von unserem Mitarbeiter Werner Reissaus

Ködnitz — Das weitere Vorgehen im Kampf um den Bau der Ortsumgehungen von Kauerndorf und Untersteinach schien den Ködnitzer Gemeinderat am Montagabend lange Zeit in zwei Hälften zu spalten. Während die eine Seite mit Bürgermeister Stephan Heckel (CSU) an der Spitze sich für eine Teilung des Projekts in zwei Bauabschnitte aussprach, war die andere Seite mit den beiden Wortführern Willi Kolb (SPD) und Michael Heisinger (WG Rangen) zunächst ganz und gar nicht dieser Meinung. Am Ende der zum Teil "hitzigen" Debatte raufte man sich aber zusammen und verabschiedete den vorbereiteten Beschluss einstimmig (siehe Infobox rechts).
Der Gemeinderat will damit einen zielführenden Vorschlag zur Umsetzung dieser dringend notwendigen und lange versprochenen Umgehungen leisten. Bürgermeister Heckel verwies zunächst auf ein Gespräch mit MdB Emmi Zeulner, Bürgermeister Volker Schmiechen aus Untersteinach, Landrat Klaus Peter Söllner und Vertretern der Untersteinacher Verwaltung. Dabei sei es vordringlich darum gegangen, wie man in die Situation wieder Bewegung bringen könnte, um das Straßenbauprojekt nicht auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben, sondern mit einem Impuls anzustoßen.

"Dass überhaupt was passiert"

Heckel: "Dabei kam man überein, die Maßnahme in zwei Bauabschnitte aufzuteilen, um überhaupt zu einer Finanzierung zu kommen. Unter gewissen Voraussetzungen erklärten wir uns bei diesem Gespräch mit dem Vorgehen auch einverstanden." Man wolle damit, so Heckel, einen Anstoß geben, dass überhaupt was passiert.
Das beurteilte Michael Heisinger aber ganz anders: "Es wird nichts passieren, denn es sind Deine Parteikollegen, die uns da oben verhungern lassen", sagte er an die Adresse des Bürgermeisters.
Reinhold Dippold (Wählergemeinschaft Kauerndorf) räumte ein, dass es den betroffenen Anliegern schwer falle, dem abschnittsweisen Ausbau der B 289 im Bereich von Kauerndorf und Untersteinach zuzustimmen. Dippold: "Verkehrsminister Dobrindt hat in Wunsiedel erklärt, dass er die Gesamtmaßnahme mit beiden Ortsdurchfahrten nicht im Bundeshaushalt unterbringen könne. Er sehe allerdings eine Chance, wenn die Maßnahme geteilt wird." Bei nur einer Ortsdurchfahrt wäre man auch bei den ursprünglichen Kosten von rund 42 Millionen Euro, der Hälfte der jetzt veranschlagten Summe für das Gesamtprojekt.

"Spezl-Wirtschaft"

"Der Verkehrsminister muss dann reagieren, und uns wäre im Moment auch der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach. Es wäre ein Versuch, den Einstieg in die Finanzierung trotzdem hinzubekommen. Vielleicht ist es ein Fehler, aber die Chance ist größer, als wenn wir bei unserer bisherigen Beschlussvorgabe bleiben und dann doch durchfallen", so Dippold, zugleich Sprecher der Bürgerinitiative in Kauerndorf. Für Willi Kolb (SPD) ist das der falsche Weg: "Der Untersteinacher Gemeinderat Alfred Vießmann hat völlig Recht: Es ist eine Spezl-Wirtschaft. Man hat beim Verkehrsminister nur den Namen ausgetauscht; die Politik ist die Gleiche, und wir kämpfen gegen Windmühlen."
Heinz Mösch (CSU) warf ein, dass man die Ortsumgehung von Oberau, dem Heimatort des Verkehrsministers, nicht mit Kauerndorf oder Untersteinach vergleichen könne, denn dort werde bei Garmisch-Partenkirchen eine Anbindung an die Autobahn geschaffen.
Reinhold Dippold warb weiter für die Teilung: "Wir haben damit einen Einstieg und werden dann um den zweiten Teil kämpfen. Das Projekt ist derzeit als eine Maßnahme nicht finanzierbar. Wir kämpfen jetzt seit 30 Jahren und sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo sich was bewegen muss."
Was die Steigerung der Baukosten angeht, hatte Michael Heisinger seine eigene Sichtweise: "Dass es immer teurer wird, das liegt doch daran, dass sich der Bau von Jahr zu Jahr verzögert. Der Flughafen in Berlin kann aber kosten, was er will. Ihr müsst die Augen aufmachen, das interessiert die doch einen Dreck." Auch Reinhold Dippold redete Klartext: "Wenn jetzt trotzdem der erste Bauabschnitt nicht kommt, dann wird alles gezogen, was zu ziehen ist."
Frank Eschenbacher (WG Rangen) sieht die Gefahr, dass mit einem Baubeginn in Untersteinach "Kauerndorf dann durchgefallen" ist.

"Mit dem Minister reden"

/> Willi Kolb schlug den Versuch vor, mit dem Minister zu reden. "Vielleicht bekommen wir einen Termin." Kolb meinte weiter, dass die nachfolgende Generation vielleicht irgendwann den Vorwurf erhebe, der jetzige Gemeinderat sei der Totengräber der Ortsumgehung von Kauerndorf gewesen: "Warum knicken wir ein? Wenn die uns unterdrücken, dann machen die mit uns, was sie wollen."
Nachdem Bürgermeister Heckel nochmals deutlich gemacht hatte, dass auch die direkt Betroffenen in Kauerndorf dem beabsichtigten Vorgehen zustimmen und auch Reinhard Kortschack die Diskussionen für nicht produktiv hielt, wurde über den vorbereiteten Beschlussvorschlag abgestimmt. Das einstimmige Ergebnis überraschte dann doch etwas.