Wie war das, vor 50 Jahren in die Schule zu gehen? 15 Ehemalige der Blaicher Schule schwelgten im Restaurant "Hagleite" in Erinnerungen. Der damalige Schulrektor hieß Truckenbrodt, der Unterricht wurde im alten Schulhaus gehalten, und für den Handarbeits- und Werkunterricht gab es Baracken auf dem Schulgelände.
"Der Neubau wurde erst einige Jahre später errichtet", sagte Lydia Meister, dort hätten sie dann Kochunterricht gehabt. Dabei hatten sie und ihre Mitschülerin Ilse Eschenbacher gar nichts mit Handarbeiten am Hut, die beiden hätten als Mädchen viel lieber gebastelt oder gewerkelt, das war aber den Jungs überlassen.


Buben waren in der Unterzahl

"Dafür gaben wir Mädchen in der Klasse den Ton an", erinnerte sich Ilse Eschenbacher, denn die Jungs seien stark in der Unterzahl gewesen und hätten bei Entscheidungen wie Klassenausflügen immer den Kürzeren gezogen.
Das sei aber nicht so schlimm gewesen, empfand Karl-Heinz Stamm, "es war ohnehin eine strenge Zeit - und wir mussten immer gehorchen".
Ganz berüchtigt war ein Lehrer, der bei seinen cholerischen Anfällen seinen dicken Schlüsselbund nach den Kindern warf oder ihnen mit einem Stöckchen auf die Köpfe klopfte. "Bei einem anderen fing man sich schnell einmal eine satte Schell'n ein, da war die Backe dann ganz dick", sagte Karl-Heinz Stamm, der auch schon mal eine Backpfeife zu spüren bekam, weil er geschwätzt hatte.
In den ersten beiden Klassen schrieben die Kinder noch auf Schultafeln, dann gab es ein Schulheft und ein Rechenheft und einen Füller zum Aufziehen.
Klassensprecher hatte man noch nicht, aber "wir Mädchen waren uns ohnehin meist einig", lachte Lydia Meister. Was ihnen im Vergleich zur heutigen Schulzeit auffällt ist, dass früher Streitigkeiten direkter ausgetragen wurden - nicht so hintenherum.


Eine echte Gemeinschaft

"Wir hatten eine echte Klassengemeinschaft", sagte Lydia Meister. Süßigkeiten kauften die Kinder damals im Schreibwarenladen Döbel, und zu Fasching freuten sie sich, dass ein Mitschüler der Sohn der Bäckerei Müller war. "Im Fasching wurden Anisbrezen gebacken, und er hatte immer eine große Stange dabei, auf die für jeden Schüler eine Breze aufgesteckt war."
Viele Jahre hatten sich die ehemaligen Klassenkameraden nicht getroffen, zuletzt zur goldenen Konfirmation. Da es aber so viel Erzählstoff gab, wollen sie ihr Klassentreffen künftig jährlich veranstalten. Uschi Prawitz