Ludwig Spaenle, der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungskultur und geschichtliches Erbe, kniet beinahe andächtig vor der Mikwe im historischen Zapfenhaus in Mitwitz. Er war gekommen, um sich das Kulturerbe mit eigenen Augen anzusehen und war sichtlich beeindruckt von dem rituellen Tauchbad.

"Mehrwert, Nachhaltigkeit, ein konzeptioneller und vor allem ein strategischer Ansatz," all das lobte er an der Pressekonferenz im Rathaus. Und dass man mit Heinz Köhler jemanden an der Hand habe, der sich nicht nur um den Erhalt dieses Gebäudes und des Tauchbeckens, sondern vor allem auch um eine sinnvolle Nutzung bemühe.

Die Bienen sollen einziehen ins Zapfenhaus. "Wir möchten hier eine Außenstelle der Ökologischen Bildungsstätte installieren." Odette Eisenträger-Sarter vom Aktionskreis Kronacher Synagoge ergänzt: "Im Haus selbst wird ein Schulungsraum entstehen, eine Bienenwerkstatt wird eingerichtet, im Außenbereich gibt es dann einen Bienen-Lehrstand und Streuobstwiesen." Abgetrennt davon soll der Bereich um die Mikwe als selbsterklärendes, kleines Museum dienen, das dann beispielsweise von Touristen oder Schulklassen besucht werden kann.

Spaenle lobte vor allem diesen strategischen Ansatz, der sich nicht nur auf eine museale Schiene beschränke, sondern Mehrwert im Auge habe. "So profitieren nicht nur die Menschen, sondern auch die Bienen." Außerdem erwähnte er Beratungen auf Bundesebene für ein bayernweites Vorhaben, das im Jahr 2021 geplant sei. Spaenle: "Man will gezielt an jüdisches Leben in bayerischen Gemeinden erinnern. Es wäre toll, wenn Mitwitz dabei wäre."

Auch Bürgermeister Hans-Peter Laschka plädiert dafür, jüdisches Erbe zu erhalten. Dem Zufall sei es nämlich zu verdanken gewesen, dass man die Mikwe überhaupt entdeckt habe, denn sie wurde sogar zeitweilig als Trinkwasserspeicher genutzt. "Das ist für Mitwitz ein unerhörter Glücksfall, denn so etwas findet man ja nicht immer und überall." Sein kurzer Abriss über die jüdische Geschichte von Mitwitz war auch für Ludwig Spaenle interessant: "Älteste Belege für jüdische Einwohner in Mitwitz finden sich im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Bis 1877 bestand in Mitwitz eine jüdische Gemeinde. 1887 verließ der letzte jüdische Einwohner den Ort. Um 1840 lebten hier 119 Juden in 21 Familien. Das waren immerhin fast 20 Prozent der Einwohner."