Nachdenkliche Töne stimmte Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates an. "Welche Formen der Protest gegen den Nationalpark angenommen hat, das macht mich doch betroffen", sagte Kleinhenz. So seien in einem Wildfleckener Ortsteil heimlich gegen den Willen der Betroffenen großflächige Aufkleber mit "Nationalpark - Nein Danke" auf die Fahrzeuge geklebt worden.


Sachbeschädigungen

Es habe außerdem Fälle von Sachbeschädigungen gegeben. Auch das Haus der Schwarzen Berge sei in den Fokus von Nationalpark-Gegnern geraten. Schilder des Biosphärenreservats Rhön seien dem Vandalismus zum Opfer gefallen. "So etwas geht ganz einfach nicht. Wir haben freie Meinungsäußerung in unserem Land, aber Sachbeschädigung gehört nicht zur Meinungsäußerung", sagte der Rathauschef. "Diese Entwicklungen machen mich sehr nachdenklich."


Grenzen überschritten

Kleinhenz machte deutlich, dass sich der Marktgemeinderat zwar mehrheitlich gegen einen Nationalpark in der Rhön ausgesprochen habe, aber: "Wir bekennen uns weiterhin zum Biosphärenreservat Rhön. Wir stehen zu den Zielen und der Weiterentwicklung im Biosphärenreservat." Kleinhenz sagte, dass das Haus der Schwarzen Berge in Oberbach die Gemeinde in ihren touristischen Bemühungen immer tatkräftig unterstützt habe.
"Unter großen Widerständen wurde das Haus der Schwarzen Berge seinerzeit durchgesetzt. Ich möchte ganz klar darauf hinweisen, dass uns diese Einrichtung immer genutzt hat." Insofern sei es unverständlich, dass sich am Haus der Schwarzen Berge der Zorn von Teilen der Bevölkerung entlädt. "Es sind Grenzen überschritten worden", bedauerte Kleinhenz. "Man muss akzeptieren, dass es Befürworter und Gegner eines Nationalparks gibt. Wir sollten offen sein für einen sachlichen Dialog", forderte der Bürgermeister. Doch Kleinhenz machte auch darauf aufmerksam, dass er die aktuelle Entwicklung rund um die Gebietskulisse mit Sorge sehe. "Ich musste aus der Zeitung erfahren, dass sich eine komplett neue Gebietskulisse ergeben könnte. Ganz offensichtlich wird auch wieder über den Truppenübungsplatz Wildflecken diskutiert. Es geht hierbei wohl um eine länderübergreifende Lösung mit Hessen."
Zwar habe man ihm gegenüber von Seiten des bayerischen Umweltministeriums signalisiert, dass der Truppenübungsplatz Wildflecken zumindest für die Umweltministerin weiterhin kein Thema sei, aber es kämen wohl neue Mitspieler an den Tisch. Das bayerische Landwirtschaftsministerium zum Beispiel.


Thema wird neu aufgerollt

Mehrfach hatte der Wildfleckener Marktgemeinderat in der jüngsten Vergangenheit darauf hingewiesen, dass der Fortbestand des Truppenübungsplatzes Wildflecken keinesfalls durch einen Nationalpark in Gefahr gebracht werden dürfe. Wildflecken fürchtet nicht nur um die zivilen Arbeitsplätze in der Kaserne, sondern auch um die Kaufkraft der Soldaten, welche die Zukunft des örtlichen Einzelhandels sichern. "Das ganze Thema wird nun neu aufgerollt. Wir sollten uns daher nicht verschließen", sagt Kleinhenz.
Dritter Bürgermeister Herbert Nowak (OWII) machte deutlich, dass sich der Verein "Unsere Rhön - Gemeinsam stark" von unzulässigen Formen des Protestes gegen den Nationalpark distanziere. "Bekanntermaßen bin ich selbst in dem Verein aktiv. Wir wollen natürlich sachlich diskutieren. Alles andere lehnen wir ab." Nowak räumte ein, dass in den vergangenen Wochen der Protest sicherlich auch Grenzen überschritten habe. Hierfür biete der Verein aber keine Plattform. Bürgermeister Kleinhenz stellte klar, dass er nicht den Verein der Nationalpark-Gegner angreifen oder gar beschuldigen wolle. "Ich habe ganz ausdrücklich niemanden genannt. Ich habe nur Entwicklungen der letzten Wochen beschrieben. Und die sehe ich sehr bedenklich."