Bevor der Arbeitgeber eine krankheitsbedingte Kündigung aussprechen darf, muss er prüfen, ob eine andere Aufgabe im Betrieb die Krankheitszeiten des Mitarbeiters hätte verringern können. So urteilte das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg (Az. 10 Sa 1702/14).
Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, arbeite eine Frau bereits seit 15 Jahren als Brief- und Paketsortiererin. Bei einer arbeitsmedizinischen Untersuchung empfahl die Betriebsärztin der Angestellten, nur noch Tätigkeiten mit wechselnder Arbeitshaltung auszuüben. Sie sollte vermeiden, lange am Stück zu stehen oder zu sitzen und nur leichte und mittelschwere Arbeiten verrichten.
Ihr Arbeitgeber versetzte sie daraufhin an einen anderen Arbeitsplatz, der der Empfehlung der Ärztin aber auch nicht entsprach. In der Folgezeit häuften sich die Fehltage der Mitarbeiterin immens - bis auf 122 Krankheitstage im Jahr 2013. Daraufhin kündigte ihr der Arbeitgeber krankheitsbedingt. Das wollte die Sortiererin aber nicht hinnehmen und ging vor Gericht.
Und das mit Erfolg. Zwar sei eine krankheitsbedingte Kündigung rechtens, wenn absehbar ist, dass die häufigen Ausfälle nicht weniger werden. Das sei aber nur das letzte Mittel, so das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg. Der Arbeitgeber müsse zuvor versuchen, einen geeigneteren Arbeitsplatz im Betrieb zu finden. "Wenn er das nicht einmal versucht hat, kann er auch keine wirksame krankheitsbedingte Kündigung aussprechen", erklärt Rechtsanwalt Frank Böckhaus (Beratung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute) die Rechtslage.
Die krankheitsbedingte Kündigung sei deshalb nicht rechtens. red