"Wir müssen aus dem auswählen, was uns in Kolumbien drei Wochen berührt hat, womit wir konfrontiert wurden." Mit diesen Worten stimmte Klemens Albert auf einen Reisebericht ein, der die Zuhörer im Bürgerzentrum an diesen Erlebnissen teilhaben ließ.

Zusammen mit seiner Frau Walburga und Monika Hoffmann hatte er im September die Projekte der Stiftung "Weg der Hoffnung" im kolumbianischen Villavicencio besucht. Eingeladen zu diesem Vortragsabend hatte der Kolumbienkreis der Pfarrei Pfarrweisach.

Die Ärmsten der Armen

Durch die Unterstützung der von Pfarrer Josef Otter gegründeten Stiftung werde mittlerweile mehr als 2000 Menschen in verschiedenen Projekten ermöglicht, zu einem menschenwürdigen Leben zu gelangen, so Walburga Albert. Man habe sich seitens der Stiftung als Ziel gesetzt, die Ärmsten der Armen zu unterstützen. Und genau dahin, wo diese Kinder und Jugendlichen herkommen, konnten auch die Kolumbienbesucher gehen: in die Elendsviertel La Reliquia und Ciudad Porfia.

Anhand von Fotoaufnahmen zeigten sie den Besuchern des Vortrags, unter welch menschenunwürdigen Bedingungen die Menschen dort leben müssen. Wohnungen aus grünen Planen und Wellblechdächern, ohne befestigten Fußboden und mit minimalistischer Wohnungseinrichtung. Der Strom wird oft illegal von einer Freileitung abgezapft, fließendes Wasser und Abwasserentsorgung gibt es nicht.

Unversorgt und eingesperrt

Walburga Albert zeigte einige Beispiele von Kindern, die unversorgt oder gar eingesperrt den Tag verbringen müssen. Weil der Vater der Kinder vor einem Jahr tödlich verunglückte, war die Mutter gezwungen, ihre Kinder während der Arbeitszeit alleine zu Hause zu lassen.

Und doch begegneten den Besuchern in all dem Elend auch lebensfrohe Kinder. In einer beschützenden Werkstätte erhalten Menschen mit Handicap schulische Bildung oder beispielsweise eine Ausbildung im Bäckerhandwerk. Klemens Albert verwies darauf, dass diese Menschen in ihrer Kindheit in den Familien zumeist versteckt gehalten wurden und sich niemand um sie gekümmert hat.

Eine Schule für alle

Auf einem Bauernhof machen Jugendliche eine landwirtschaftliche Ausbildung. Hauptsächlich werden dort aber der Schulbesuch und der Erwerb des Abiturs ermöglicht. In zwei Elendsvierteln unterhält die Stiftung Kindertagesstätten: in La Reliquia die Einrichtung "San Jose" mit 140 Kindern und in Ciudad Porfia das "Centro Sagrada Familia" mit 228 Kindern, wobei 112 Kinder und Jugendliche mit körperlichem oder geistigem Handicap darunter sind.

Ein erfolgreiches Projekt sei auch die sogenannte "Schule für alle", erfuhren die Zuhörer. Wichtig erscheint den Verantwortlichen der Stiftung, dass auch die Familien der Kinder Unterstützung erfahren, etwa durch Hausaufgabenbetreuung.

Gartenbau und Hühnerzucht

In einem neuen Projekt lernen rund 35 Erwachsene Gartenbau und Hühnerzucht, auch für die eigene Anwendung zu Hause. Die erwirtschafteten Produkte dienen ihrem eigenen Lebensunterhalt. Ebenfalls neu ist die Nahrungsmittelbank. Etwa 6000 Familien erhalten derzeit Unterstützung bei der Ernährung. Hinzu kommt noch eine Kleiderkammer, bei der sich Familien etwas zum Anziehen holen können. Nähkurse für Frauen und Mikro-Kredite sind weitere Beispiele, die Familien einen eigenverantwortlichen Lebensunterhalt ermöglichen. Die drei Kolumbienfahrer besuchten mehrere auf diese Weise finanzierte Läden, Nähereien und Werkstätten.

Walburga Albert berichtete, dass sie in jeder Einrichtung mit überwältigender Herzlichkeit und selbst von den Allerkleinsten mit Tänzen empfangen wurden. Übereinstimmend bestätigten Monika Hoffmann, Walburga und Klemens Albert, dass die Mitarbeiter der Einrichtungen bei ihrer Arbeit viel Engagement und Zuwendung zeigen. Sie betonten auch, dass sie sich vergewissern konnten, dass jede Spende von hier in Villavicencio bestens eingesetzt werde. Und sie gaben den Dank der Kinder und der Mitarbeiter in Kolumbien an die Unterstützer in Pfarrweisach und Umgebung weiter.

Die Besucher des Abends waren von dem Vortrag gerührt. Eine 16-jährige Besucherin zog nach dem Vortrag das Fazit: "Mensch, geht's mir gut!"

Die Schönheit Kolumbiens

Neben der Vorstellung der Projekte der Stiftung gab es auch Einblicke in das Leben der Menschen und die Schönheit der kolumbianischen Natur. Denn der Weg hatte die Reisenden durch verschiedene Regionen des Landes geführt. Eine Station war Popayan, eine bedeutende Kolonialstadt, etwa 1000 Kilometer südlich von Bogota gelegen.

Hier lebt der Künstler Jafeth Gomez in einer kleinen Finca. Der Künstler war schon mehrmals in Pfarrweisach zu Besuch. Er unterstützt mit Künstlerprojekten indigene Bevölkerungsgruppen und stellte seinen Gästen bedeutende Entwicklungsprojekte indigener Menschen vor.

Die weitere Fahrt (auch vorbei an Koka- und Marihuanafeldern) brachte die Reisegruppe schließlich nach Toribio. Das kleine Städtchen und seine Umgebung waren bis vor drei Jahren noch Hauptkampfgebiet zwischen der Guerilla und Militärgruppen. Diese Kampfspuren sind bis heute sichtbar, aber auch das Wirken von Künstlergruppen, die nun die schrecklichen Geschehnisse aufarbeiten. ka