Steinberg — Auch über 100 Tage nach ihrem Amtsantritt strahlt Susanne Grebner noch immer, wenn sie die Tür zum Rathaus aufmacht. Es ist nach wie vor ihr Traumjob, der ihr unglaublich Spaß macht, wie sie im Gespräch verrät.
Und wie sich darin herausstellt, kann sie auch hinter einige ihrer Vorhaben bei Amtsantritt schon Häkchen setzen.

Frau Grebner, wie fällt Ihre Bilanz nach 100 Tagen als Bürgermeisterin von Wilhelmsthal aus?
Gut. Der Job macht mir total viel Spaß. Ich hatte echt Respekt davor, bin aber auf allen Seiten positiv überrascht. Es herrscht sowohl in der Verwaltung ein gutes Miteinander - ich werde von allen unterstützt -, als auch unter den Bürgermeisterkollegen.

Was war das Schönste, das sie bislang als Bürgermeisterin erlebt haben?
Das Schönste ist, dass man etwas bewegen kann. Ich war ja lange im Gemeinderat und habe versucht, dort etwas zu bewegen, hatte aber nicht die direkte Möglichkeit. Jetzt ist das anders.
Zum Beispiel kam gleich an meinem ersten Tag im Amt ein Pärchen auf mich zu, dessen Anbau an ein Haus abgelehnt wurde. Ich hab' gleich am 2. Mai mit dem Landratsamt telefoniert und nun wurde der Bau doch genehmigt. Da hab' ich mich riesig gefreut, dass ich helfen konnte.
Und ich freue mich auch darüber, dass ich in allen Ortsteilen so herzlich empfangen werde.
Etwas ganz Besonderes waren für mich auch die ersten Trauungen, die ich halten durfte. Ich war selbst ganz ergriffen. Das sind Erlebnisse, die man nicht vergisst.

Und was war Ihre bisher größte Herausforderung?
Bis jetzt gab es nichts, wo ich dachte, "Das schaffe ich nicht" oder "Oh Gott, worauf hab' ich mich da eingelassen?" Egal, ob das das Thema Breitband oder die Stützmauern sind - wir haben immer eine Lösung gefunden.

Aber der Job ist bestimmt auch stressig, oder?
Im Vergleich zu meinem vorherigen Job im Drogeriemarkt, bei dem ich 25 Stunden die Woche gearbeitet habe und wenn ich heim gekommen bin, auch fertig war mit der Arbeit, schon. Aber ich wusste, dass es kein 40-Stunden-Job werden wird, dass es viele Abend- und Wochenend-Termine sein werden. Die Bürger wollen natürlich, dass ihre Bürgermeisterin präsent ist und ich nehme das auch sehr ernst. Freilich ist es sehr viel Zeit, die man investiert, aber mir macht das Spaß.

Was ist in den gut 100 Tagen alles passiert?
Der Hauptgrund für meine Kandidatur war ja ein besseres Miteinander - in der Verwaltung, im Gemeinderat und in den Ortsteilen. Durch viele Gespräche läuft das eigentlich ganz gut. Auch das Thema Breitband ist im Gange und die Kinderkrippe in Wilhelmsthal wird auch gebaut. Eine meiner Aufgaben war es auch, einen Haushalt aufzustellen, der genehmigungsfähig ist. Jetzt haben wir einen genehmigungsfähigen Haushalt mit einer guten freien Spitze, einvernehmlich mit allen Parteien aufgestellt.

Wie kombinieren Sie denn diesen zeitintensiven Job mit ihrem Privatleben?
Es müssen daheim einfach alle mit anpacken und wir haben auch die Prioritäten ein bisschen anders gelegt. Mein Garten leidet etwas. Aber es funktioniert, weil alle hinter mir stehen und unheimlich stolz auf mich sind.
Trotzdem können Sie sich den Rest Ihrer Amtszeit wahrscheinlich nicht zurücklehnen. Was gibt es denn noch zu tun?
Das Straßen- und damit auch das Kanalnetz müssen erneuert werden. Wir müssen versuchen, die Leute dazu zu bewegen, mitzumachen, Verantwortung für ihre Ortsteile zu übernehmen. So wie das beispielsweise in Gifting der Fall war. Dort haben die Giftinger ihren Steg in Eigeninitiative gebaut und der Gemeinde dadurch einiges an Geld gespart. Ähnlich war das auch beim Spielplatz in Lahm. Man merkt schon, dass ein Ruck durch die Gemeinde geht. Und das ist es auch, was ich will, dass jeder stolz auf seine Gemeinde ist.

Die Kommunen sind ja bekanntlich größtenteils finanziell schwach auf den Beinen. Kann man denn da als Bürgermeisterin überhaupt etwas gestalten oder verwaltet man nur?
Das Verwalten ist natürlich meine Pflicht. Aber nicht nur - ich sehe auch Spielraum, zu gestalten. Das geht schon mit Kleinigkeiten. Unseren Bürgern kommt es nicht nur auf Großes an, man kann ihnen auch schon mit Kleinigkeiten eine Freude machen.

Welche Herausforderungen kommen noch auf Sie zu?
Die Dorferneuerung Effelter wird sicher nicht einfach. Aber ich denke nicht, dass es da keine Lösung geben wird.

Nach über 100 Tagen im Amt haben Sie sich bestimmt mal Urlaub verdient. Wo geht es denn hin?
Ja, im September mache ich Urlaub, bringe meine Tochter Laura nach London, die dort ein Auslandssemester macht.

Das Gespräch führte Corinna Igler