Selbst viele Königsberger wissen nicht genau, was der Anlass für diese Feier ist, die ihren Ursprung in der Geschichte Königsbergs hat: Am kommenden Mittwoch findet um 19 Uhr in der Marienkirche der Gottesdienst zur Herzog-Wilhelm-Kettenfeier statt.
Die Feier erinnert an Herzog Wilhelm, der am 11. Mai 1598 geboren wurde und ein Spross des Herzogshauses Sachsen-Weimar war. Zum Besitz dieses Hauses gehörten damals Königsberg und rund 32 Dörfer, die dem damaligen Herzog Johann Ernst IV. untertan waren. Während sich dieser mehr um die Verwaltung kümmerte, beschritt sein Bruder Wilhelm die militärische Laufbahn.


Gespaltenes Land

Die Reformation hatte das deutsche Volk in dieser Zeit in zwei Lager gespalten. In einzelnen Gebieten Deutschlands galt nur der Glaube, für den sich der Landesherr entschieden hatte. Das Weimarer Haus schloss sich als eines der Ersten der Reformation an. Die evangelischen Fürsten fanden sich 1608 zur sogenannten Union zusammen, die katholischen Fürsten zur "Liga". Damit war, wie ein Chronist schreibt, der "erste Zunder des nachfolgenden 30-jährigen Krieges und anderer, darinnen entstandenen Unheils gelegt". Königsberg, das sich der Union angeschlossen hatte, lag eingekeilt zwischen den zur Liga gehörenden Bistümern Bamberg und Schweinfurt. Darunter hatte Königsberg zu leiden. Während in den ersten Kriegsjahren bischöfliche Soldaten in Königsberg manchen Frevel verübt hatten, waren um 1632 etwa 8000 Mann unter Führung von Tilly in der Stadt einquartiert.


Königsberg brennt

In dem Jahr wurde fast ganz Königsberg durch einen Stadtbrand ein Raub der Flammen. Herzog Wilhelm nahm auf protestantischer Seite an diesem Religionskrieg teil. In den Diensten des Herzogs von Braunschweig fiel er in die Hände des Feindes und wurde in Neustadt in der Steiermark in Festungshaft gelegt. Dort sollte ihm die Freiheit erst wiedergegeben werden, wenn er als Fürst von der erkannten Wahrheit abfallen würde.
Herzog Wilhelm blieb jedoch seinem Glauben treu. Am 27. Dezember 1624 wurde Herzog Wilhelm wieder auf freien Fuß gesetzt, unter der Bedingung, dass er nicht mehr zum Schwert greift. Sogleich kündete er dem Amtmann von Königsberg seinen baldigen Besuch an. Am 25. Januar 1625 traf er hier gegen Abend ein, wo er von der Bevölkerung mit großer Begeisterung erwartet wurde. Ein Chronist berichtet: "Am Mittwoch Nachmittag hat der Herzog gebeichtet (...) und auf den folgenden Tag, als den 27. Januarie das Heilig-Abendmahl in Christlich-Fürstlicher Devotion und Andacht empfangen und diesen Tag als einen Dank- und Freudentag mit Vor- und Nachmittagspredigt celebrieret."
Heute noch wird jedes Jahr in Königsberg "in Memoriam" Herzog Wilhelms von Sachsen-Weimar ein Gottesdienst abgehalten, denn wie sehr Herzog Wilhelm mit dem "Castra Kunegesperch" verbunden war, ist daraus ersichtlich, dass er nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft zuerst nach Königsberg zurückkehrte, bevor er den Weg nach Weimar über Coburg nahm. Für sein Land blieb der standhafte Bekenner seines Glaubens später ein fürsorglicher Landesherr. Nicht zu vergessen, dass er am 27. Januar 1625 denn auch 12 000 Gulden für die Stadt Königsberg stiftete, von deren Zinsen alljährlich bis ungefähr 1770 ein Volksfest auf dem Schlossberg gefeiert wurde.


Verbundenheit bis heute

Auch die Schlossberggemeinde Königsberg fühlt sich heute noch mit der Rückkehr Herzog Wilhelms am 27. Januar verbunden. So hält sie ihre Hauptversammlung immer am Sonntag vor oder nach dem 27. Januar ab, heuer am 31. Januar um 14.30 Uhr in der Schlossberggaststätte.
Der Gottesdienst zur Herzog-Wilhelm-Kettenfeier an diesem Mittwoch mit Pfarrer Peter Hohlweg wird in diesem Jahr als Friedensgebet gefeiert. Damit soll das alte Thema aus dem 30jährigen Krieg aktualisiert werden und auch die heutige friedlose Situation in der Welt zur Sprache gebracht werden.