Sarah Seewald

Wer hier baut, zahlt nichts. Zumindest nicht für einen Kindergartenplatz. Diese Kosten werden nämlich von der Gemeinde übernommen, wenn es sich bei dem Bauplatz um ein Gemeindegrundstück handelt. Diesen Anreiz hat sich der Gemeinderat aus Ebrach ausgedacht, um die Neubaugebiete für junge Familien attraktiver zu machen. Umgerechnet ist dies ein finanzieller Anreiz in Höhe von etwa 3000 Euro pro Familie, erklärt Bürgermeister Max-Dieter Schneider. Nachdem das Konzept des Gemeinderates aufging, wird es jetzt zum Ende des Jahres auslaufen, dies beschloss in einer Sitzung kürzlich der Gemeinderat.
Denn im Baugebiet Bahnhofstraße gibt es "nur noch vier freie Bauplätze" und zehn im Baugebiet "Am Gressinger Berg". Der erschlossene Quadratmeter kostet in Ebrach insgesamt zwischen 48 und 53 Euro beziehungsweise zwischen 43 und 45 Euro.


Junge Ebracher kommen zurück

Da es in Ebrach an Mietwohnungen mangele, so Bürgermeister Schneider, seien einige junge Leute und Paare erst einmal weggezogen, als es darum ging, in einer eigenen Wohnung zu leben, würden jetzt aber wieder zurück in die Heimatgemeinde kommen und hier bauen. Die Idee "hat ihren Zweck erfüllt", sagt Schneider. Er zeigt sich zuversichtlich, dass die verbleibenden vier Bauplätze an der Bahnhofstraße auch noch bis Ende des Jahres verkauft werden. Und dann gilt: Bis zum 31. Dezember 2018 wird im Notarvertrag der Passus vermerkt, dass die Familie einen Anspruch auf einen kostenlosen Kindergartenplatz hat. "Egal wann", stellt Schneider heraus.
Der Kindergartenplatz wird bis 31. Dezember 2018 vertraglich zugesichert, "auch wenn das Baby noch in Planung ist", sagt Schneider. Außerdem wird bei Kauf eines Bauplatzes durch junge Familien pro Kind ein weiterer Kinderbonus von zwei Euro pro Quadratmeter gewährt. Für private Grundstücksverkäufe gelten diese Boni der Gemeinde nicht. Beschwert habe sich bisher kaum jemand. Und wenn, könne Schneider die Bedingungen gut erklären.
Schließlich handelt es sich bei den Gemeindegrundstücken auch um eine finanzielle Vorleistung, die die Gemeindeverwaltung in Bezug auf die Erschließungskosten der Grundstücke trage. Für private Grundstücksverkäufe kann deshalb ein derartiger Anreiz nicht geboten werden.


Nicht nachgeben

In Ebrach ist die Bevölkerungsentwicklung seit zehn Jahren relativ konstant, die Einwohnerzahl schwanke zwischen 1800 und 1850. Gelassen blickt Schneider dem Demografiewandel dennoch nicht entgegen, "man muss sich immer weiter bemühen", sagt er. Etwas einfallen lassen musste sich die Gemeinde vor einiger Zeit auch, damit die Kinderkrippe des kirchlichen Trägers anfangs nicht ins Minus rutschte. Statt das Defizit am Ende eines Wirtschaftsjahres begleichen zu müssen, wurden die Eltern finanziell gelockt, das Betreuungsangebot zu nutzen. "Anfangs ist unsere Kinderkrippe sehr zögerlich besucht worden", sagt Schneider.
Damit die Einrichtung rentabel anläuft, das Angebot auch genutzt wird, hat die Gemeinde deshalb in den vergangenen Jahren den Differenzbetrag übernommen, der sich aus den unterschiedlichen Monatsgebühren je nach Kindesalter ergibt. Zum Vergleich: Ein Betreuungsplatz für Kinder ab drei Jahren kostet in Ebrach 79 Euro, Kinder unter drei Jahren zahlen monatlich 150 Euro - ebenfalls für einen Betreuungszeitraum von vier bis fünf Stunden täglich. Die Konsequenz der rechtzeitigen Bezuschussung über die Gemeinde: Es gab nie ein Defizit, das die Gemeinde hätte am Ende tragen müssen. Jetzt, da die Betreuungsplätze nachgefragt und genutzt werden, wird auch diese Bezuschussung zum Ende des Jahres abgesetzt, wie im Gemeinderat beschlossen wurde.
Bleibt abzuwarten, was beziehungsweise für wen sich die Marktgemeinde das nächste Mal einen Anreiz ausdenkt, um das Leben in der Gemeinde noch ein bisschen lebenswerter zu gestalten.