Wegen Besitzes und Besitzverschaffens von Kinderpornografie wurde am Donnerstag gegen einen Mann aus dem östlichen Landkreis prozessiert. Neun Monate Haft auf Bewährung wurden auf dem Amtsgericht gegen den 52-Jährigen verhängt. Richter Stefan Jäger betonte dabei, dass der Verurteilte Denkzettel genug erhalten habe.


Kripo kriegt Tipp aus den USA

Ruhig und sortiert wirkte der Angeklagte, der neben seinem Verteidiger Volker Albrecht saß und Auskunft über die Beweggründe seines Tuns geben sollte. Doch in die Ruhe des Familienvaters schien sich die Ratlosigkeit darüber zu mischen, wie es hatte so weit kommen können. Einer Heike Heiter sei er im Netz aufgesessen, die sich ihm per Mail näherte und ihm auf Rückfrage, wer sie sei und wie sie denn eigentlich aussehe, Bilddateien mit pornografischem Inhalt zugesendet habe. Dass der Monteur Bilddateien mit schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern hochgeladen hatte, erfuhr die Kripo über einen Tipp aus den USA. Dort, so ein im Verfahren als Zeuge auftretender Polizeibeamter, gebe es eine halbstaatliche Organisation, die das Internet nach derlei durchforste.
Für den Angeklagten sollte der Wendepunkt in seinem Leben im Januar des vergangenen Jahres sein. Da nämlich kam es zu einer Durchsuchung - auch des Arbeitsplatzes. Denn nicht auf seinem Handy, auch auf USB-Sticks oder dem Firmen-PC hatte der Beschuldigte Bilder von Geschlechtsverkehr mit Kindern unter 14 Jahren gespeichert und aufbewahrt. "Jetzt im Nachhinein empfinde ich es als Blödsinn [...], da muss mich ein Pferd getreten haben, dass ich diese Bilder behalten habe", erklärte der Angeklagte. Ob er wirklich von einer Person angeschrieben worden sei, die sich als Heike Heiter ausgab und ihm Dateien zugesendet habe, sei schwerlich zu ermitteln gewesen. Die durch Richter Stefan Jäger gestellte Frage jedenfalls, ob er selbst der Verursacher der Bilder gewesen ist, verneinte der 52-Jährige.
Die Folgen für ihn selbst sind weitreichend: Die Firma kündigte ihm, die Ehefrau sieht in ihm einen Pädophilen, und die Ermittlungen gegen ihn hätten ihn doch beeindruckt. Aber was für irritierende Neigung sprechen könnte, war der Umstand, wonach der Beschuldigte erklärte, eine mit einem Kind vorkommende Bildmontage angefertigt zu haben, bei der Schmierseife sein eigenes Ejakulat darstellen soll. "Ich habe selbst Bilder gefaked." Diese Aussage sorgte für eine kurze Stille im Gerichtssaal, in die hinein Richter Jäger einen Satz sprach: "Wären Sie bereit, das selbst mal zu ergründen, weshalb Sie so etwas tun?" Und: "Wären Sie bereit, das professionell anzugehen?"


Ein Fall für Psychotherapie

Die Zusage dazu gab der Mann und erklärte sich bereit, sich in psychotherapeutische Ambulanz zu begeben. Dass hier ein Problem vorliege, welches "auf jeden Fall abgeklärt werden muss", darauf verwies auch Staatsanwalt Johannes Tränkle. Für den bislang unbescholtenen Mann forderte er eine neunmonatige Haftstrafe zur Bewährung, bei strenger Auflage. Solche wiederum stellte Rechtsanwalt Albrecht ins Ermessen des Gerichts, empfahl aber eine zwei Monate kürzer währende Bewährungsstrafe.
In seinen letzten Worten vor der Urteilsverkündung äußerte der Angeklagte abermals seine Ratlosigkeit zu seinem Tun, wobei ihm eine Träne im Gesicht stand. Wenig später fiel das Urteil, welches auf acht Monate Haft zur Bewährung ausfiel. "Sie beflügeln mit Ihrem Tun die Fantasie anderer", sprach Jäger dem Mann ins Gewissen. Unverzüglich hat sich der Verurteilte in eine psychotherapeutische Behandlung für Sexualstraftäter zu begeben. Außerdem wird er drei Jahre lang unter Beobachtung eines Bewährungshelfers stehen.