"Wir als Kreisverband Kronach stehen am landesweiten BLLV-Aktionstag ,Lehrermangel: So nicht!' für uns Lehrerinnen und Lehrer ein", erklärte Kreisverbandsvorsitzender Jens Schmidt vor dem am heutigen Freitag stattfindenden Aktionstag. Die Kollegen an den Grund-, Mittel- und Förderschulen würden sich positionieren und ein Zeichen setzen. Schmidt verwies darauf, dass seit Jahren immer stärker belastete Lehrkräfte den Schülern mit ihren vielen Bedürfnissen nicht mehr gerecht werden könnten, wie sie dies ihrem Selbstverständnis nach möchten. Nun kämen die von Kultusminister Michael Piazolo verkündeten Notmaßnahmen hinzu - obwohl er im Sommer noch von einer sicheren Unterrichtsversorgung gesprochen habe.

Darunter werde die Bildungsqualität in Bayern massiv leiden. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen und Erwartungen an die Schulen immer weiter. "Um nicht falsch verstanden zu werden: Lehrerinnen und Lehrer sind engagiert, qualifiziert und sie machen ihre Arbeit gern, mit großem Einsatz und großer Lust." Es könne aber nicht sein, dass das große Engagement weiterhin so ausgenutzt wird.

Geschehen werde die Aktion in Form individuell gestalteter Protestfotos und Postkarten. Auf diesen Karten würden ganz persönliche Botschaften an den Kultusminister formuliert. "Wir sammeln alle Postkarten aus ganz Bayern und übergeben diese demnächst persönlich an den Kultusminister."

Der Protest richte sich gegen die Anfang Januar angeordneten "Maßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung" des Kultusministeriums. Kreisvorsitzender Jens Schmidt hält die Maßnahmen des Kultusministeriums gegen den Lehrermangel für völlig inakzeptabel. "Drastische Maßnahmen wie beispielsweise Mehrarbeit aber vor allem die Einschränkungen bei der Teilzeit und der Wegfall des Antragsruhestands für eine Berufsgruppe haben das Fass auch in unserem Kreisverband zum Überlaufen gebracht." Die Kollegen seien sehr enttäuscht, verunsichert und demotiviert, so Schmidt. Er fordert die Politik auf, hinzuschauen, welchen Belastungen die Kollegien seit Jahren ausgesetzt sind.

"Wir sagen Nein zum Arbeitszeitkonto für Grundschullehrkräfte, denn bei uns fehlen beispielsweise die meisten Stunden in den Mittelschulen. Dies hätte dann stundenweise Abordnungen von Grundschullehrern an die Mittelschulen zur Folge." Die zeitweilige Arbeitszeiterhöhung sei aber bei weitem nicht das wichtigste Anliegen. "Ganz besonders laut aber sagen wir Nein zur Anhebung der Antragsaltersgrenze und Nein zu Einschränkungen bei Teilzeitmöglichkeiten! Genau das wird uns mittel- und längerfristig die größten Probleme bereiten. Wir fordern ein Signal der Politik und erwarten, dass jetzt die BLLV-Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen, A13 für alle Grund- und Mittelschullehrkräfte, eine flexible Lehrerbildung und eine Aufwertung der Fach- und Förderlehrkräfte erfüllt werden."

Der BLLV habe der Politik immer die Realität an den Schulen vor Ort aufgezeigt, immer wieder gewarnt und Forderungen aufgestellt. Zuletzt auf landesweiten Pressekonferenzen in München im Juli und Oktober vergangenen Jahres mit der klaren Botschaft, dass "die Hütte brennt - wir wurden nicht gehört", kritisiert Schmidt. "Jetzt sollen wir es sein, die für die personelle Misswirtschaft an den Schulen gerade stehen müssen."

Wie es aussieht sollen Witwen, die 16 Stunden Teilzeit arbeiten und dazu ein Witwengeld erhalten, künftig acht Stunden mehr arbeiten, ohne mehr Geld auf dem Konto zu haben. Viele jüngere Lehrerinnen hätten kleine Kinder. Für diese Frauen bedeutet jede zusätzliche Stunde besondere Belastungen.

Der BLLV-Landeschatzmeister Reinhard Horn gibt noch eines zu bedenken: Noch vor wenigen Jahren seien viele fertig ausgebildete Lehrer auf den Wartelisten geblieben oder erhielten nur befristete Arbeitsverträge. Viele seien in andere Bundesländer oder andere Berufe abgewandert. rg