Anette Schreiber

Die Eltern bleiben verunsichert: Sie beklagen einen Maulkorb für das Kita-Personal und schweigen selbst aus Angst vor Repressalien. "Es ist fürchterlich, dass man sich nicht traut, was zu sagen", bringt es ein Hallstadter Elternteil, der natürlich nicht öffentlich genannt werden will, auf den Punkt. Es geht um die Aufarbeitung des mutmaßlichem Missbrauchs an Kita-Kindern. Dazu haben Eltern der Bischberger Awo-Kita Anzeigen erstattet - gegen einen angehenden Erzieher. Der sitzt in U-Haft und hat als Praktikant auch in der Hallstadter Awo-Kita gearbeitet, was aber erst vor kurzem bekannt wurde.
Auch erst über den Fränkischen Tag haben Bischberger Kita-Eltern und der kommissarische Awo-Kreisvorsitzende Klaus Stieringer von den Vorkommnissen erfahren. Ebenso wie dann später Hallstadter Eltern. Stieringer geht in die Aufarbeitungs-Offensive und hatte Dienstagabend Hallstadter Eltern eingeladen. Wie bereits vorletzte Woche die in Bischberg.
"Von Seiten des Vorstands hat niemand einen Maulkorb gekriegt", stellt Stieringer gegenüber dem FT klar. Der Krisenmanager musste sich erwartungsgemäß Vorwürfe wegen miserabler Informationspolitik gefallen lassen und gestand auch hier unumwunden Fehler ein. Für ihn war die wichtigste Erkenntnis an diesem Abend die, dass es vermutlich keine Anzeichen für einen Verdachtsfall in Hallstadt gibt.
Vermutlich. Aus den Reihen der Eltern wird dagegen angeführt, dass der Praktikant im Mai vergangenen Jahres in Hallstadt war. Lässt sich überhaupt noch rekonstruieren, was damals war? "Kinder wissen kaum, dass vor zwei Wochen Ostern war, und wie sollen sie sich dann an Dinge erinnern, die vor fast einem Jahr passiert sind", sagt eine Mutter. Zudem habe es im vergangenen Jahr eine überaus hohe Fluktuation beim Personal gegeben. Es sei kaum noch jemand da, der gefragt werden könnte.


Psychologe erwünscht

So lässt sich nicht hundertprozentig ausschließen, dass es auch in Hallstadt Missbrauchsfälle gegeben haben könnte. Deswegen wünschen sich die Hallstadter Awo-Kita-Eltern, dass ein Psychologe ihre Kinder untersucht. Um auf der sicheren Seite zu sein. Man hofft hier auf die gleichen Hilfsangebote, wie sie für Bischberg zugesagt wurden.
Unter anderem als Zeichen der Solidarität waren Bischberger Eltern zum Hallstadter Eltenabend gekommen. Man hatte sich bereits zuvor getroffen. Was von der Kita-Leitung höchst erstaunt zur Kenntnis genommen worden sein soll.
Im Vorfeld des Hallstadter Elterntreffens war ein anonymer Brief an diverse Stellen und Personen gegangen. In dem werden massive Vorwürfe gegenüber der Awo und insbesondere der Leitung erhoben, die für die Kitas in Bischberg und Hallstadt zuständig ist. Demonstrativ stellt sich Stieringer hinter die in die Schusslinie geratene Leiterin der beiden Kitas: "Ich distanziere mich zu den Vorwürfen. Die Leiterin, gehört zu den besten Mitarbeitern der Awo." Und sie habe viel Schaden von der Awo abgehalten.
Aus den Reihen der Eltern wird jedoch deutlich Kritik am Führungsstil geäußert, etwa dass Kritik nicht erwünscht war, viele fürchteten, den Kitaplatz zu verlieren. Interessant dürfte in diesem Zusammenhang sein, dass die Kita Hallstadt zwar seit etwa drei Jahren besteht, aber erst seit wenigen Wochen und kurz nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Missbrauchsfälle eine Elternvertretung hat. Zur Arbeits-Entlastung der Leiterin und, damit die Hallstadter einen ständigen Ansprechpartner haben, stellte Stieringer beim Elternabend deren neue Stellvertreterin vor. Diese wird nun deutlich präsenter sein - mit einer Vollzeitstelle, statt wie ihre Vorgängerin in Teilzeit. Sie arbeitet seit zwei Wochen in Hallstadt.
Da sei ein Raunen durch den Raum gegangen, beschreiben Veranstaltungsteilnehmer die Reaktion. Wohl auch für die Mitglieder des Hallstadter Kita-Teams sei dies überraschend gewesen. Die Neuerung wurde mit der Schwangerschaft der bisherigen Stellvertreterin erklärt.
Zum Thema Personal sagen Hallstadter wie Bischberger Eltern, dass sie das Gefühl hätten, es habe einen Maulkorb erhalten. Wobei der Begriff explizit auch bei dem Hallstadter Abend gefallen sein soll.
Nur ein Nebenaspekt, der an diesem Abend auch gestreift wurde, war der Garten, auf dessen Fertigstellung Hallstadter Kinder schon lange warten. Dazu führte Bürgermeister Thomas Söder (CSU), der wegen der Brisanz des Themas mit Stellvertreter Ludwig Wolf (BBL) und einem Stadtrat gekommen war, die komplexen Grundstücksverhandlungen als Ursache an.


Viel geschehen

Gegenüber dem Fränkischen Tag betont Stieringer abschließend, in den letzten Wochen sei bei der Aufarbeitung viel geschehen. Neben den Awo-Angeboten wie Finanzierung von Hilfe durch Psychologen, Pädagogen und Juristen greife man Elternvorschläge auf. So stehe etwa eine Diplom-Psychologin und Traumatherapeutin zur Verfügung. Ein komplexes Schutzkonzept werde erstellt.