Es gleicht schon fast einem Naturereignis, wenn dieser näselnde Gesangsakrobat seinen Stimmbändern ein Jodeln, Keifen, Krächzen, Schnauben und Wiehern entlockt. Es ist, als würde die Erde beben oder ein Orkan heranbrausen. Die Rede ist von John Kirkbride, dem schottischen Bluesurgestein. Am heutigen Samstag gibt der Barde um 21 Uhr mit der rauen Stimme im Gasthof "Zur Linde" in Unnersdorf seine musikalische Visitenkarte ab.

Politische Hexenjagd

Meisterhaft gelingt es dem Altmeister des Blues in seiner famosen Eigenkomposition "Right Words To Say (The Message)" die politischen Hexenjagd gegen Kommunisten durch den amerikanischen Senator McCarthy in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts in einer düsteren Stimmung und einem unruhigen, hektischen Spiel vor dem geistigen Auge des Zuhörers lebendig werden zu lassen.

Die alte in Moll getränkte Volksweise des legendären Woodie Guthrie über die Arbeitslosigkeit ("I Got No Home In This World Anymore") passt in diesem Zusammenhang sehr gut, lässt dank seines leidenschaftlichen Spiels Kirkbride zum Verfechter einer guten Sache werden, dem man seine sozialkritische Ader ohne Wenn und Aber abnimmt.

An Eindringlichkeit kaum zu überbieten ist auch das Stück "All Night Long", in dem das lyrische Ich - eine Frau - einem Mann vor Augen führt, das Liebe mehr ist als Sex. Unablässig spielt Kirkbride im Stile eines Muddy Waters immer wieder ein und denselben Akkord, was den Tenor des Textes nur noch verstärkt.