In vielen Orten am Obermain wurde das Osterfest mit traditionellen Bräuchen und religiösen Feiern begangen. Stellvertretend für all die vielen Ratschenkinder, die durch die Dörfer zogen, und für die in der Osternacht entzündeten Feuer, möchten wir schlaglichtartig auf Frauendorf, Reundorf und Oberleiterbach blicken.
Der alte Brauch, das Glockenläuten von Gründonnerstag bis Ostersonntag durch Klappern mit den Ratschen zu ersetzten, wird in Frauendorf noch praktiziert. Mit einem selbst gebauten Wagen und mit drei großen Ratschen zogen die Kinder und Jugendlichen durch die Straßen des Ortes. Der frühere Staffelsteiner Stadtpfarrer Gerhard Hellgeth hielt in der Osternacht das Auferstehungsamt in der Kirche. Zuerst wurde das Osterfeuer am Kirchplatz gesegnet, anschließend zog man singend in das Gotteshaus ein.
Nach dem Taufgedächtnis sprach der Geistliche in seiner Festpredigt darüber, dass Ostern das eigentliche Fest der Feste im Kirchenjahr sei und noch vor Weihnachten stehe.
13 Mädchen und Jungen sind in diesem Jahr wieder dem traditionellen Osterbrauch in Reundorf nachgekommen. Ab Gründonnerstag waren die Kinder mit ihren Ratschen unterwegs und ersetzten das Glockenläuten. Auch wenn die Kinder an den beiden Kartagen sehr früh aufstehen mussten, waren alle begeistert dabei. Nach dem letzten Raspeln am Karsamstag hieß es dann: "Leute rückt die Eier raus, denn die Fastenzeit ist aus."
In Oberleiterbach hatten elf Kinder und Jugendliche dem Gründonnerstag entgegengefiebert. Stolz kamen sie am frühen Abend mit ihren Ratschen zur Sankt-Laurentius-Kirche, um dann Schlag 18 Uhr mit großem Getöse durchs Dorf zu ziehen. "Wir rufen den Engelsgruß", hallte es durch die Straßen. Alleine am Karfreitag waren die Kinder siebenmal zu Gottes Ehr unterwegs und ersetzten mit ihrem Ratschen das Glockengeläut, erstmals um 6 Uhr morgens und letztmals um 18 Uhr.
Selbst das frühe Aufstehen bereitete den überaus motivierten Ratschenkindern keine große Anstrengung. Für ihre Mühen entlohnt wurden sie am Karsamstag nach ihrem frechen Spruch: "Ihr Leut‘ gebt eure Eier zu dieser Osterfeier. Ihr Leut‘ gebt eure Eier her, eure Hühner leg'n schon mehr."
Die Kinder erhielten in den Dörfern als Lohn für ihre Dienste Eier, Süßigkeiten und kleine Geldbeträgen. ME