Eckehard Kiesewetter

Drei große Projekte brachte der Stadtrat von Ebern bei seiner Sitzung am Donnerstagabend auf den Weg: den Plan für eine neue Kindertagesstätte auf dem Grundstück der ehemaligen Berufsschule, die Umbaupläne für die Alte Schule in Bramberg und ein Konzept für die Sanierung der Stadtmauer in Ebern. Bei allen drei Projekten, deren Kosten sich auf rund vier Millionen Euro addieren dürften, ist die Hoffnung auf hohe staatliche Zuschüsse ein wesentlicher Faktor. Ob die Pläne tatsächlich in der vorgestellten Form zu verwirklichen sind, wird maßgeblich davon abhängen, wie viel Geld tatsächlich aus den verschiedenen Fördertöpfen gescheffelt werden kann.


Pläne mit Ausbaupotenzial

Bei schweißtreibenden Temperaturen in der neuen Mensa der Grundschule Ebern stellte der Bamberger Architekt Klaus Gick (Büro Gick und Partner) seinen Plan für eine neue Kindertageseinrichtung mit 74 Plätzen an der Albrecht-Dürer-Straße in Ebern vor. Geplant ist eine großflächige Einrichtung für je zwei Kindergarten- und Krippengruppen.
Die Erweiterungsmöglichkeit um zwei weitere Krippengruppen ist einkalkuliert. Damit erreiche man eine "hundertprozentige Abdeckung", sagte Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) im Hinblick auf die absehbaren Belegungszahlen und die Geburtenprognosen. Er sprach von einem "Gesamtkonzept, das auf die Zukunft ausgelegt ist".
Gick, der beispielsweise das sozialpädagogische Zentrum an der Eiswiese in Ebern oder den Messingschlager-Neubau in Baunach projektiert hat, plant ein ebenerdiges, barrierefreies Gebäude. Die "Abteilungen" sollen mit versetzen Fassaden und abwechselnden Dachformen gestaltet und unterschiedliche farben (die sich im Innenbereich fortsetzen) kenntlich gemacht werden. So entsteht trotz des langgestreckten Gebäudekomplexes der Eindruck eines kleinteiligen und farbenfrohen Kinderdorfes. Geplant ist ein "halboffenes Konzept", das die Kinder festen Gruppen zuordnet, ihnen dennoch eine selbstbestimmte Tagesplanung ermöglicht. Themenorientierte Bereiche für die Inklusion und frühkindliche Pädagogik, Therapieräume, eine Sprachecke, ein Kinderbistro, eine Kinderküche, eine Bibliothek und Sanitärräume mit Planschecke gehören zum Konzept. Auch an die Schmutzschleuse, den Kinderwagenraum und mehrere Zugänge zum Außenspielbereich haben die Architekten gedacht. Das Gebäude soll nahe an die Straße herangerückt werden, um im südlichen Bereich viel Freifläche zu gewinnen.
Dem Stadtrat gefiel der Entwurf. Das Gremium warb für Kurzparkplätze oder eine Parkbucht direkt vor dem Haus.
Die Architekten gehen nach groben Schätzungen von Kosten von drei Millionen Euro aus, etwa zwei Drittel davon können wohl gefördert werden. "Wir ham a Förderquote, wenn mer weniger bauen würden, wärn mer blöd", sagte Gick im schönsten Bambercherisch. Der Entwurf soll nun bei der Regierung eingereicht werden, um die Förderung zu klären.


Wohnraum für Migranten

Der Einbau einer Wohnung in das Dachgeschoss der alten Schule in Bramberg soll ebenfalls mit hohen Zuschüssen gefördert werden. Der Staat unterstützt die Gemeinden bei der Sanierung von leerstehenden Gebäuden im Ortskern, sofern dabei Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge entsteht. Dafür winken Fördersätze bis zu 90 Prozent.
Das Architekturbüro Bergmann hatte einen Plan vorgelegt, wonach im Dachgeschoss der Schule faktisch eine Generalsanierung durchgeführt wird, um eine Dreizimmerwohnung zu schaffen. Das Erdgeschoss, das die Feuerwehr und die Vereine des Dorfes als eine Art Gemeinderaum nutzen wollen, wird eine behindertengerechte Toilette erhalten und - ebenso wie das Obergeschoss - neue Fenster. Zudem ist eine Erneuerung des Daches geplant.
Knapp 400 000 Euro soll das ganze Unterfangen kosten. "Relativ viel Geld", räumte Stefan Hoffmann vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft ein, "wir müssen halt sehen, was gefördert wird". Nach Einschätzung des Bürgermeisters kann die Stadt "heilfroh sein, wenn sie den Umbau in das Förderprogramm unterbringen kann".


Die Mauer bröckelt

Drittes Großprojekt ist die Sanierung der Eberner Stadtmauer, für die an etlichen Stellen akuter Handlungsbedarf besteht. Das hat eine Schadenskartierung durch den Bamberger Burgenforscher Jürgen Zeune ergeben. An manchen Stellen der mittelalterlichen Verteidigungsanlage haben sich Fugen gelöst, der Bewuchs mit Moos, Flechten und Efeu schädigt die Substanz und in einigen Bereichen ist wegen loser Steine eine Notsicherung angesagt.
Die Stadt will die Sanierung in Abschnitten ab dem Jahr 2019 durchführen. Kompliziert wird es, weil manche Bereiche schwer zugängig sind.
Die Kosten hat der Burgenforscher nach aktuellem Stand auf 470 000 Euro taxiert. Sie dürften jedoch wegen der steigenden Baupreise höher ausfallen, prophezeite Hennemann. Die Kommune hofft auf 30 bis 50 Prozent Zuschuss aus dem Entschädigungsfonds.