von unserem Redaktionsmitglied 
ANette Schreiber

Großbirkach — Gegen den strahlen blauen Himmel hebt sich das kleine Kirchenensemble kontrastreich ab. Ein echter Blickfang, ein wunderbares Motiv und so etwas wie das Wahrzeichen Großbirkachs - die Johanniskirche. Wanderkarten und -führer widmen dem Ensemble eine Besuchsempfehlung. So erweisen auch an diesem Vormittag Touristen dem bedeutenden Kirchlein ihre Reverenz. Dank des Pressetermins zu anstehenden Renovierungsarbeiten kann Pfarrerin Cornelia Meyer deren Fragen gleich selbst beantworten - sie befasst sich intensiv mit der Geschichte der Johanniskirche.
Was genau bringt die Besucher hierher? In erster Linie wohl das so genannte Täufer-Relief. Es gilt als die älteste figürliche Steinplastik im gesamten fränkischen Raum. Doch bevor der Besucher dorthin vordringt, fällt ihm das romanische Zickzack-Portal, das an die Adams-Pforte des Bamberger Doms erinnert, ein Blickfang. Gleich daneben: Schäden an der Treppe. Drinnen, an der linken Wand im Chorraum findet man dann jedenfalls das berühmte 1,3 mal 0,70 Meter große, in Keuper gehauene Täufer-Relief.
Die Bezeichnung rührt daher, weil es eine (Tauf-) Szene mit Johannes dem Täufer zeigt. Die Inschrift verweist auf einen Wolfherus Abbas, also Abt Wolfher von der Mutterkirche Großbirkachs, Münsterschwarzach. Weil dieser von 1034 bis 1046 dort residierte, nimmt man an, dass es sich bei dem Relief um ein Geschenk des Abtes zum Bau des Kirchleins handelt.
Daher rühren dann auch die Rückschlüsse zum Alter der Kirche, erklärt die Pfarrerin. Das Jahr 1030 wird im aktuellen Kirchenführer jedenfalls als Baujahr angegeben, im Kirchlein auch heute noch Gottesdienst gehalten.
Denn Großbirkach mit seiner Johanniskirche ist Bestandteil der Kirchengemeinde Großbirkach -Ebrach/Ebersbrunn. Wobei sich in jedem Ort ein Gotteshaus befindet. Was die Pfarrerin gerade jetzt vor Probleme stellt: Gerade mal 550 Gemeindemitglieder müssten für die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten in Großbirkach mit bezahlen. "Wir müssten bei derzeit geschätzten Gesamtkosten von 300 000 Euro rund 200 000 Euro heranschaffen". Und das einem dafür verfügbaren Budget von jährlich maximal 2500 bis 3000 Euro Budget. "Unmöglich", sagt die Pfarrerin.
Angefangen hatte alles ganz harmlos, sagt Meyer: Ein Dachdecker sah sich den Turm an und entdeckte dort Feuchtigkeit und entsprechende Schäden. Das Ausmaß erkannte man erst nach und nach, ein ganzer Rattenschwanz. Die Kosten für erneuerte Elektrik mit 4000 Euro nehmen sich da wie ein Pappenstil aus, macht die Pfarrerin deutlich. Seit vier Jahren ist sie hier Gemeindepfarrerin, vor zwei Jahren begann sich der Sanierungsfall als solcher abzuzeichnen. Dabei war der Johanniskirche bereits vor Jahrzehnten eine Sanierung zuteil geworden. Bevor nun erneut saniert wird, so fordern die involvierten Fachstellen, müsse erst einmal untersucht werden, was die seinerzeitigen Maßnahmen bewirkt haben. Jede Menge Untersuchungen und Absprachen also. Denn, um an die nötigen Fördertöpfe müssen Unterlagen zu Voruntersuchungen etcetera vorliegen und dann noch die einzubeziehenden Stellen - von der Denkmalpflege bis zur Landeskirche unter einen Hut gebracht werden. Ein großes Fragezeichen siejht die Pfarrerin auch in der Statik des Turmes.
Im Moment jedenfalls scheint nur wenig voran zu gehen. Die Pfarrerin freut sich gerade deswegen über einen Ortstermin, zu dem vor kurzem MdL Heinrich Rudrof erschienen war. Er ist Haushaltspolitiker und im Beirat des Hauses der Bayerischen Geschichte. In dieser Funktion, so hofft Meyer , könne er sich für eine überregionale Gemeinschaftsfinanzierung einsetzen. Rudrof versprach jedenfalls, sich nach Kräften dafür einzusetzen, dass "die zur weiteren Teilrenovierung der geschichts- und landschaftsprägenden Filialkirche St. Johannis benötigten Mittel durch entsprechende Zuschüsse der öffentlichen Hand abgestützt werden können," wie er mitteilen ließ.
Persönliches Engagement bringt die Pfarrerin ihrerseits ein: Mit Motiven rund um die Täuferkirche und daraus hat die Hobbyfotografin einen Kalender gestaltet. Dessen Erlös ist für die Sanierung bestimmt, ein weiteres Kalenderprojekt geplant.
Und vielleicht lassen ja auch die ein oder anderen Besucher einen kleinen Obolus zurück. So nett, wie Cornelia Meyer die Fragen der Touristen beantwortet, die an diesem warmen Sommermorgen aus Österreich und aus Holland kommen. "Wir haben übrigens auch ein schönes Gasthaus", gibt sie den Holländern mit auf den Weg, nachdem diese ihren kulturspezifischen Wissensdurst gestillt haben.