Die bunten, neugelneuen Schulranzen sind der Renner, aber auch Basecaps und T-Shirts: 21 Kinder aus dem verstrahlten Gebiet um Tschernobyl sind zu Gast in der "Klamotte", dem Secondhand-Laden in Heldritt. Sie kommen gerade von der Waldbühne, wo sie den "Froschkönig" gesehen haben. "Seit fünf Jahren schon laden wir die Kinder aus der Ukraine zu uns ein. Sie und Betreuerinnen können sich hier aussuchen, was ihnen gefällt. Wir schenken es ihnen", erzählt Gabriele Lang, die die "Klamotte" in der Alten Schule am Schlossberg 9 zusammen mit sechs weiteren Frauen seit 2012 betreibt. Ein Jahr lang haben sie Kindersachen gesammelt und in große Kartons verpackt, die Schulranzen sind eine Spende. "Möglicherweise sind die Dekors nicht mehr so aktuell", mutmaßt Gabriele Lang. Den ukrainischen Kindern ist das egal. Sie sind begeistert von den farbigen Rucksäcken und können es nicht fassen, dass sie die einfach so mitnehmen dürfen.

Dieter Wolf, der Vorsitzende des Vereins Tschernobyl-Kinderhilfe Neustadt, der zusammen mit seinen Mitstreitern jedes Jahr Kinder aus der Nordukraine zur Erholung in den Landkreis Coburg holt, hat alle Mühe, die gespendeten Sachen ungehindert in den Fahrzeugen zu verstauen, mit denen die Kinder nach Heldritt gekommen sind. Indes sind die Betreuerinnen noch auf der Suche nach modischer Bekleidung und Accessoires. Sie werden fündig, packen trotz sommerlicher Temperaturen auch schon Winterjacken mit ein.

Gabriele Lang und die anderen Frauen aus der "Klamotte" helfen, wo Hilfe erwünscht ist. Sie sind froh, etwas Gutes tun zu können, und spenden dem Neustadter Verein zusätzlich noch 300 Euro. "Die können wir sehr gut gebrauchen", sagt Dieter Wolf.

Hilfe für Bedürftige ist nur eine Seite der ehrenamtlichen Tätigkeit, der sich die Betreiberinnen des Heldritter Secondhand-Ladens verschrieben haben. "Es wird heutzutage viel zu viel gekauft und weggeworfen", stellt Gabriele Lang fest. Dem wollen sie mit ihrem Konzept "Alle reden von Nachhaltigkeit, wir tun es" entgegenwirken. Deshalb wünschen sich die Frauen, dass noch mehr Menschen die Hemmschwelle überschreiten, im Laden einkaufen und damit etwas Gutes für die Umwelt und für Bedürftige tun. Denn den Erlös aus dem Verkauf stellen sie der Stadt Bad Rodach für soziale Zwecke zur Verfügung. Seit einiger Zeit bietet der Awo-Ortsverein sogar eine wöchentliche Mitfahrgelegenheit nach Heldritt an. Dafür kann man sich unter 09564/804844 im Mehrgenerationenhaus anmelden. Der Seconhand-Laden hat jeden Mittwoch von 18 bis 19.30 Uhr geöffnet.

Für die Kinder aus der Ukraine werden die Frauen nun wieder Sachen zusammentragen, die sie im nächsten Jahr dann an eine andere Gruppe verschenken.