Es ist früh am Morgen, die kühle Herbstluft pfeift durchs Gerüst. Annika Fischer-Weiß, Auszubildende zur Maler- und Lackiererin, befindet sich an ihrer heutigen Baustelle: einer Kronacher Apotheke. Gerüst aufbauen, abkleben und streichen - diese Aufgaben gehören zu ihrem Beruf und gleichzeitig zu ihren Leidenschaften.

Die 17-Jährige entschied sich nach ihrem Realschulabschluss bewusst für diese Ausbildung. Sie erinnert sich zurück: "Meinen Chef Markus kannte ich bereits vorher, da wir im gleichen Musikverein spielen. Durch mein Praktikum bei ihm habe ich gemerkt, dass das genau das Richtige für mich ist." Seit etwas mehr als einem Jahr ist sie nun Auszubildende (Azubi) in Markus Schnappaufs Malergeschäft in Wilhelmstal.

Frauen im Handwerk

Laut der Agentur für Arbeit Bamberg/Coburg werden, obwohl die Auszubildendenzahl im Handwerk weiter sinkt, Azubinen immer populärer. Derweil sind 17,4 Prozent der Beschäftigten im Handwerk Frauen.

Erwähnt Fischer-Weiß, was sie beruflich macht, so haben andere oft Vorurteile. "Man bekommt des Öfteren die Frage, ob man die Arbeiten als Frau eigentlich von der Kraft her schafft und wie man den ganzen Tag mit den Männern klarkommt", lacht sie.

Trotz aller Zweifel von außen kann Fischer-Weiß aber die Klischees widerlegen. Sie fühlt sich sichtlich wohl und schätzt das gute Arbeitsklima sowie das kollegiale Verhältnis. Auch ihr Chef ist zufrieden mit ihr: "Es gibt keinerlei Probleme, wir haben uns bewusst für sie entschieden." Lässt es die Mitarbeiterzahl auf der Baustelle zu, so wäre es selbstverständlich, dass die 17-Jährige nicht dauernd die schweren Arbeitsmaterialien schleppen müsse.

Trotzdem betont Schnappauf, dass er alle seine Mitarbeiter gleich behandle, denn schließlich wisse man als Azubi im Voraus, auf welchen Beruf man sich einlässt. Und fachlich könne Fischer-Weiß natürlich auch mit den Kollegen mithalten, da sie viel theoretisches Wissen in der Berufsschule Coburg oder bei außerbetrieblichen Schulungen erwerbe. Sie erklärt: "In der Schule lernen wir viel über die Stoffe und Materialien, die wir verarbeiten. Außerdem kommt der praktische Teil nie zu kurz." Sie müsse oft kreativ sein, um beispielsweise abstrakte Ideen in die Praxis umzusetzen.

Da Fischer-Weiß tagtäglich ihrer Arbeit mit vollem Herzblut nachgeht, hat sie künftig bald die Möglichkeit, Azubi des Jahres 2019 zu werden. Wie es dazu kam? "Ich habe mich übers Internet bei MyHammer beworben, wo Leute für mich abstimmen können", erklärt sie. Bei MyHammer handelt es sich um ein Handwerkerportal, das Verbrauchern hilft, eine Firma für ihren Auftrag zu finden und anders herum. Als Gewinn würde außerdem ein bruchsicheres Smartphone für die Baustelle winken.

Klare Berufswahl im Landkreis

Im Landkreis Kronach gibt es deutliche Präferenzen bezüglich der beliebtesten Berufe unter Jugendlichen. "Auch in der heutigen Zeit herrschen immer noch Rollenbilder vor: Der Mann als Ernährer der Familie und die Frau, die eher ihre Berufung in den Vordergrund stellt", meint Matthias Klar, Pressesprecher der Agentur für Arbeit. Demnach würden junge Männer eher technische Berufe wie KFZ-Mechatroniker, Verkäufer oder Industriemechaniker wählen. Frauen entschieden sich für den Beruf der Industriekauffrau, Verkäuferin oder medizinischen Fachangestellten. Als Frau wäre es in einem Bürojob auch wesentlich einfacher, in ein Teilzeitmodell zu wechseln, im Falle eines Kinderwunsches beispielsweise.

Ist also ein klassischer Handwerkerberuf heutzutage überholt? Klar klärt auf: "Man muss bedenken, dass das Handwerk und die Industrie konkurrieren. In der Industrie arbeitet man nicht im Freien und hat beispielsweise geregelte Arbeitszeiten. Auf einer Baustelle kann man nicht einfach nach Hause, wenn etwas fertig werden muss." Vor allem in ländlichen Regionen werde jedoch das Handwerk durch Tradition weitergegeben. Somit wäre es auch wahrscheinlicher, dass ein Jugendlicher auf dem Land eher einen handwerklichen Beruf ergreift - beispielsweise, da die Eltern bereits in dieser Branche arbeiten.

Jedoch erfuhr auch dieser Sektor über die Jahre einen Wandel, wie Klar weiß: "Viele Leute vergessen, dass man auch im Handwerk aufsteigen kann, beispielsweise wenn man seinen Meistertitel macht." Dieser Meinung schließt sich Schnappauf an und freut sich auf die weitere Zeit mit seinem Team, in dem jeder für die gleiche Sache brennt.