Das Wintersemester 2019/2020 an der Universität Bamberg steht unter dem Motto "Kleine Fächer - kulturelle Vielfalt". Die kleinen Fächer zeigen der Öffentlichkeit, warum sie gesellschaftlich relevant und wissenschaftlich exzellent sind. Ein kleines Fach an der Universität Bamberg ist beispielsweise die Arabistik. Welche Chancen und Herausforderungen dieses Fach bietet und warum es die Gesellschaft bereichert, erläutert Lale Behzadi, Professorin für Arabistik.

Frau Behzadi, stellen Sie die Arabistik doch bitte kurz vor.

Lale Behzadi: Die Arabistik beschäftigt sich mit Sprache, Literatur und Kultur der arabischen Welt in Vergangenheit und Gegenwart. Es gibt einen fast unüberschaubaren Reichtum an arabischen Schriften: Gedichtsammlungen, Essays, philosophische Abhandlungen. In der Forschung können weitere Perspektiven einfließen, zum Beispiel ein politischer Fokus. Die Menschen in arabischsprachigen Ländern sind von vielen Faktoren geprägt, nicht nur vom Islam: von Sprache und Geschichte etwa, von sozialen Verhältnissen und von Kunst. Für diese vorhandene Vielfalt sensibilisiert die Arabistik.

Warum ist die Arabistik für unsere Gesellschaft eine Bereicherung?

Ich finde, dass jedes Fach, das Wissen vermittelt und neue Perspektiven eröffnet, eine Bereicherung für die Gesellschaft ist. Meine Erfahrung ist, dass die Arabistik in der Öffentlichkeit immer bekannter wird. Das liegt auch daran, dass uns die Ereignisse im Nahen und Mittleren Osten stärker betreffen, nicht zuletzt durch die Migrationsbewegungen.

Menschen, die Arabisch sprechen, historische Entwicklungen und kulturelle Besonderheiten arabischer Länder kennen, haben eine wichtige Scharnierfunktion. Wir können übersetzen, erklären, vermitteln. Immerhin ist Arabisch die Muttersprache von über 300 Millionen Menschen. Zudem ist die europäische Geschichte ganz eng mit der arabischen verknüpft.

Warum haben Sie sich persönlich dafür entschieden, unter anderem Nahostwissenschaften, Germanistik und Arabistik zu studieren?

Mein Interesse an Fremdsprachen und Literatur war sehr stark, dazu kam mein familiärer Hintergrund. Ein wichtiges Motiv war auch die Horizonterweiterung, die ich mir davon versprochen habe. Jetzt sind Sie die einzige Professorin für Arabistik an der Universität Bamberg. Welche Chancen sehen Sie darin?

Zunächst ist mir wichtig zu sagen: Dass es das Fach als eigenständige Disziplin an der Universität Bamberg überhaupt gibt, ist eine große Chance. Die Arabistik ist in Deutschland sehr selten als eigenständiges Fach vertreten. Zugleich bin ich auch nicht ganz allein, weil ich in das Institut für Orientalistik eingebunden bin. Das ist sehr gut, weil es Gemeinsamkeiten mit den Nachbardisziplinen gibt, etwa mit der Islamwissenschaft oder Iranistik. Der neue Masterstudiengang "Kulturwissenschaften des Vorderen Orients" ist ein Beispiel für unsere Zusammenarbeit.

Wo sehen Sie Herausforderungen Ihres Faches?

Es ist eine Herausforderung, mit wenigen Mitarbeitern viel abzudecken. Neben meinem eigenen Forschungsschwerpunkt bin ich immer auch Generalistin dieses Faches, damit die Studenten die ganze Bandbreite dieses Forschungsfeldes kennenlernen. Wir sprechen hier von einer Region, die von Marokko bis Irak reicht und seit über 1400 Jahren Texte produziert. Das wäre, als ob es im Fach Europawissenschaft eine einzige Professorin gäbe. Ich versuche, das Beste daraus zu machen.

Wie sollte sich die Arabistik in den nächsten Jahren aus Ihrer Sicht weiterentwickeln?

Ein konkretes Ziel ist, dass ich die Didaktik des Arabischen als Fremdsprache gerne als wissenschaftliche Teildisziplin etablieren möchte. Wir haben vor ein paar Jahren in Bamberg und Nürnberg begonnen, Arabisch als Schulfach zu testen. Das Projekt begleiten wir gemeinsam mit dem Bamberger Lehrstuhl für Schulpädagogik wissenschaftlich. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit Hochschulen in arabischen Ländern, einer direkten Nachbarregion Europas, weiter ausgebaut werden.

Was halten Sie davon, dass es an der Universität Bamberg so viele kleine Fächer gibt?

Sogenannte kleine Fächer beschäftigen sich oft mit Themen und Regionen außerhalb unserer unmittelbaren Wahrnehmung. Oder sie erproben neue Wege und Methoden. Wie sollten neue Erkenntnisse entstehen, wenn man keine Professuren für noch nie dagewesene Fächer einrichtet? Indem sich die Universität Bamberg zu den kleinen Fächern bekennt, zeigt sie, dass sie auf die Herausforderungen der Globalisierung und des digitalen Wandels vorbereitet ist. Gemeinsam mit der starken Lehrerbildung in Bamberg tragen wir das Spezialwissen der kleinen Fächer in die Gesellschaft. Die "großen" und "kleinen" Fächer arbeiten hier sehr gut in Lehre und Forschung zusammen. Kleine Fächer sind also kein Luxus, den sich die Universität Bamberg leistet, sondern eine richtige Stärke! Das Gespräch führte Patricia Achter.