Mit dem Fahrrad und der Familie die gesamte Fahrbahnbreite nutzen und das ganz ohne motorisierten Verkehr? Was zwar wünschenswert, jedoch eher nach Utopie klingt, ermöglichte die Initiative Radentscheid Bamberg am Samstag wieder mit der zweiten "Kidical Mass" (abgeleitet vom weltweiten Phönomen der Critical Mass). Und das Format kam abermals an: Laut Veranstalter folgten Dutzende Familien dem Aufruf der Initiatoren Christian Hader und Jonas Glüsenkamp von der Initiative Radentscheid Bamberg.

Nach einer Kundgebung am Spielplatz im Harmoniegarten bewegte sich die radelnde und klingelnde Menge in Richtung Lange Straße, um dann zwei Runden auf dem Innenstadtring über Königstraße und Luitpold-/Willy-Lessing-Straße zu drehen. Die meisten Kinder fuhren mit ihren Lauf- und Fahrrädern direkt hinter der polizeilichen Begleitung ganz vorne und bestimmten so das Tempo.

Ein Vater, der mit seinen beiden vier und sechs Jahre alten Töchtern teilnahm, meinte: "Uns hat bei diesem tollen Wetter vor allem Spaß gemacht, dass wir einmal die gesamte Fahrbahn nutzen konnten, während man sich sonst als Radfahrer eher an den Rand gedrängt fühlt. Meine Familie und ich freuen uns auf das nächste Mal."

Dass die Rad-Demo von aus Lautsprechern tönenden Kinderliedern und der auf einem Lastenrad montierten Seifenblasenmaschine umrahmt wurde, kam ebenfalls gut an: "Es war eine tolle Aktion, die den teilnehmenden Kindern wie Eltern, aber auch den Passanten am Straßenrand sichtlich viel Spaß gemacht hat. Darüber hinaus war es ein wichtiges politisches Signal", sagte eine Mutter, die mit ihrer drei Monate alten Tochter im Kinderanhänger mitfuhr. Der Hintergrund der Veranstaltung ist dabei durchaus ein ernster: "Wir müssen uns fragen, in welchen Straßen unsere Kinder aufwachsen sollen", so Initiator Christian Hader. "Enge und zugeparkte Geh- und Radwege und schier endlose Blechlawinen machen unsere Straßen für Kinder eher zu einem gefährlichen Hindernisparcours als zur Grundlage für eine selbstständige und sichere Mobilität."

Während die Kinder und Eltern mit ihren Rädern, Laufrädern, Seifenblasen, Musik, etc. Spaß hatten und die freien Straßen genießen durften, soll das Format also zu mehr politischem Einsatz für bessere Radverkehrsbedingungen aufrufen, wie auch Co-Initiator Jonas Glüsenkamp betont: "Wenn man sich vor Augen führt, dass in Deutschland im Jahr 2018 trotz sinkender Unfallzahlen insgesamt über 400 Radfahrende meist ohne eigene Schuld ihr Leben lassen mussten, die meisten Radfahrer im innerstädtischen Verkehr starben oder schwer verletzt wurden und in Bamberg speziell die Radunfallzahlen in den letzten Jahren auf ein hohes Niveau gestiegen sind, dann ist es erschreckend, wie widerstrebend die Politik auf diese Entwicklung reagiert."

Wiederholungen geplant

Beide Initiatoren sind sich darin einig, dass eine Reduktion von Fahrradunfällen im innerstädtischen Verkehr nur dann nachhaltig möglich ist, wenn dem Rad- und auch Fußverkehr mehr Flächen zugesprochen werden und der motorisierte Individualverkehr auf ein notwendiges Maß beschränkt wird. Nach Auskunft von Hader und Glüsenkamp wird das Format der Kidical-Mass in Bamberg wohl zu einer festen Institution werden: "Der Zuspruch zeigt, wie wichtig vielen Menschen das Thema der Radverkehrssicherheit speziell für Kinder ist. Wir werden dem auch in Zukunft eine Plattform geben." red