Wenn die Besucher der Stadtpfarrkirche durch das schwere Eingangstor treten, richtet sich ihr Blick auf das außergewöhnliche Gotteshaus vor ihnen. Selbst die berühmten bemalten Fenster und der einmalige Riemenschneider-Altar im Chor sind schon vom Vorraum aus zu erkennen. Da bemerken die meisten Besucher nicht, dass sie sich im romanischen Teil der Kirche befinden und auch den kleinen Eingang auf der rechten Seite lassen sie "links liegen". Meist ist die kleine Kapelle durch ein Gitter verschlossen, aber der Blick auf die Ölbergszene ist frei. Jetzt, in den Kartagen, steht die Schunterkapelle für das Gebet offen. Und die Gäste können das außergewöhnliche Kunstwerk in seiner ganzen Pracht bestaunen.
Richard von Schunter (= Schondra) und seine eheliche Wirtin Else sind durch zwei Stiftungen bekannt, die im Zusammenhang mit dem Augustinerkloster stehen. 1413 war das eine "Ewige Gült" in Form von Korn. "Ein bleibendes Andenken aber verschafften sich die Schunters durch den Anbau einer Kapelle an die Stadtpfarrkirche in Münnerstadt", schreibt Münnerstadts Stadtarchivar Klaus Dieter Guhling in seiner Chronik "1200 Jahre Althausen bei Münnerstadt" (den Schunters gehörte Land in Althausen). Eine am 21. August 1430 ausgefertigte Urkunde besagt: "Richard von Schunter, Bürger daselbst (Münnerstadt), hat mit Wissen und Willen des Komturs, des Pfarrers und der Herren des Deutschen Ordens ebenda in der Pfarrkirche eine Kapelle erbaut, die dem allmächtigen Gott und der Himmelskönigin Sankt Marien geweiht ist, und hat, um den Gottesdienst zu mehren, dem Augustinerkloster ein Almosen von 300 Rheinischen Gulden gegeben und es gebeten, in der Kapelle täglich eine Frühmesse zu lesen."


Keine Pfarrrechte anmaßen

Damals hatten die Deutschritter das Sagen, und das spiegelt sich auch in der Urkunde wider. Die Augustiner mussten versprechen, "sich in oder wegen der Kapelle keinerlei Pfarrrechte anzumaßen". Sie durften kein Weihwasser weihen oder austeilen, Spenden gingen an den Komtur. Die Messe in der Kapelle durfte erst nach der Frühmesse in der Pfarrkirche gelesen werden, verpassten die Augustiner aber das Lesen einer Messe, so durfte der Komtur im Wert von einem Gulden Güter der Augustiner außerhalb des Klosters pfänden.
Mit der Schunterkapelle entstand in ihrem Inneren in den Jahren 1428 bis 1430 die Ikonographie, die Darstellung der Messe des hl. Gregor und ebenjene Ölberggruppe. "Die überlebensgroßen, nahezu vollplastisch aus dem Stein herausgearbeiteten und farbig gefassten Figuren sind einer wilden, kulissenartigen Felslandschaft eingefügt", heißt es im Kirchenführer "Die Magdalenenkirche in Münnerstadt" (Verlag Langewische). Jesus kniet etwas abseits und betet mit Blick auf den Engel mit dem Kelch, der nicht an ihm vorübergehen wird. Etwas unterhalb sitzen Petrus mit dem Schwert in der Hand, Johannes und Jakobus. Alle sind in Schlaf gesunken. Zur Darstellung gehört auch das Fresko an der Wand. Judas Iskariot betritt zusammen mit den Häschern durch ein Gartentor die Szenerie. Eva Ulrich und Hartmut Krohm, die die Texte im Kirchenführer geschrieben haben, kommen zu dem Schluss: "Der Ölberg in Münnerstadt zählt zu den großartigsten Darstellungen dieser Art und darf mit Recht als Höhepunkt der unterfränkischen Plastik dieser Zeit gelten."
Zu einem ähnlichen Ergebnis ist Gisela Kohrmann in ihrem Buch "Vom Schönen Stil zu einem neuen Realismus - Unbekannte Skulptur in Franken 1400-1450" (ISBN: 978-3-7995-8407-4) gekommen, in dem sie sich ausführlich der Ölbergdarstellung widmet. Der Künstler ist unbekannt, Gisela Kohrmann ist bei ihrer Suche in Franken in Iphofen auf ein Kunstwerk gestoßen, das aus der gleichen Werkstatt stammt. "Es wird vermutet, dass es eine Werkstatt in Würzburg war", sagt Stadtpfarrer Pater Markus Reis dazu.


Bei Renovierung ausgelassen

Die Fresken sind heute etwas verblasst, schon bei der Kirchenrenovierung im Jahr 1975 war die Schunterkapelle nicht berücksichtigt worden, um die Kosten im Rahmen zu halten. Ob sie bei der anstehenden Renovierung dabei sein wird, ist unklar. "Das ist noch offen", sagt der Augustinerpater, die Renovierung der Kapelle könnte zu einer Bauphase 3 gehören. Dafür müssten aber zunächst die Kosten ermittelt werden, die sind bisher nicht bekannt.
Gerne würde Pater Markus die Schunterkapelle ganz und gar öffentlich zugänglich machen, aber so einfach ist das nicht. "Der Raum kann nicht beheizt werden, und er darf es wegen der Fresken auch nicht." Vorstellen könnte sich Pater Markus, dass zumindest in den Sommermonaten die Schunterkapelle, die auch über einen Zugang von außen verfügt, als Anlaufstelle für Touristen und Ratsuchende dient. Aber dafür bräuchte man Personal und mehr Besucher. Ausgeschlossen zumindest ist das nicht. Zunächst einmal ist sie - wie in den Jahren zuvor - an den Kartagen geöffnet.