Nicole Julien-Mann Am Muttertag bezauberte Sebastian Paul Rehnert das Publikum mit einem originellen Konzert im Schloss Oberau.

Jeder hat sie, die meisten lieben sie, manche sehen sie kritisch, mal agieren sie im Vordergrund, oft im Hintergrund und seit gut 100 Jahren steht der zweite Sonntag im Mai ganz in ihrem Zeichen: die Mütter. Oft merke man erst als Erwachsener, was diese für einen getan haben, meinte der junge Komponist Sebastian Paul Rehnert. Sein Konzert im Schloss Oberau, das als "Denkmal für alle Mütter" gedacht war, entpuppte sich als liebevolle Hommage an seine eigene Mutter. Sie diente ihm als Inspiration für seine dreiteilige Komposition "Mutterstimmungen (aus Sicht eines Sohnes)" für Kontrabass. Rehnert schöpfte das Klangspektrum des sperrigen Instruments voll aus und hievte es mit seiner Musik vom Orchesteruntergrund auf das Solistenpodest.

Auf dem Kontrabass spielte Rehnert Eigenkompositionen, vom Flügel ließ er Bewährtes aus der Romantik erklingen. Wie einige "Kinderszenen", die Robert Schumann nicht etwa als Übungstücke für junge Anfänger komponierte. Vielmehr schilderte er musikalisch Begebenheiten und Stimmungen von Kindern aus der Sicht eines Erwachsenen. Dies ist auch die Perspektive der Stücke aus Schumanns "Album der Jugend" und Peter Iljitsch Tschaikowskys "Jugendalbum", aus denen Rehnert spielte.

"Eintagsfliegen"

Er ist selbst noch keine Dreißig, aber seine "Eintagsfliegen" zählt er zu seinen früheren Kompositionen aus seiner Zeit als Schüler der Berufsfachschule für Musik in Oberfranken in Kronach. Die Stücke habe er leicht überarbeitet, denn "man lernt ja dazu".

Er improvisiert aus bekannten Volksliedern, beschwört eine "gedankenvolle Stille" herauf, schwelgt in einer "Elegie" und bekennt sich in der "Frühlingsmelodie" freimütig zu nordischen Vorbildern.

Das Publikum bezieht Rehnert ohne große Umstände und überraschend resolut in die Aufführung mit ein: "Sie werden schon sehen, was Sie machen müssen", zuerst einmal mitschnipsen auf die Taktzeiten zwei und vier, später dürfen alle ihre Sangeskünste im dreiteiligen Kanon hören lassen.

So originell wie seine Musik gerieten die Moderationen. So bescheinigte Sebastian Paul Rehnert seinem Komponistenkollegen Edvard Grieg, aus dessen Klaviersonate e-moll op. 7 er den zweiten Satz spielte: "Der Mann wusste, was er tat!"

Dies lässt sich auch von Wolfgang Amadeus Mozart behaupten, zumindest in der Fantasie op. 475: "Die ist schön in moll, die hat er wahrscheinlich komponiert, als es ihm gerade mal gut ging."

Ob Moll oder Dur - zur guten Laune der Zuhörer an diesem sonnigen Tag trugen Rehnerts erfrischende Art und das abwechslungsreiche Programm allemal bei.