Stolz zeigt die 90-jährige Kunigunde Hofmann aus Kalteneggolsfeld ihr Bundesverdienstkreuz und die dazugehörige Urkunde. "Ja, ich habe in meinem Leben viel erlebt. Viel Schönes, aber auch viel Schlimmes", sagt sie. Doch trotz all dem Erlebten hat sie ihre Freude am Leben nicht verloren und ist auch heute noch eine energische Frau, die sich durchsetzen kann.

Kunigunde Hofmann ist in Teuchatz geboren und hatte sechs Geschwister. Jeden Tag lief sie zur Schule nach Oberngrub. Nach der achten Klasse besuchte sie die landwirtschaftliche Berufsschule. "Wir haben in der Schule keine Sprachen gelernt. Und in der Berufsschule ging es um Hauswirtschaft und Handarbeit", erinnert sie sich.

Danach arbeitete sie bei den Eltern in der Landwirtschaft. "Da wurde man nicht gefragt. Die Mutter bestimmte, dass ich daheim mithelfen muss", erzählt Kunigunde Hofmann. Denn eigentlich wollte sie als Bauernmagd oder in einem Laden in der Hauswirtschaft arbeiten, denn da bekam man 50 Mark im Monat bezahlt. "Aber meine Mutter hat mich nicht fortgelassen", sagt sie und berichtet, dass sie sich um die kleinen Geschwister kümmern musste.

Die Mutter hatte zweimal Zwillinge bekommen. "Damals haben wir Windeln aus alten Tüchern gemacht. Die musste man dann mit der Hand waschen und zum Trocknen aufhängen", entsinnt sich Kunigunde Hofmann. Sie musste die Kinder versorgen, den Haushalt machen und auf dem Feld mitarbeiten.

Das war ihr Traum

Dabei war es ihr Traum, arbeiten zu gehen und eigenes Geld zu verdienen. Gern wäre sie selbstständig gewesen.

Hin und wieder durfte sie zum Kirchweihfest ausgehen. Bei der Kerwa in Oberngrub traf sie ihren zukünftigen Ehemann Albert, der mittlerweile verstorben ist. "Er hatte eine kleine Landwirtschaft mit vier Kühen. Meine Mutter hatte einen anderen für mich vorgesehen, aber ich hatte mich in ihn verliebt", erzählt Kunigunde Hofmann. Und diesmal setzte sie sich durch, denn sonst wäre sie ins Kloster gegangen.

1953 heirateten die beiden und bekamen acht Kinder. "Ich habe nur einmal nicht daheim entbunden, sondern in der Klinik. Das Mädchen ist gestorben", sagt sie und erzählt, dass ihr Mann arbeiten gegangen ist und sie sich um Haushalt, Kinder und Landwirtschaft gekümmert hat.

Trotz der vielen Arbeit behielt sie ihren eigenen Kopf. Im Sommer ging sie im Bikini aufs Feld und sie fuhr Motorrad und Traktor. "Ja, ich hatte mal einen Verehrer mit Motorrad. Der hat mir das beigebracht", verrät sie und zwinkert. Früher waren die Straßen nicht asphaltiert, deshalb stürzte sie schon mal. Später durfte sie ganz offiziell den Motorradführerschein machen und bekam das Motorrad vom Schwager, der sich ein Auto kaufte.

"Wir haben früher auch mit Pflug und Kühen geackert", schildert Kunigunde Hofmann die früheren Zeiten. Dann wurde ihre zwölfjährige Tochter Gerda krank und mit Verdacht auf Typhus erst ins Krankenhaus nach Ebermannstadt, dann nach Erlangen gebracht. Nach einer Rückenmarkpunktierung war das Kind ein Pflegefall. Nach zwei Jahren im Krankenhaus wurde sie zum Sterben nach Hause entlassen. Hier pflegte sie Kunigunde Hofmann von 1968 bis 2013. Nach Operationen konnte das Kind sogar wieder an Krücken gehen.

Trotz aller Widrigkeiten des Lebens besuchten Kunigunde Hofmann und ihr Mann auch mit 80 Jahren noch Tanzveranstaltungen. "Ja, ich habe immer gern getanzt und Witze erzählt. Ich bin ein lebenslustiger Mensch", beschreibt sich Kunigunde Hofmann. Sie verrät, dass sie immer an vorderster Stelle war, wenn im Dorf etwas Lustiges geplant worden ist.

Nicht nur in der Familie, sondern auch im Ort engagierte sich Kunigunde Hofmann. Zum Bespiel kümmerte sie 30 Jahre lang um den Osterbrunnen oder schmückte mehr als 40 Jahre lang die Kirche. Sie betete Rosenkränze, kümmerte sich um die Maiandachten, organisierte bei der freiwilligen Feuerwehr und gestaltete 30 Jahre lang die Seniorennachmittage. Auch um den Blumenschmuck im Dorf kümmerte sich Kunigunde Hofmann und war da, wenn Hilfe nötig war. Für dieses Engagement wurde sie vom Landkreis Bamberg, vom Land Bayern und 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.