Matthias Einwag In welchem Beruf ist besonders viel Mut erforderlich? Spontan fällt einem da der Zimmermann ein, der in der landläufigen Vorstellung einen gefährlichen Arbeitsplatz hat. Doch ist das wirklich so, oder ist es ein Vorurteil? Das wollten wir von Zimmermänner dreier Generationen wissen.

"Mit Mut hat's nichts zu tun", antworten Adolf Geuß (85), Stefan Krappmann (52) und Grischa Kofer (26) übereinstimmend. Die drei Männer der Staffelsteiner Baufirma Görtler & Schramm loben ihr Handwerk, das jeder von ihnen, hätte er noch einmal die Wahl, wieder erlernen würde. Dieser Beruf, sagen sie, sei sehr vielseitig und biete täglich neue Herausforderungen.

Man schaut aufs Dach

"Wichtig ist, dass man an den Geräten sicher arbeitet", sagt Adolf Geuß, der in seinem Berufsleben 22 Zimmererlehrlinge ausgebildet hat, von denen acht den Meistertitel erwarben. Seit seinem 16. Lebensjahr arbeitet der 85-Jährige in diesem Metier. Wer diesen Beruf ergreifen möchte, müsse allerdings schon körperlich fit und schwindelfrei sein, fährt er fort. Trainieren könne man das nicht: "Du kannst es - oder du kannst es nicht." Grischa Kofer gibt ihm recht: "Du arbeitest meist mit dem Kopf zum Dach, guckst nicht nach unten." Natürlich könne immer etwas passieren, fügt der 26-Jährige hinzu. Er selbst sei einmal von einem Gerüst gestürzt, das nicht richtig eingehängt war. Passiert ist ihm glücklicherweise nichts: "Ich hab' nur zwei Stockwerke tiefer gelegen."

Arbeiten in 70 Meter Höhe

Stefan Krappmann weiß von einer besonderen Baustelle zu berichten: Vor vielen Jahren arbeitete er mit, als die Kreuze auf den Türmen der Bamberger Michaelskirche erneuert und wieder angebracht wurden. Den Arbeitsplatz in 70 Meter Höhe bezeichnet er noch heute als cool und klasse. Auf Gerüsten zu arbeiten "ist reine Gewohnheitssache", sagt er, in welcher Höhe man sich befinde, sei nicht so wichtig.

Im Gespräch mit den Zimmerleuten kristallisiert sich heraus, dass sie dennoch vorsichtig sind, wenn sie auf einem Dach arbeiten. Wenn es regnet, seien die Balken glitschig und man brauche festes Schuhwerk. Im Sommer, wenn das Thermometer über 30 Grad steigt, gebe es nur eine wirksame Möglichkeit sich zu schützen: Nicht in der größten Hitze arbeiten, sondern morgens zeitig anfangen, um der größten Glut zu entgehen.

Bei der Reparatur schadhafter Dächer sei besondere Vorsicht angesagt: In diesen Fällen sichern sich die Zimmerleute mit Klettergurten ab, die eine Fallstoppeinrichtung besitzen. Es sei wesentlich herausfordernder Sturmschäden an Altbauten zu reparieren, sagen die drei Zimmerleute, als an Neubauten zu arbeiten, an denen genormte und technisch abgenommene Gerüste stehen.

Mit 80 ist definitiv Schluss

Vor einigen Jahren, erzählt Adolf Geuß, habe er noch auf Dächern gearbeitet. "Die Berufsgenossenschaft hat mich mit 80 vom Dach runtergeholt", sagt er mit Bedauern, denn anschließend durfte er nur noch vom Boden aus beratende Tätigkeiten ausüben. Mit trockenem Humor räumt er ein, dass auch er dreimal abgestürzt sei - allerdings in seiner Lehrzeit. Danach nicht mehr. Und das, obwohl er nahezu alle Kirchtürme im Staffelsteiner Land genau kennt, weil er an Reparaturarbeiten daran mitwirkte. "Es is' a schöner Beruf", resümiert der 85-Jährige.