"Ich finde es wunderschön, dass wir auf diese Weise für Kinder, die spezielle Aufmerksamkeit brauchen, da sein können." Anouk Janssen, eine von sechs neuen Trauerbegleiterinnen, die in Zukunft Kinder und Jugendliche, die ein Eltern- oder Geschwisterteil verloren haben, auf ihrem Weg durch die Trauer begleiten, freut sich auf ihre Arbeit mit den Kin-dern. Wie ihre sechs Mitstreiterinnen hat sie in den vergangenen Wochen eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin absolviert, um ehrenamtlich "Lacrima", das Trauerzentrum der Johanniter für Kinder und Jugendliche in Oberfranken, unterstützen zu können.

"Ohne die ehrenamtlichen Kollegen wäre die Arbeit von ,Lacrima' nicht möglich, sie sind unsere entscheidenden Stützen", erklärt Simone Goppert, Leiterin von "Lacrima": "Die Arbeit bei ,Lacrima' ist anspruchsvoll, das bringt das Thema Trauer mit sich. Von Ehrenamtlichen, die länger dabei sind, erfahre ich aber auch immer wieder, wie erfüllend und bereichernd die Zeit mit den Kindern ist."

Den Tod eines geliebten Menschen verarbeiten zu müssen, ist ein schmerzlicher Prozess, der das Leben grundlegend verändert. Kinder und Jugendliche sind davon besonders betrof-fen: Dem verbliebenen Elternteil fehlen nämlich meist Zeit und Kraft, den Kindern die Auf-merksamkeit zu geben, die sie gerade in dieser Situation brauchen, da sie sich selbst im Trauerprozess befinden. Hier bietet "Lacrima" Hilfe: Alle zwei Wochen treffen sich die Kinder- oder Jugendgruppen, parallel dazu werden auch die Eltern betreut.

"Lacrima" in Reckendorf

Aktuell gibt es "Lacrima"-Gruppen in Reckendorf im Landkreis Bamberg und in Kulmbach. Durch den Zuwachs im Team der Ehrenamtlichen können vermutlich ab März dann auch in Bayreuth Kinder betreut werden: "Wir freuen uns, dass ,Lacrima' weiter wächst und wir 2020 noch mehr Kinder und Jugendliche in ganz Oberfranken unterstützen können."

Im geschützten Rahmen der Gruppenstunden lernen die Kinder und Jugendlichen, über das Erlebte und den Verlust zu sprechen oder über Spielen, Toben, Malen und Basteln Zugang zu ihrer Gefühlswelt zu erhalten. "Für viele Kinder ist es bereits tröstlich, dass andere Kinder etwas Ähnliches erlebt haben und dass ihre Gefühle dadurch in unseren Gruppen verstanden werden", sagt Simone Goppert. "Die Erfahrung zeigt, dass Kinder und Jugendliche Ehrlichkeit und viel Offenheit bei einem Todesfall in der Familie brauchen. Denn Kinder trauern anders als Erwachsene, da sie viel mehr im Augenblick leben. In einem Moment sind sie deshalb tieftrau-rig oder werden manchmal auch wütend, im nächsten Moment lachen sie wieder und sind fröhlich."

Optimale Betreuung

Der Betreuungsschlüssel von "Lacrima" sieht vor, dass sich ein Ehrenamtlicher maximal um zwei Kinder kümmert, nur so ist eine angemessene und intensive Betreuung möglich. Um optimal darauf vorbereitet zu sein, absolvieren die angehenden Trauerbegleiterinnen eine insgesamt 64-stündige, fundierte Ausbildung. Sie werden geschult, sich auf die Kinder einzulassen und so die Möglichkeit zu haben, zu erkennen, wie es den Heranwachsenden in dem jeweiligen Moment geht und was ihnen guttun könnte.

Für die Teilnehmer eine intensive und sehr spannenden Erfahrung: "Ich habe neue Seiten an mir kennengelernt und viel über die Themen Trauer und Tod aus den verschiedensten Perspektiven erfahren", so Julia Bartenstein, die ebenfalls neu bei "Lacrima" ist. Sie freut sich ebenso wie die anderen Absolventinnen, das Gelernte nun auch in der Praxis umsetzen zu können. red