Seit 20 Jahren heißt der Bürgermeister von Oberthulba Gotthard Schlereth. Das wird sich mit der Kommunalwahl ändern, denn Schlereth tritt nicht mehr an. In seine Fußstapfen tritt dann Mario Götz. Er ist der einzige Kandidat, der sich um die Nachfolge beworben hat, was er schade findet, denn "im Sinne der Demokratie wäre es schöner gewesen, wenn der Wähler eine Auswahl gehabt hätte". Er wirbt trotzdem so aktiv um Stimmen, als wäre er nicht der Einzige, hat sich in allen Ortsteilen schon letztes Jahr vorgestellt und wiederholt das jetzt noch einmal, um eine hohe Wahlbeteiligung zu erzielen.

Schon im Herbst 2018 hatte Schlereth bekannt gegeben, dass er nicht mehr kandidiert. Danach sei bei ihm der Gedanke gereift, sich zu bewerben, denn "Kommunalpolitik macht mir Spaß, sie liegt mir am Herzen", sagt Mario Götz. Er habe viele Gespräche geführt, natürlich auch mit seiner Familie, für deren Rückhalt er dankbar ist. Es sei schön, Dinge nach vorne bringen zu können, und als Bürgermeister habe man einen hohen Gestaltungsspielraum.

CSU und Freie Wählergemeinschaft haben ihn als ihren Bürgermeisterkandidaten nominiert, zudem steht er auf der Kreistagsliste der CSU, denn "als Bürgermeister einer Gemeinde mit über 5000 Einwohnern wäre es schon sinnvoll, im Kreistag zu sein". Als 3. Bürgermeister weiß Mario Götz bereits, was auf ihn zukommt. Deshalb hat der 39-Jährige auch schon konkrete Vorstellungen. "In jedem Ortsteil sind Projekte in der Planung, die ich angehen möchte", sagt er und macht damit deutlich, dass keine Gefahr besteht, dass er als gebürtiger Hassenbacher und derzeitiger Ortsbeauftragter des Gemeindeteils diesen bevorzugt. Das Ehrenamt liegt bei seiner Familie im Blut. Der Urgroßvater war einst Bürgermeister von Hassenbach, und auch Vater und Großvater waren in Vereinen aktiv. "Ich war gerade mal 18 Jahre alt, als ich Kassier vom Sportverein wurde, und das bin ich heute noch", erzählt Götz, dem das Vereinsleben gefällt. Für ihn sei das Dorfleben "das Schönste, was ich mir vorstellen kann". Es sei sehr familiär, und das gefällt ihm. "Der Kontakt zu den Leuten, der gibt einem etwas", sagt er, und da könne ruhig auch mal etwas Kritisches dabei sein, "das gehört dazu". Ihm sei bewusst, dass man als Bürgermeister ein breites Kreuz haben muss. Das musste er auch in der Sparkasse haben, wo er Führungserfahrungen gesammelt hat. "Der Job hat auch Spaß gemacht, aber jetzt habe ich die Möglichkeit, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen", sagt er. Und gesteht mit Blick auf das Amt des Gemeindeoberhaupts: "Dafür brenne ich!" Das hätten seine Vorgesetzten verstanden. Für ihn sei das eine Entscheidung fürs Leben, sieht er seinen Platz in der Kommunalpolitik. Hier sehe man schneller die Auswirkungen seiner Entscheidungen als in der großen Politik, findet er.

Ändern werde sich sein Leben kaum. Er sei schon jetzt "relativ strukturiert" und gewohnt, konzeptionell und projektbezogen zu arbeiten. Auch eine Führungsrolle habe er bereits seit 2012 inne. Es sei natürlich mehr Verantwortung und vermutlich auch mehr Abend- und Wochenendtermine, aber "ich freu mich drauf". Und obwohl er als 3. Bürgermeister schon viel Einblick in die Rathausarbeit hatte - wo er im Übrigen bereits während seiner Schulzeit ein Praktikum gemacht hat -, hat er selbst an sich den Anspruch, sich noch in das Verwaltungsrecht einzuarbeiten. "Das ist mein eigener Anspruch, damit ich bei Fachthemen, zum Beispiel im Baurecht, mitreden kann", so Götz. Besonders freut sich der Familienvater, der mit Eltern, Frau und Kind in einem Generationenhaus wohnt, dass er als Bürgermeister seine Mittagspause daheim verbringen kann, nachdem sein Arbeitsweg dann nur noch fünf Minuten beträgt.