Manfred Popp, denen die Besucher über die Schulter schauen konnten.
Waldemar Backert arbeitete an seinen Miniaturen, Roland Ponsel fertigte aus Peddigrohr kleine Bocksbeutelkörbchen, und Manfred Popp trat mit seinen Sondertechniken den Beweis dafür an, dass jedes Flechtwerk reine Handarbeit ist.
Bis Ende Oktober kann man samstags jeweils von 13.30 bis 16.30 Uhr den unterschiedlichsten Korbflechtern auf die Finger schauen. Sie sind lebende Zeugen einer Kultur, die noch vor 100 Jahren vielen den Lebensunterhalt sicherte.
Abgesehen davon zeigt das Museum auf etwa 850 Quadratmetern fast 2000 Exponate aus aller Welt.