Eine Erfolgsgeschichte nannte Horst Schwemmer, Biberberater des Bund Naturschutz für Franken und die Oberpfalz, die Wiedereinbürgerung des Bibers. Die unschätzbaren Leistungen des "Ökobaumeisters" für die Artenvielfalt und den Hochwasserschutz im Landkreis Forchheim stellte Richard Mergner, Landesbeauftragter des Bunds Naturschutz (BN), bei einem Ortstermin im Trubachtal vor.
"Biber sind unsere wichtigsten Verbündeten, um den fortschreitenden Verlust bedrohter Tier- und Pflanzenarten zu verhindern", unterstrich Horst Schwemmer. Der Biberberater des Landkreises Forchheim, Wilfried Schwarz fand: "In Zeiten der Klimaveränderung ist der Wasserrückhalt durch den Biber unverzichtbar." BN- Kreisvorsitzender Uli Buchholz betonte: Vom Biber angelegte Feuchtgebiete seien wesentlich artenreicher und kostengünstiger als jedes vom Menschen an-gelegte Biotop.
An zwei Biberburgen nahe Schweinthal und bei Untertrubach zeigten die Vertreter des Bunds Naturschutz in den von Bibern gestalteten Revieren die ökologische Bedeutung der Nager auf. "Das Bibermanagement hat sich absolut bewährt. Bei gutem Willen sind Konflikte zwischen Mensch und Biber immer zu lösen", unterstrich Biberberater Schwarz.


Hand in Hand mit Landwirten

An der Trubach seien Biber seit einigen Jahren über die Wiesent eingewandert. Die Nagetiere hätten sich, über die größeren Gewässer kommend, wieder in den zufließenden Bächen ausgebreitet. Bei Untertrubach legten die "Wasserbauingenieure" Dämme an, die dann in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Biberberater, von Gemeindemitarbeitern drainiert wurden. "Solche Maßnahmen dürfen aber nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörde durchgeführt werden, da Biber und deren Bauten streng geschützt sind", unterstrich der Bibermanager für Nordbayern, Horst Schwemmer.
"Der Biber unterstützt die Renaturierung von Fluss- und Talauen", betonte der hauptamtliche Biberberater. Forschungen hätten gezeigt, dass nach dem Bau von Biberdämmen die Strukturvielfalt in dem Gebiet erheblich gestiegen sei und sich die Zahl der Fischarten annähernd verdoppelt habe. Untersuchungen belegten, dass die Fauna und Flora deutlich und schnell von der Auenrevitalisierung profitierten, die durch die Tätigkeiten des größten europäischen Nagetieres in Gang gebracht wurden.
Zahlreiche besonders anspruchsvolle Tierarten wie Wasserralle, Eisvogel, Laubfrosch, Elritze, Grüne Keiljungfer, Schwarze Heidelibelle und Kleine Pechlibelle nutzten ganz gezielt die neu entstandenen bzw. renaturierten Habitate. Für die Nahrungsketten besonders wichtige Arten wie Grasfrosch, Grünfrösche, diverse Heide- und Kleinlibellen oder Röhrichtbrüter entwickelten in den von Bibern umgestalteten Bereichen große Populationen. An Waldbächen habe sich durch Bibereinfluss die Anzahl von Libellenarten vervielfacht.


Größere Artenvielfalt

Statt vier Arten vor dem Auftreten des Bibers seien nach der Rückkehr von Meister Bockart 29 Arten gezählt worden. 18 der 19 in Deutschland heimischen Amphibienarten, gut die Hälfte der in Deutschland heimischen Libellen und 116 Vogelarten seien bislang in Biberreichen nachgewiesen worden. Fische profitierten vom Biber durch Totholz im Wasser, durch zusätzliche Laichplätze, Verstecke und mehr Nahrung. An Biberburgen sei eine gegenüber dem restlichen Gewässer 80-fach erhöhte Fischdichte festgestellt worden. Außerdem sei an Biberdämmen eine fünffach höhere Dichte an Insekten als in der offenen Wasserfläche gefunden worden.
"Doch wir müssen wieder lernen, mit dem Biber zu leben", betonte Schwemmer. Bevor der Nager ausgerottet wurde, habe es in Bayern einen Biberbestand von bis zu 100 000 Tieren gegeben. Jeder Bach, jeder Fluss und jede Auenlandschaft waren "Biberland". Die Vertreter des Bunds Naturschutz räumten aber auch ein, dass auch im Landkreis Forchheim bereits die ersten Biber abgeschossen worden seien. An den Haarweihern zwischen Stiebarlimbach und Haid seien nach Absprache mit der Naturschutzbehörde Biber getötet worden, weil sie Dämme untergraben und hohen wirtschaftlichen Schaden angerichtet hatten.
Die Nager auf Schäden in der Landwirtschaft und an Fischteichen zu reduzieren, verkenne die Leistung des Öko-Baumeisters", fand Ulrich Buchholz. Der gesamtwirtschaftliche Nutzen, den der Biber bringe, sei jedenfalls um den Faktor 70 größer als der von ihm angerichtete Schaden. JH