Karl-Heinz Hofmann Darmkrebs ist kein Schicksal. Vielmehr gibt es viele Möglichkeiten, das Risiko durch Vorsorge zu verringern und durch Präventionsmaßnahmen gar zu vermeiden. "Wir haben viel selbst in der Hand", stellte Ralf Seipel vor Interessierten klar, die am Darmkrebstag zu einer Informationsveranstaltung ins BRK-Haus Kronach gekommen waren, organisiert vom Verein "Gemeinsam gegen Krebs". Ralf Seipel ist Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologe und Notfallmedizin am Regiomed-Versorgungszentrum und Klinikum in Lichtenfels.

Zur Prävention gehören laut Seipel vor allem eine gesunde Ernährung und Bewegung. Außerdem sei eine Darmkrebserkrankung heute behandelbar. Der Mediziner betonte, dass jedes Jahr über 60 000 Menschen neu an Darmkrebs erkrankten, jedoch sei die Zahl rückläufig, was der Mediziner auf die Vorsorgeuntersuchungen zurückführt. Die beste und sicherste Vorsorgemethode sei die Koloskopie, also die Darmspiegelung, die heute völlig schmerzfrei unter Narkose durchgeführt werden kann.

Bei Blut im Stuhl sofort zum Arzt

Dabei werden Polypen oder kleine Tumore gleich bei der Untersuchung entfernt. Das ist ein Riesenfortschritt, so Seipel. Die Koloskopie sei eine sichere und weitgehend schmerzfreie Vorsorgeuntersuchung. Darmkrebs ist bei Früherkennung behandelbar und kann sogar heilbar sein. Das Tückische an der Krankheit sei, so der Mediziner, dass es kaum Anzeichen gebe. So verspüre der Patient keine Schmerzen. Ein sicheres Warnzeichen sei allerdings Blut im Stuhl. Seipel warnte vor Selbstdiagnosen, sondern riet den Zuhörern, in einem solchen Fall zum Arzt zu gehen.

Die Vorsitzende des Vereins "Gemeinsam gegen Krebs", die Onkologin Dr. Martina Stauch, und Zweiter Vorsitzender und Kronacher Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein dankten den Referenten. Der Geschäftsführer der Helios Frankenwaldklinik, Philipp Löwenstein, erklärte in seinem Grußwort, dass in der Klinik 44 Menschen das Leben habe gerettet werden können. Ein Erfolg, der über dem deutschlandweiten Durchschnitt liege. Oberarzt Thomas Wendrich (Facharzt für Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie Helios Frankenwaldklinik in Kronach) gab Einblicke in die Operative Strategie bei Kolon- und Rektumkarzinomen.

Zum Schluss waren sich die Referenten darüber einig, dass die Darmkrebsprävention schon im Kindergarten anfangen müsse, wie von Professor Gerhard Grabenbauer (Facharzt für Strahlentherapie in Coburg) vorgeschlagen. Er informierte über neue Entwicklungen und neue mögliche Standards der Strahlentherapie. Deren Ziel ist es, punktuell Krebszellen zu zerstören und dabei gesunde Zellen unbeschädigt zu lassen. "Jedes Verhindern von Krebs ist besser als eine Therapie", meinte er und regte an, die Ernährung von Kindern bereits in die Diskussion mit einzubeziehen. Sie müssten lernen, statt Hamburgern, Chips und Pommes Frites mehr Obst und Gemüse zu essen. "Wir müssen in Kindergärten und Schulen gesunde Ernährung lehren und dabei auch die präventive Auswirkung auf mögliche Krankheiten erklären", sagte Grabenbauer.

Ärzte stellten sich Fragen

Während und nach den Fachvorträgen gab es einen offenen Dialog zwischen Ärzten und dem Auditorium, was das Verständnis zum komplexen Thema wesentlich verbesserte. Die Sportgruppenleiterin von "Gemeinsam gegen Krebs", Birgit Schmitt, sorgte mit einer sanften Fitnessübung für Entspannung von Körper und Seele.