"Hier entsteht bald ein Kinderspielplatz", strahlt Karin Ritter an diesem schönen Sommertag mit der Sonne um die Wette. Ihr Blick wandert über das großzügige, idyllisch gelegene Wiesengrundstück hinter dem von der Gemeinde erworbenen Gebäude Rennsteigstraße 16.
Das Projekt ist der Reichenbacher Bürgermeisterin ein Herzensanliegen. Das Gebäude könnte nach dem Umbau zur Übernachtungs- beziehungsweise Aufenthaltsmöglichkeit werden. "Der erste Bauabschnitt aber wird der lang ersehnte Spielplatz sein", freut sich Karin Ritter.
Hierfür soll auch die auf dem Areal vorhandene Reichenbachquelle freigelegt und als Wasserelement eingebunden werden. Entstehen soll ein ökologischer Spielplatz unter Verwendung vieler Naturmaterialien und mit verschiedenen Höhenebenen. Ermöglicht wird dies durch einen Zuschuss von 90 Prozent durch die Regierung von Oberfranken im Zuge der Förderoffensive Nordostbayern. Insgesamt stehen für das Spaßparadies, das noch heuer fertiggestellt werden soll, circa 4 000 Quadratmeter zur Verfügung.
Seit 2008 ist Karin Ritter Oberhaupt der Gemeinde Reichenbach. Dem Gemeinderat gehört sie seit 1990 an, ab 2002 war sie 2. Bürgermeisterin. 1990 waren sie und eine Gremiumskollegin von der CSU die ersten Frauen im Reichenbacher Gemeinderat. "Das war damals eher noch die Ausnahme", blickt
die Bürgermeisterin zurück, deren Vater Fritz Gesslein - ebenfalls SPD-Mitglied - bereits im Gemeinderat vertreten war, sich aber 1990 aus Altergründen nicht mehr aufstellen ließ.
Auf die Frage nach den Gründen für ihr politisches Engagement muss die verwitwete Mutter zweier Söhne nicht lange überlegen. "Ich hatte schon seit meiner Kindheit immer viel mit Menschen zu tun, da meine Eltern ein Lebensmittelgeschäft und eine Gastwirtschaft hatten. Ich habe wohl als Kind schon Tausende politische Diskussionen in der Gaststätte mitbekommen", erzählt sie schmunzelnd. Für sie sei daher Politik ganz "normal" gewesen, ebenso wie ihr Eintritt in den SPD-Ortsverband 1971.
Sie und ihre Geschwister hätten von ihren Eltern die soziale Ader mit auf den Weg erhalten. Vor ihrer Nominierung als Bürgermeister-Kandidatin habe sie überlegt, wie und ob dieses Amt mit ihren Lebensumständen und ihrer Arbeitsstelle zu vereinbaren sei. Damals hatte sie ganztags gearbeitet. "Mein Arbeitgeber war gleich damit einverstanden, meine Arbeitszeit zu reduzieren", sagt die Steuerfa changestellte dankbar.


2008 ins Amt gewählt

Schließlich setzte sie sich bei den Kommunalwahlen am 2. März 2008 durch und wurde 2014 wiedergewählt.
Ein besonders schönes Erlebnis sei für Ritter die 825-Jahr-Feier Reichenbachs im Juli 2015 gewesen, bei der das ganze Dorf zusammengeholfen habe. Vor allem auf die Fahnen geschrieben hat sich Ritter die Verbesserung der Infrastruktur, was aber mit Eigenmitteln alleine nicht zu schaffen sei. "Man muss Fördermittel ausschöpfen, sich kümmern, zur Regierung fahren und am Ball bleiben", weiß die Bürgermeisterin.
Voll gegriffen hätten auch die Konsolidierungsbeihilfen des Freistaates Bayern, mit denen der Schuldenstand der Gemeinde von 1,2 Millionen Euro fast abgebaut werden konnte.
Derzeit laufen nicht nur die Planungen für den Spielplatz auf Hochtouren. Projekte sind geplant an der Turnhalle, der ehemaligen Schule, in der Garten-, Birken- und Hauptstraße.
"Wenn man sieht, dass etwas vorwärtsgeht, nimmt man das gern in Kauf", sagt Ritter über ihr anspruchsvolles Amt. Das Geburtstagskind ist dreifache Großmutter. Am morgigen Freitag steht ihr 65. Geburtstag an. "Wer mich kennt, weiß, dass das ein lockeres Fest wird. Lange Festreden wird es nicht geben. Das ist nicht mein Ding. Alle, die mir gratulieren wollen, sind herzlich willkommen. Ich freue mich über jeden Gratulanten", lädt sie ein. Gefeiert wird ab 10 Uhr bei ihr in der Schulstraße 2, den "Ritterstuben" - ein Bayern-Stübla zum Fernsehschauen und für Feiern, das die Bayern-München-Anhängerin ihr Eigen nennt. Heike Schülein