Michael Busch Kennen Sie Friedberg? Nein, nicht das Friedberg bei Augsburg, das hessische Friedberg, etwa 25 Kilometer nördlich von Frankfurt. Mit fast 30 000 Einwohnern ein wenig größer als Herzogenaurach und ebenfalls weltbekannt. Der Groschen ist gefallen? Mit einem Namen wird zumindest den älteren Generationen auf einen Schlag klar, wohin man dieses Friedberg stecken kann.

Elvis Presley! Der trifft am 1. Oktober 1958 gegen 19.30 Uhr mit dem Zug aus Bremerhaven in Friedberg ein. Er bezieht in den Ray Barracks sein Zimmer im Gebäude 3707. Auch wenn er am 2. März 1960 das kleine hessische Städtchen wieder verlässt, hat er seine Spuren inklusive des Presley'schen Geist hinterlassen. Es gibt einen Elvis-Presley-Platz, eine übergroße Gitarre auf Höhe der ehemaligen Militärbasis weist auf die Berühmtheit hin, die 18 Monate dort verbracht hat.

Hüftschwung heißt Gehen

Seit dem Dezember 2018 gibt es aber eine weitere Besonderheit. An drei Ampelanlagen sind die Lichter der Fußgängerampeln mit der Silhouette Elvis' hinterlegt. Das rote Licht zeigt Presley stehend am Mikro. Das grüne Signal präsentiert den Fußgängern einen Elvis beim berühmten Hüftschwung. Die Kreisstadt schaffte es mit dieser "Ampelidee" bis in die Gazetten auf dem nordamerikanischen Kontinent. Gut, man könnte jetzt sagen: Wir können das nicht so einfach nachmachen? Warum denn nicht? Es bringt doch im Grunde Farbe in das trostlose rot-grün einer gemeinen Fußgängerampel. Die Frage ist, was man dort auf den Farbkreisen unterbringt, ohne dass es falsch verstanden wird.

In Herzogenaurach böten sich die großen Firmen natürlich an. Ein Nadellager aus der Firma Schaeffler ist vermutlich eher unspektakulär und auch nicht sofort zu erkennen. Sinniger, immerhin geht es bei einer Ampel auch um Bewegung, sind die Logos der Sportartikelhersteller. Prädestiniert für das Grün ist der springende Puma, da ist Bewegung drinnen, er fordert regelrecht zum "Absprung" über die Straße auf.

Doch wäre Adidas einverstanden, wenn sie das Rot belegen müssten? Stillstand ist eine Interpretationsmöglichkeit, es könnte aber auch für "Zur Ruhe kommen" stehen, was eher positiv besetzt ist.

Werbung für die Stadt

Wie sieht es mit Personen aus - elvisgleich sozusagen? Das Konterfei des Bürgermeisters German Hacker auf Rot wäre eine Möglichkeit. Immerhin ist es die Signalfarbe seiner SPD. Über Stillstand an dieser Stelle zu philosophieren wäre politisch nicht korrekt, aber ebenso wenig wäre es dies, würde seine Silhouette auf dem Grün prangen. Dort böte sich eher das neue Logo der Stadt an. Eine Werbemaßnahme der besonderen Art und Weise.

Und wie sieht es rechtlich aus? Die Straßenverkehrsordnung sieht in ihren "Richtlinien für Lichtsignalanlagen" vor, dass die Verkehrsregelungen für alle auf den ersten Blick zu erkennen sein müssen. Konkret bedeutet das, dass grundsätzlich, neben den konventionellen, nur die aus der DDR bekannten Ostampelmännchen im deutschen Straßenverkehr zulässig sind. Für alle anderen Motive gelten Sondergenehmigungen, bei denen die jeweiligen Kommunen bei einem Unfall das Risiko tragen, haften zu müssen.

Wenn Sie Ideen für Herzogenaurach haben (oder andere Gemeinden) schreiben Sie uns einfach an herzogenaurach@infranken.de. Wir sind gespannt, welche Möglichkeiten es gibt. Sie wohnen in einem Ort ohne Ampel? Solch ein Motiv wäre vielleicht die Möglichkeit, sich eine Ampel anzuschaffen, als Kunst im öffentlichen Raum sozusagen.

Nebensatz 1: Die Ampel feierte im Dezember 2018 im Übrigen ihren 150. Geburtstag.

Nebensatz 2: Die Motivwahl muss genau überlegt sein. Denn betrachten Sie sich den roten Elvis mal genauer. In Friedberg spricht man davon, dass es auch ein an einem Urinal stehender Elvis sein könnte. Es ist übrigens ein Schelm, der Böses dabei denkt, wenn er erfährt, dass die Ampeln rund um den Elvis-Presley-Platz stehen. Auf dem Platz steht wiederum ein öffentliches Klohäuschen der hessischen Gemeinde.