Wegen vorsätzlicher Körperverletzung musste sich am Donnerstag ein 24-Jähriger vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten. Doch das war nicht der einzige Anklagepunkt: Weil er Straftaten angedroht hatte, wurde dem jungen Syrer zudem Störung des öffentlichen Friedens vorgeworfen. Am Ende stand eine Geldstrafe von 1000 Euro.

Im Juni 2018 soll der Angeklagte an der Berufsschule in Kulmbach einen Mitschüler mit einem Kopfstoß und einem Schlag auf die Wange verletzt haben. Am gleichen Tag soll er gegenüber der Klassenlehrerin mit den Worten "Ich komme morgen und übermorgen wieder, ich kann etwas Großes machen, ich bringe ein Messer mit" gedroht haben.

Durch eine eingehende Befragung des Angeklagten und mehrerer Zeugen brachte Vorsitzende Richterin Sieglinde Tettmann Licht in die Tatumstände. Was die Körperverletzung angeht, so habe es sich um eine Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und einem afrikanischen Mitschüler gehandelt. "Letzterer fühlte sich im Ramadan von der lauten Musik des Beschuldigten belästigt", sagte die Klassenlehrerin im Zeugenstand aus. Der 24-Jährige habe aber nicht mit sich reden lassen, woraufhin es zu einer Rauferei gekommen sei. "Das war aber nichts, weshalb wir die Polizei gerufen hätten", erklärte die Pädagogin.

Das eigentliche Problem, das der Angeklagte mit sich herumtrug, hatte sich wohl schon über längere Zeit aufgebaut. "Der Angeklagte ist während seiner Schulkarriere schon mehrfach bei uns auffällig geworden", sagte seine ehemalige Lehrerin. Es seien bereits drei Disziplinarverfahren wegen unentschuldigter Fehlzeiten, Betäubungsmittelkonsums und ähnlichen Dingen gegen ihn anhängig gewesen.

"Auf Verwarnungen hat er oft mit solchen Drohungen reagiert, eine Sozialpädagogin hat sogar aus Angst vor ihm gekündigt", sagte die Zeugin.

An besagtem Tag habe der Disziplinarausschuss getagt. Ihm sei gegen Mittag eröffnet worden, dass er mit sofortiger Wirkung von der Schule verwiesen werde, sagte der Schulleiter. Da er nicht mehr schulpflichtig gewesen sei, sei das möglich gewesen "Wir haben ihm Hausverbot erteilt und nach der Drohung die Polizei alarmiert", erklärte der Zeuge. Schließlich habe er als Schulleiter eine Sorgfaltspflicht zu erfüllen.

Dafür, dass der Angeklagte durch die Situation und die entstandene Perspektivenlosigkeit emotional stark aufgewühlt und aggressiv war, zeigten die Richterin und der Staatsanwalt Verständnis. "Es lag nicht in der Absicht meines Mandanten, anderen Menschen Angst zu machen", bekräftigte Anwalt Ralph Pittroff. Weiterhin betonte er, dass der Angeklagte mehrfach zur Entgiftung im Bezirkskrankenhaus Bayreuth gewesen sei und dass er inzwischen eine Arbeit gefunden habe.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde die Anklage in Bezug auf die vorsätzliche Körperverletzung fallengelassen, da hier keine eindeutige Schuldzuweisung möglich war.

In Punkt zwei der Anklage aber verstand Richterin Tettmann keinen Spaß. "Bei solchen Äußerungen spielt es keine Rolle, ob man das ernst meint", sagte sie. Es sei nur entscheidend, dass andere das als Bedrohung verstehen und Angst haben. Damit sei der Tatbestand erfüllt. "Und gerade wenn ein Mensch verzweifelt ist, sind schon die schlimmsten Sachen passiert."

Betreuung angeordnet

Die Schulleitung habe die Situation zu Recht ernst genommen, und auch das Gesundheitsamt habe entsprechend reagiert, als der Angeklagte nach der Festnahme wegen Eigen- und Fremdgefährdung ins Bezirkskrankenhaus eingewiesen wurde. Zugunsten des Angeklagten sprach für die Richterin, dass er ein Teilgeständnis abgelegt und sich entschuldigt habe, er sei nicht vorbestraft und habe sich in einer psychisch schwierigen Lage befunden. Deshalb sei auch im vergangenen Jahr eine Betreuung angeordnet worden.

"Wenn Sie so weitermachen und auch noch zum Arzt gehen, sind Sie auf einem guten Weg. Nehmen Sie bitte weiterhin Hilfe an", gab Tettmann dem Angeklagten mit auf den Weg. Er wurde wegen Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung von Straftaten zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro verurteilt.