Die Reihe Musica Mauritiana lockt in der neuen Saison mit großen Oratorien-Aufführungen, aber auch mit neuen Konzertformaten. So wird die Kantorei St. Moriz Ende November unter dem Motto "Magnum Mysterium" erstmals mit renommierten Jazz-Musikern auftreten.

Das Programm der Saison 2017/2018 setzt eine ganze Reihe neuer Akzente. So gastiert erstmals der Melchior Franck-Kreis in der Reihe der Musica Mauritiana. Was war der Auslöser für diese Entscheidung?
Peter Stenglein: Nun, der Melchior-Franck-Kreis war auch in früheren Jahren schon in der Konzertreihe Musica Mauritiana zu Gast - zugegeben, das ist schon einige Zeit her. Wenn ich mich recht erinnere, war das letzte Konzert im Jahr 2004. Aber, um auf die Frage zurückzukommen: Ja, es gibt ein paar Neuerungen, das beginnt bereits mit dem Erscheinungsbild: Das Logo wurde weiterentwickelt, die optische Darstellung der Veranstaltung hat ein Face-lifting bekommen. Und das setzt sich inhaltlich fort: Jetzt, im Herbst, gibt es einige Veranstaltungen, die noch zum Begleitprogramm der Landesausstellung gehören - deshalb singt der Bachchor sein Herbstkonzert - das Oratorium "Paulus" von Felix Mendelssohn Bartholdy bereits am 22. Oktober. Außerdem bietet sich die Chance, trotz der kurzen Adventszeit Bachs Weihnachtsoratorium als Gesamtaufführung anzubieten. Und manche Kooperationen haben sich einfach ergeben. Aber alles in allem führt das Programm inhaltlich bewährte Formate fort: Heimische Ensembles und Musiker gestalten die Mehrzahl der Veranstaltungen, interessante Gastkonzerte bereichern das Programm und geben Gelegenheit, über den Tellerrand hinauszublicken.

Sie setzen die Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Musikfreunde fort und gestalten erstmals gemeinsam mit der Reihe "Cultur im Contakt" einen Abend mit improvisierter Musik zum Stummfilm "Faust". Was erwartet das Publikum bei dieser Veranstaltung?
Es gibt ja eine lange Tradition, Stummfilme musikalisch zu illustrieren. Zur ersten öffentlichen Filmvorführung im Jahr 1895 im "Salon Indien" des Pariser "Grand Café" spielte nach übereinstimmenden Aussagen ein Pianist. Musik zu Filmvorführungen hat viele Gründe, anfangs ging es wohl auch darum, den Lärm aus der Umgebung zu neutralisieren. In unserem Fall wird das hoffentlich nicht nötig sein. Die Orgel bietet aufgrund ihrer klanglichen Möglichkeiten große Möglichkeiten, Strukturen zu verdeutlichen, Emotionen zu verstärken oder ganz einfach den Unterhaltungswert zu steigern. Ein große Chance bietet auch die Möglichkeit der musikalischen Pause, Stille kann zu einem wichtigen dramaturgischen Moment werden. Bei der Vorführung des Faust-Films gibt es Live-Musik von der Orgel. Diese Musik ist wohl in ihren Grundzügen vorbereitet und geplant, letzten Endes aber improvisiert, das heißt, aus dem Moment heraus erfunden.

Können Sie sich weitere Kooperationen vorstellen?
Kooperationen bieten immer eine Chance: Wenn sich mehrere Veranstalter zusammentun, können sicher größere Publikumsschichten angesprochen werden. Das heißt nicht, dass dann auch wirklich viel mehr Leute in die Kirche kommen - leider! Aber auch das Risiko wird kleiner, wenn mehrere Veranstalter zusammenarbeiten. Ich kann mir durchaus vorstellen, auch in Zukunft Kooperationen einzugehen. Es kommt auf das Programm und die terminlichen Möglichkeiten an. Das Rückgrat der Musica Mauritiana werden aber sicher die bewährten Veranstaltungsformate bleiben.

Unter dem Motto "Magnum Mysterium" gestalten Sie mit der Kantorei St. Moriz erstmals ein Konzert mit zwei Jazz-Musikern. Wie ist die Idee dazu entstanden?
Die Idee hat mir ein Jazzfan aus Sonneberg "ins Ohr gesetzt". Der Pianist Jan Lundgren ist ja ein international bekannter Musiker. Er war am 24. September in Sonneberg zu hören. Unser Projekt stellt eine Art "Crossover" dar: Renaissancemusik, gesungen von der Kantorei St. Moriz, wird kommentiert und ergänzt durch Jazzimprovisationen. Die Idee hat mich gereizt, ich bin froh, dass das Konzert zustande kommt.

Für die traditionelle Karfreitags-Aufführung haben Sie neben César Francks "Die Sieben Worte Jesu am Kreuz" auch das selten aufgeführte Miserere b-Moll von E.T.A. Hoffmann gewählt. Was reizt Sie an diesem Miserere? Wie lässt sich dieses Werk stilistisch beschreiben?
Das Stück entstand im Jahr 1809 und greift Psalm 51 auf. Ich war auf der Suche nach Alternativen zu den bekannten Passionen zum Beispiel von Bach. Und mit Hoffmanns "Miserere" gibt es ja auch einen lokalen Bezug: Hoffmann lebte von 1808 bis 1814 in Bamberg. Das Stück entstand also in unserer Region. Stilistisch steht es an der Schwelle von der Klassik zur Romantik und bietet sowohl für die Solisten und den Chor als auch für das Orchester viele schöne Passagen. Aufgrund seines überschaubaren Umfangs fand ich es eine gute Ergänzung zu Francks "Sieben Worten", die wir vor vielen Jahren schon einmal gesungen haben.

In diesem Jahr ist die Reihe Musik zur Marktzeit begleitend zur Landesausstellung nicht nur bis Ende August, sondern bis Ende Oktober zu hören. Im nächsten Jahr immerhin bis Mitte September. Wie war die Resonanz in diesem Jahr und denken Sie darüber nach, dieses Angebot auch längerfristig auszuweiten?
Die Musik zur Marktzeit ist, salopp gesagt, ein Renner! In diesem Jahr hatten wir bisher etwa 6400 Zuhörer im Durchschnitt etwa 350 Besucher. Das ist eine eindrucksvolle Zahl und ermutigt uns, das Konzept beizubehalten. Im nächsten Jahr - und, das ist der Plan - in den Folgejahren, soll die Musik zur Marktzeit in der Zeit zwischen dem "Kirchenmusiksonntag" Kantate im Frühjahr und dem Ende der Sommerferien angeboten werden.

Die Fragen stellte Jochen Berger.