Zu Diskussion um die Zukunft der ehemaligen Mälzerei Müller wird uns geschrieben: Es ist schade, dass sich Kulmbach seiner letzten Schätze selbst beraubt. So bricht wieder ein Stück Geschichte der heimlichen Hauptstadt des Bieres unwiederbringlich weg und ist für nachfolgende Generationen aus dem Stadtbild verschwunden.

Rote Backsteinfassaden wie an der Mälzerei Müller prägen unser Stadtbild maßgeblich und strahlen einen einzigartigen Charme aus. Solche baulichen Besonderheiten machen eine Stadt unverwechselbar. Andere wären froh, wenn sie solche Alleinstellungsmerkmale hätten.

Ein Blick nach Bamberg auf das ehemalige Erba-Gelände zeigt, wie mit historischer Bausubstanz auch umgegangen werden kann. Hier entstanden neben einer neuen Universität in den historischen Ziegelsteingebäuden unzählige Studentenwohnungen.

Auch die Backsteinbauten des Güterbahnhofs und der Mälzerei Müller - hier wird studiert, dort gewohnt - hätten eine sinnbildliche Brücke zwischen studentischem Leben und Arbeiten schlagen und für den Unistandort Kulmbach stehen können.

Auch in Coburg hat man nicht einfach abgerissen, sondern das markante Hofbräuhaus restauriert und die Hochschule darin untergebracht. Was uns Studenten in Coburg mit der Stadt verbunden hat, waren auch das Leben und Arbeiten in diesem Teil der Stadtgeschichte.

Warum war es in Kulmbach nicht möglich, gemeinsam mit dem Investor ein Konzept zu erstellen, das eine Sanierung ermöglicht hätte? Natürlich geht es wie immer ums Geld, aber auch Investoren sollten an unverwechselbarer, guter Architektur interessiert sein. Dies erfordert natürlich mehr geistige Arbeit, mehr Gespräche und zielgerichtete Vorgaben einer Stadt. Das Straßenbild der Pestalozzistraße als Tor zur Innenstadt wurde schon in der Vergangenheit durch einen monströsen Zweckbau beeinträchtigt. Nun also der nächste gravierende Einschnitt in historische Bausubstanz. Es ist traurig, dass aus den Bausünden der Vergangenheit keine Lehren gezogen werden und es immer wieder zu solch gravierenden Fehlentscheidungen kommt.

Erika Schuberth

Kulmbach