Andreas Lösch

Breitbrunn/Kottendorf  —  Die Kottendorfer bekommen ein Gemeinschaftshaus. Genauer gesagt: Sie bauen sich selber eins. Eine entscheidende Hürde galt es aber diese Woche noch zu überwinden. Um das Vorhaben zu verwirklichen und eine Förderung durch das Amt für ländliche Entwicklung (ALE) nach dem Maßstab einer "Dorferneuerungsmaßnahme" erhalten zu können, benötigten die Kottenbrunner einen positiven Beschluss des Gemeinderats Breitbrunn. Der erfolgte am Donnerstagabend bei der Sitzung des Gremiums, und zwar einstimmig. Das detailliert ausgearbeitete Konzept zur Umsetzung der Maßnahme, das die Dorfgemeinschaft der Gemeinde vorgelegt hatte, überzeugte die Politiker in Breitbrunn. Vor allem, weil die Kottendorfer aufgezeigt haben, welche der Bauarbeiten und anstehenden Aufgaben sie selbst ausführen können und wollen: den Großteil nämlich.


So macht man Bürger glücklich

Zwölf Kottendorfer Bürger waren als Zuschauer zu der öffentlichen Sitzung gekommen, um die Beschlussfassung zu verfolgen. Nach der Abstimmung, die ohne Widerspruch und Einwände geradezu durch den Gemeinderat "flutschte", sagte einer der Zuhörer mit erstauntem Blick, aber freudig lächelnd: "Einstimmig? Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Irgendein Revoluzzer ist doch normalerweise immer dabei."
Bürgermeisterin Gertrud Bühl (FW) hatte das geplante Projekt der Kottendorfer noch einmal vorgestellt und sich dafür ausgesprochen, das Anliegen zu unterstützen. Es sei eindrucksvoll, "was die Kottendorfer Bürger angeboten haben, was sie dazu beitragen können", um die Kosten niedrig zu halten.
25 Helfer hätten sich namentlich auf einer Liste eingetragen und konkret erklärt, was sie leisten wollen: Für die Zimmerer- und Dachdecker arbeiten haben sich gelernte Handwerker aus der Dorfgemeinschaft bereit erklärt, die Arbeiten "zu 100 Prozent" zu übernehmen, das benötigte Holz wollen einige Kottendorfer spenden. Die Maurerarbeiten könnten ebenfalls durch Handwerker aus dem Dorf zu 100 Prozent ausgeführt werden, lediglich Erdaushub, Fundament sowie Kanal- und Wasseranschluss müssten von Baufirmen übernommen werden, zudem fallen die Materialkosten an. Die Fliesenverlegerarbeiten könnten zu 50 Prozent der Kosten durch die Kottendorfer bewerkstelligt werden, ebenso sollen 80 Prozent der Elektroverlegearbeiten von der Dorfgemeinschaft ausgeführt werden, nur der Anschluss ans Stromnetz müsste von einer Firma übernommen werden sowie die Materialkosten fallen an.


Tische, Stühle, Theke, Küche

Der Ortsverschönerungsverein Kottendorf hat zugesagt, die Kosten für Bestuhlung, Theke sowie Küchenzeile zu übernehmen. Zudem hat ein Kottendorfer Architekt kostenlos einen Bauplan erstellt und auch die Kostenaufstellung und -berechnung vorgelegt.
Weil eine Förderzusage durch das ALE wahrscheinlich ist und der Gemeinderat dem Bau des neuen "Dorftreffs" positiv gegenübersteht, dürfte der nächste Schritt direkt Anfang Februar erfolgen, wie Bühl den Plan erläuterte: Ein Leitungsteam bestehend aus vier bis fünf Kottendorfer Bürgern soll gegründet werden. Diese Personen sollen die Sache organisatorisch in die Hand nehmen, also "sich um den Ablauf kümmern" und Arbeiter sowie Helfer einteilen und koordinieren.


Eigenleistung förderfähig

"Nach vorgelegter Kostenberechnung" beläuft sich der Aufwand für das Gemeindehaus auf 316 000 Euro, heißt es in der Beschlussvorlage des Gemeinderats. Die Förderhöhe durch das ALE beträgt 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten, maximal jedoch 150 000 Euro. Die Arbeitsleistungen der freiwilligen Helfer können laut Bühl mit zehn Euro pro geleisteter Stunde als Baukosten angerechnet werden und sind somit förderfähig.


Verlässliche Zusagen

Die Fördersumme selbst bekommt die Gemeinde nach Vorlage der Kosten ausgezahlt. Bevor die Arbeiten aber beginnen können, brauche die Gemeinde noch die "Förderungszusage vorab", sagte Bühl.
Den Kottendorfern bescheinigte sie hohe Verlässlichkeit, was ihre Zusagen bezüglich der versprochenen Eigenleistung betrifft, das zeige die Erfahrung aus früheren Projekten: "Wir wissen aus anderen Maßnahmen im Dorf, dass die Kottendorfer immer mit angepackt haben", sagte sie.
Der Gemeinderat sah das auch so und hatte an den vorgelegten Plänen und Entwürfen der Dorfgemeinschaft rein gar nichts auszusetzen.