von unserem Mitarbeiter Franz Galster

Kreis Forchheim — Der Anspruch, mit weniger Kapitaleinsatz mehr zu erreichen, wird sowohl von der Bevölkerung als auch von der öffentlichen Hand gutgeheißen und gefördert."Sharing" ist in diesen Tagen ein großes Schlagwort, das gilt auch für den Landkreis Forchheim.
Gerade in der Landwirtschaft sind sich die Menschen aber schon länger der Vorteile bewusst, die das Teilen mit sich bringt. Dort ist das Teilen eine seit Jahrzehnten mit Erfolg geübte Praxis. Auf Initiative des Agrarwissenschaftlers Erich Geiersberger wurde im Jahr 1958 im bayerischen Buchhofen der erste Maschinenring (MR) gegründet.

Regionales Umfeld

Geiersbergers Idee verbreitete sich mit der Zeit in zahlreiche Länder Europas. Im Landkreis Forchheim selbst befinden sich zwei Maschinenringe. Im östlichen Teil ist es der MR Fränkische Schweiz, im westlichen Teil der Maschinen- und Betriebshilfsring Regnitz-Franken.
Letzterer wurde 1963 ins Leben gerufen und hat seine Geschäftsstelle in der Niederlindacher Straße in Hannberg bei Heßdorf. Die Organisation orientiert sich nach dem jeweiligen strukturellen und regionalen Umfeld. Der Ring umfasst Teile der Landkreise Forchheim, Bamberg, Erlangen-Höchstadt sowie Nürnberg. Das Amt des Geschäftsführers liegt in den Händen von Ralf Wagner.
Der Gedanke des Gemeinwesen in der Landwirtschaft gilt damals wie heute. Wagner schätzt, "dass 85 bis 90 Prozent der bayerischen Landwirte Mitglied eines Maschinenrings sind". Maschinen und Arbeitskräfte werden gegen Verrechnung getauscht. Technisch aufwändiges Einsatzgerät wie Mähdrescher, Häcksler werden immer schlagkräftiger, aber auch teurer. Investitionen bis zu 500 000 Euro sind da oft keine Ausnahme. Sie lohnen sich nur bei betriebsübergreifendem Einsatz.
In der Folge meldet das MR-Mitglied seine verfügbaren Geräte dem MR. Andere Betriebe melden ihren Bedarf zu gegebener Zeit, zum Beispiel bei der Heu-, Silage- oder Maisernte.
Die MR-Verwaltung Regnitz-Franken vermittelt daraufhin Maschine und auch eine Arbeitskraft und hält auch empfohlene Verrechnungssätze bereit. Die Verrechnung selbst kann direkt zwischen den Partnern oder bargeldlos über den MR erfolgen.
Das System ist durchaus flexibel. Kennen sich die Geschäftspartner schon länger, muss der MR nicht jedes Mal neu vermitteln. "Andernorts gibt es auch kleine Maschinengemeinschaften innerhalb oder außerhalb des MR", erläutert Wagner. Alle diese Formen haben eines gemeinsam: moderne Technik zu einem erschwinglichen Preis. Für den, der das Gerät zur Verfügung stellt, kann die Leihe zudem wirtschaftlich ein zusätzliches Standbein bedeuten. Für den Auftraggeber kann es eine moderne Art der Arbeitsauslagerung bedeuten - so es in der Industrie längst üblich ist.

Kein Aufschub möglich

Damit einher geht auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft. Hinzu kommt im MR Regnitz-Franken die Vermittlung von Betriebshelfern.
Sei es, dass auf dem landwirtschaftlichen Betrieb eine Arbeitskraft (AK) ausfällt und vorübergehend ersetzt werden muss. Sei es, dass Arbeitsspitzen wie bei der Ernte abzudecken sind. Der Betrieb muss schließlich laufen, die Tiere auf dem Hof müssen versorgt werden. Da gibt es keinen Aufschub. Der MR vermittelt und rechnet ab.
Der MR Regnitz-Franken verfügt über zwölf hauptamtliche und 87 nebenberufliche Betriebshelfer und Dorfhelferinnen, die gelegentlich aushelfen können. Er ist auch vernetzt im Rahmen der sozialen Betriebshilfe mit der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung und wird vom Landesverband des MR entsprechend unterstützt.
In der Anfangsphase wurde die Verwaltung des Maschinenrings zu 100 Prozent gefördert und somit kräftig angeschoben. Heute schießt der Staat noch rund zehn Prozent zu, den Rest muss der als Verein organisierte MR selbst aufbringen. Insgesamt generiert der MR Regnitz-Franken einen Jahresumsatz von 5,5 Millionen Euro im klassischen Bereich der Landwirtschaft. Mittlerweile bietet der MR auch zahlreiche Dienstleistungen an; beispielsweise Hilfestellung bei Anträgen für die landwirtschaftliche Krankenkasse. Oder auch Dünger- und Nährstoffbilanzen. Der MR ergänzt dabei die Arbeit und Angebote des Bayerischen Bauernverbands.
Die Klammer aller Maschinenring-Aktivitäten ist der Solidaritätsgedanke zwischen den verschiedenen Mitgliedsbetrieben. Der Ring versteht sich allerdings auch als ein flächendeckendes Dienstleistungsunternehmen. Vor diesem Hintergrund bietet der MR seinen landwirtschaftlichen Betrieben Lösungen für den wirtschaftlichen und sozialen Bereich an. Die Maschinenringe fördern damit den ländlichen Raum und leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Landwirtschaft in ihrer ganzen Vielfalt.
Bayern zählt mittlerweile 72 Maschinenringe. In ganz Deutschland gibt es 259. Der Süden hat - bedingt durch die kleiner strukturierte Betriebsform - in diesem Zusammenhang eine höhere Dichte aufzuweisen, erklärt Ralf Wagner. So oder so: Die Landwirtschaft hat die Vorzüge des Teilens längst erkannt.