In Hallstadt fehlen Kindergarten- und Krippenplätze. Schnelle Abhilfe soll unter anderem mit einem Modul geschaffen werden, das an der Kindertagesstätte St. Anna entstehen soll. Parallel werden der Kindergarten St. Ursula in Dörfleins und das St. Franziskus Haus für Kinder erweitert. Die von den Trägern zusammen mit den Architekten erarbeiteten Pläne wurden nun im Stadtrat präsentiert - und stießen nicht vollständig auf Gegenliebe.

Der Kindergarten St. Ursula in Dörfleins wird von der katholischen Kirchenstiftung getragen, das St. Franziskus Haus für Kinder in der Hallstadter Graben-/Königshofstraße von den Dillinger Franziskanerinnen. Beide Einrichtungen sollen nun umfangreich erweitert werden, um den Mehrbedarf an Plätzen decken zu können. Finanziert werden die Baumaßnahmen von der Stadt Hallstadt. Und gerade deswegen schaukelte sich die Diskussion in der Sitzung des Stadtrats auch ein wenig hoch.

Aber der Reihe nach. Zuerst präsentierten Architekt Stefan Paptistella (Hirschaid) und sein Mitarbeiter Bastian Gärber die Planungen für Dörfleins. Hier wurden nun zwei provisorische Räume im Schulhaus geschaffen, so dass eine Kindergartengruppe während der Bauarbeiten ausgelagert werden kann. Aktuell sind in St. Ursula zwei Kindergartengruppen untergebracht, nach der Erweiterung sollen es drei Kindergarten- und eine Krippengruppe sein. "Wir haben in Zusammenarbeit mit der Kirchenstiftung und der Stadt mehrere Erweiterungsvarianten untersucht", erklärte Gärber. Herausgekommen sei, dass ein Bau Richtung Osten am besten geeignet wäre. Der Neubau wird aus drei Bereichen bestehen: der neuen Kindergartengruppe mit Nebenraum und Sanitärbereich, der Krippengruppe mit Ruheraum und Sanitärbereich sowie den Funktionsräumen wie Speisesaal, Toiletten und Technikraum. "Den Speiseraum werden wir mit einer öffenbaren Wand ausstatten, so dass er Richtung Flur erweitert und damit auch für größere Veranstaltungen genutzt werden kann."

Bei den markanten Pultdächern, die den Altbau prägen, soll es bleiben, allerdings werden sie ein wenig anders interpretiert. Die Erschließung des Gebäudes wird nach Ende der Arbeiten über einen zentralen Eingang in der Mitte erfolgen. "Ein direkter Zugang von der Zehntstraße hätte Rampen erforderlich gemacht, das wäre nicht optimal gewesen", so Gärber weiter. Daher wird weiter die vorhandene Zufahrt von Westen her genutzt. Die Kosten für die Erweiterung liegen bei rund 1,6 Millionen Euro, die Bauzeit beträgt anderthalb Jahre ab Vorliegen des Förderbescheids, der aktuell von der Regierung von Oberfranken in Bayreuth bearbeitet wird. Auf die Bearbeitungszeit habe man keinen Einfluss, meinte Paptistella. Die Förderquote (übrigens für beide Kitas) wird zwischen 50 und 85 Prozent der förderfähigen Kosten betragen. Das Erweiterungskonzept wurde von den Stadträten positiv aufgenommen, auch wenn erneut die Frage aufkam, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, "den Stadtrat früher in die Planungen mit einzubinden" (Stadtrat Ludwig Wolf, BBL/FW).

Dann kam Heiko Luthardt (Göger Architektur, Schonungen) an die Reihe, er präsentierte die Pläne für die Erweiterung des St. Franziskus Hauses für Kinder. Aktuell stehen in der Kindertagesstätte 50 Kindergarten- und zwölf Krippenplätze zur Verfügung, künftig sollen es 75 Kindergarten- und 24 Krippenplätze sein. Bereits erfolgt ist der Aufbau von Modulen im bisherigen Innenhof, wo der Speiseraum sowie die neue Kinderkrippe untergebracht sind. Dieses Modul soll nach dem Ende des Baus wieder entfernt werden. Im bisherigen Mehrzweckraum findet die neue Kindergartengruppe ihre Heimat. Der Erweiterungsbau muss somit den Speiseraum, die Bereiche für die zweite Kinderkrippengruppe und den Mehrzweckraum aufnehmen.

"Schock" und "Super-GAU"

Die Pläne, die Göger zeigte, sorgten für lange Gesichter bei einigen Stadträten. Denn der eingeschossige Erweiterungsbau reduziert die Außenfläche der Einrichtung deutlich. Zwar soll, so Göger, auf dem Flachdach ein Spielbereich geschaffen werden, dies schien im Stadtrat aber auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Harald Werner (SPD) machte sich Luft: "Wer zahlt, schafft an! Ich war der Überzeugung, dass wir heute Pläne für ein zweigeschossiges Gebäude beziehungsweise eine Aufstockung sehen." Regelrecht "schockiert" zeigte sich Stadtrat Klaus Hittinger (CSU), Herbert Diller (BBL/FW) nannte die Planungen einen "Super-GAU", Joachim Karl (CSU) rechnete vor, die Kita habe hinterher 50 Prozent mehr Kinder, aber 50 Prozent weniger Freifläche.

In der Tat hatte die Planung im Dezember 2018, als sie zuletzt vorgestellt wurde, noch ganz anders ausgesehen. Allerdings, so Architekt Luthardt, komme eine Aufstockung auf den bisherigen Mehrzweckraum aus statischen sowie Platzgründen nicht in Frage - daher bleibe keine andere Lösung. Das sah auch Stadtrat Ludwig Wolf (BBL/FW) so. "Wenn man die Gegebenheiten sieht, finde ich die Lösung gut. Aus Mangel an Fläche geht es eben nicht anders." Diskutiert wurde noch, ob es nicht möglich sei, die bisher als Wohnung vermieteten Bereiche des Altbaus im Obergeschoss zu nutzen - das ist aber Sache des Betreibers. Bürgermeister Thomas Söder (CSU) informierte, dass er gegenüber dem Träger eine zweigeschossige Lösung präferiert habe, die Durchsetzung sei aber nicht gelungen. "Der Träger war anderer Meinung." Als Kosten für die Erweiterung nannte Luthardt rund 2,1 Millionen Euro.

Stadtrat Harald Wich (SPD) brachte ins Spiel, ob es nicht sinnvoller sei, über einen ganz neuen Standort nachzudenken, der nicht derart von Bestandsgebäuden eingeengt sei. "Uns fehlen dafür in Hallstadt einfach Flächen, insbesondere solche, die zentrumsnah gelegen sind", so Bürgermeister Söder dazu. Von beiden Planungen nahm der Stadtrat per Beschluss abschließend Kenntnis, die finanziellen Mittel hat die Stadt bereits mit vorausgegangenen Beschlüssen zugesagt.

Schnelle Lösungen gesucht

Um schnell die fehlenden Kita-Plätze zu schaffen, ging es außerdem um ein (Container-) Modul, das an eine der bestehenden Einrichtungen angebaut werden könnte. Als beste Lösung kristallisierte sich die Kita St. Anna heraus. Ein solches Modul kostet zwischen 200 000 und 250 000 Euro. Söder kündigte an, dass sich die Stadtverwaltung zum Ziel gesetzt hat, mit den Trägern der Kindertagesstätten schnellstmöglich Lösungen für dauerhafte Erweiterungen zu finden, damit Module nicht allzu lange zum Einsatz kommen müssen.