"Die Hirse ist etwas in Vergessenheit geraten", erklärte Ernährungsfachfrau Waltraud Hartmann. Dabei zählt die Hirse zu den ältesten Getreidesorten überhaupt. Sie war über Jahrtausende das am meisten angebaute Getreide in Europa.

Schon die Menschen der Linienbandkeramik (5500 bis 4900 vor Christus) kannten Hirse, wie Funde aus den mitteldeutschen Raum belegen. Inzwischen erfährt das kleine Korn eine Renaissance. Mit dem Trend zur vollwertigen Ernährung hat Hirse wieder Einzug in die Regale der Naturkostläden und vieler Supermärkte gefunden. Das Getreide liefert wertvolle Nährstoffe wie Magnesium, Kupfer Vitamin B1, B3, B5, B6 und Kieselsäure (Silicium). Sein Eisengehalt leistet außerdem einen Beitrag zu Blutbildung und für den Sauerstofftransport. Hirse ist glutenfrei und für Diabetiker und Zöliakie-Patienten geeignet.

In der Küche ist Hirse vielseitig einsetzbar, ob für herzhafte oder süße Aufläufe, für Salat, als Suppeneinlage und sogar für Süßspeisen lasst sie sich verwenden. Selbst für Gebäck und als Frühstück spielt das Getreide seine Vorzüge aus. Dabei ist Hirse nicht gleich Hirse. Im Handel üblich ist die von den Schalen befreiten Goldhirse.

Die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von "Hirse" standen im Mittelpunkt eines Kochkurses in der Lehrküche des "Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten" in Bad Staffelstein. Für manche der 18 Teilnehmerinnen war dies der erste Kontakt mit der Getreidesorte, die zu den Süßgräsern zählt, in Deutschland aber nicht mehr angebaut wird. "Ich würde mich freuen, wenn es hierzulande wieder angebaut wird", wünscht sich die Ernährungsfachfrau.

Elf Zubereitungen standen auf der Speisekarte, dessen Hauptbestandteil Hirse ist. Darunter eine Gemüsesuppe, ein Radicchio-Salat, ein griechischer Feta-Hirse-Auflauf, eine orientalische Gemüse-Hirsepfanne und Bratlinge mit zwei verschiedenen Dips. Die süße Fraktion durfte sich über süße Aufläufe, einen Orangen-Quark und ein Apfel-Birnen-Crumble mit Streusel aus einer Mischung von Hirsemehl, gehackten Nüssen und Haferflocken freuen.

Leicht bitterer Geschmack

Die Aufgaben waren schnell verteilt, die Zutaten lagen bereit und ebenso auch die Rezepte mit den Arbeitsanleitungen. "Ich habe noch nie Hirse verwendet", sagte Ursula Stenglein. Auch Katrin Meyer betrat küchentechnisches Neuland. Sie möchte gerne Neues probieren, außerdem sei die Hirse so gesund, sagte sie. Vor der Zubereitung sollte Hirse mit heißen Wasser leicht abgespült werden, damit sie ihren leicht bitteren Geschmack verliert. Für die Grundzubereitung wurde sie anschließend mit der doppelten Menge Flüssigkeit (Wasser oder Gemüsebrühe) aufgesetzt, nach 15 Minuten Kochzeit und zehn Minuten hat das Getreide die Kochflüssigkeit völlig aufgenommen und konnte entsprechen dem Rezept weiterverarbeitet werden.

Für die süße Variante verwendete Ernährungsfachfrau Waltraud Hartmann einen Mandel-Drink und zum Süßen Honig oder Ahornsirup. Für das Apfel-Birnen-Crumble wurde gemahlene Braunhirse verendet. Für die Gemüsesuppe musste die Hirse mit warmen Wasser, dem etwas Weinessig zugesetzt wurde, etwas zwei Stunden ziehen.

Elke Gutgesell aus Schney kocht gerne. Allerdings musste sie aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen auch ihre Ernährung umstellen. "Ich hoffe, dass ich mit der Hirse ein bisschen Vielfalt in meine Ernährung bringe", erklärte die 74-Jährige, die die Weintrauben für den Radicchio-Salat schnitt. Nach gut eineinhalb Stunden waren alle Gerichte fertig und konnten angerichtet werden. Dass ein einfaches Getreide sich so vielseitig verarbeiten lässt, überraschte manche Teilnehmerin. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass es gut geschmeckt hat und die Reste rasch ihre Abnehmerinnen fanden.