Christiane Reuther "Ich bin da, um Sie zu sehen", die Schülerin Jana aus dem Knetzgauer Gemeindeteil Oberschwappach brachte es auf den Punkt, was viele kleine und große Gäste über die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey dachten. Die SPD-Bundespolitikerin besuchte auf Einladung ihrer Parteikollegin Sabine Dittmar Knetzgau.

Bürgermeister Stefan Paulus und Thomas Zettelmeier, der Koordinator im "Bündnis für Familien und Senioren", stellten in der Dreiberg-Schule in Knetzgau die "familienfreundlichste Gemeinde im Landkreis Haßberge" der Ministerin vor. Dabei nahm sich die Ministerin auch Zeit, um mit 50 ehrenamtlich Engagierten ins Gespräch zu kommen.

Turbulente Woche

"Nachdem Knetzgau eine turbulente Woche mit einem Brandschaden in Millionenhöhe in einem Entsorgungsfachbetrieb hinter sich hat", wie Bürgermeister Stefan Paulus die 41-jährige Politikerin aus Neukölln begrüßte, freute er sich, mit deren Besuch die Woche positiv beenden zu können.

Bevor Thomas Zettelmeier auf die "familienfreundlichste Gemeinde" einging und das "Bündnis für Familien und Senioren" vorstellte, blickte die pensionierte Rektorin Hannelore Glass auf die Sanierung der Dreiberg-Schule zurück, die in ihre Amtszeit fiel. Neben dem Raumkonzept stand auch ein neues Schulkonzept mit dem Schlagwort "Cluster" zur besseren individuellen Lernförderung der ersten bis neunten Klassen im Mittelpunkt.

15 Millionen Euro investiert

Die Vorlaufzeit, die Ausgliederung und den Einzug im Mai 2017 ins für 15 Millionen Euro sanierte Schulhaus demonstrierte Glass anschaulich. Die jetzige Schulleiterin Antje Schorn sagte, dass es nach der Sanierung und der Bereitstellung von modernen Sportstätten nun gelte, sich als Schule weiter zu entwickeln.

Dies spiegle sich in der Veränderung durch die Digitalisierung. Dank Unterstützung der Gemeinde sei die Schule mit einem modernen System ausgestattet und für das Arbeiten im digitalen Zeitalter bestens gerüstet. Kunst, Musik und Sport sei der Schulleiterin genauso ein Anliegen, wie die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus.

Wie Bürgermeister Paulus im Vorfeld bemerkte, kann die Auszeichnung als "familienfreundlichste Gemeinde" auch eine Bürde sein. Thomas Zettelmeier ging darauf ein, wie die Gemeinde bemüht ist, diese Auszeichnung zu halten. Die Idee des Bundesfamilienministeriums in Sachen "Lokale Bündnisse" griff die Gemeinde Knetzgau im Januar 2011 auf und gründete das "Bündnis für Familien und Senioren". Seitdem wurde ein vielseitiges Angebot auf den Weg gebracht, das vom "Sträkeln", einer Gruppe, in der gestrickt und gehäkelt wird, über Veranstaltungen im "Offenen Treff" in Westheim und im "Alten Rathaus" in Knetzgau oder dem Einsatz des Bürgerbuses bis hin zum neuesten Projekt, den im Mai in Betrieb genommenen Mitfahrbänken reiche.

Maßstäbe bei der Betreuung

Auch im Bereich Kinder- oder Mittagsbetreuung setze Knetzgau Maßstäbe, wie Zettelmeier weiter ausführte, um den Titel "familienfreundlichste Gemeinde" zu rechtfertigen. Auf das Angebot der Naherholung ging Zettelmeier ebenfalls ein, zu dem die Aufwertung des Flusses mit einem stark frequentierten Mainspielplatz und das von der Gemeinde initiierte Projekt "MIZ" zählen. Familienfreundlichkeit zeichnet laut Zettelmeier auch die über 100 Vereine und Dorfgemeinschaften aus.

Das Herz geht auf

"Da geht mir förmlich das Herz auf", sagte die Bundesfamilienministerin angesichts des vielfältigen Angebots, das Knetzgau seinen Bürgern bietet. Die Ministerin zeigte sich begeistert von Knetzgau, einer aus ihrer Sicht "starken Gemeinde", in der engagierte Menschen der Garant für die Erfolgsgeschichte des Bündnisses sind. Giffey, die selbst aus der Kommunalpolitik im Berliner Brennpunkt-Bezirk Neukölln kommt, führt seit März 2018 das Bundesfamilienministerium und war in dieser Zeit unter anderem maßgeblich an der Verabschiedung und Umsetzung des "Starke-Familien-Gesetzes" beteiligt.

Auf dieses Gesetz und das von ihr auf den Weg gebrachte Kita-Gesetz ging die Politikerin dann auch näher ein, nachdem aus den Reihen der Besucher das Thema "Kinderarmut" aufgegriffen wurde. In ihrer Zeit als Schulstadträtin in Berlin beschäftigte sich Giffey mit vielen Fragen, die sich um Familien mit einem schmalen Geldbeutel drehten. Als Familienministerin freue es sie, wie sich die Gemeinde um Kinder kümmert, damit Eltern Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen.

Bürgermeister Paulus betonte, dass Knetzgau nicht auf Rosen gebettet sei. Umso bemerkenswerter ist es aus seiner Sicht, was in der Kommune durch das ehrenamtliche Engagement im "Bündnis" erarbeitet wurde. Lob galt allen Aktiven und dem Koordinator Zettelmeier. Paulus dankte der Ministerin und Sabine Dittmar für den Besuch und die Möglichkeit, sich der Bundespolitikerin als familienfreundliche Gemeinde präsentieren zu können.

Paulus bestätigte der Bundesfamilienministerin gute Arbeit. Gleichzeitig bat er darum, die Kommunen bei den zu bewältigenden Herausforderungen zu unterstützen. Abschließend nahm sich die Ministerin Zeit und hörte den Ehrenamtlichen zu, die sich und ihren Arbeitskreis näher beleuchteten.