Auf den ersten Blick sah es aus, wie eine kleine Feier von Handwerkern, die ihren Job nach vorbildlich getanem Vollzug begossen. Erst bei der Rede von Otmar Adler erfuhr man, dass es sich um eine ganz besondere Zusammenkunft handelte. Es kamen nämlich nahezu vierzig NohA-Ruheständler und Handwerksmeister des Frankenwaldortes zusammen, die im letzten Jahr ohne einen Cent Lohn am Künstlerhaus in Nordhalben mitgearbeitet hatten.
Das zehn Zimmer umfassende, nahezu 150 Jahre alte Gebäude erstrahlt jetzt wieder in beeindruckendem Glanz und kann seiner Bestimmung zugeführt werden. Max-Haus, Künstlerhaus Nordhalben, verkündet die Folie am Gläsernen Atelier. Dürers "Eva", "der Denker" und "der von Ideen beflügelte Künstler" grüßen von der Fassade. Weiterhin kann man erfahren, dass diese Einrichtung aus einer fruchtbaren Kooperation von Essener Künstlern und Nordhalbener Bürgern, allesamt Mitstreiter von NohA, zustande kam. Hier können jetzt Maler, Fotokünstler und Bildhauer temporär wohnen und arbeiten.
Das so einfach klingende Konzept war aber alles andere als ein leichtes Unterfangen. Innerhalb von zwölf Monaten entstanden in weit über tausend freiwilligen Arbeitsstunden Ateliers, Gästezimmer, Küche und Aufenthaltsräume, die sich sehen lassen können. Probleme, wie einsturzgefährdete Durchgänge, undichte Dächer, verrottete Abflussrohre, brachten die NohA-Helfer und Otmar Adler, den Initiator und Realisator des Projektes, oft an ihre Grenzen.
Im Nachhinein erscheint es für alle Beteiligten wie ein kleines Wunder, dass nun doch alles termingerecht fertig wurde. Es entstand ein offenes Haus, das in seiner Art einzigartig in der gesamten Region sein wird. Es konnten helle, einladende Arbeitsplätze für Künstler geschaffen werden, denen man immer bei der Arbeit über die Schulter sehen darf.
Im Moment läuft im Haus das Projekt der Künstlers Viktor Cleve und Alfred Schwarzien: "Nordhalben Portraits". Noch bis Freitag können Gäste zusehen, wie Abbildungen der ganz besonderen Art unserer Kärwaburschen und -madla entstehen. In zuvor ausgehändigten Fragebögen erkundigte sich der Maler Cleve über Freizeitinteressen, Vorlieben und Visionen der "Modelle". Dieses Wissen fließt in geheimnisvoller Weise in die Bilder mit ein und lässt so sehr persönliche Abbildungen entstehen. Die Künstler würden sich über einen Besuch freuen. Am Freitag, 18 Uhr, endet das Projekt mit einer kleinen Ausstellung. red