Eine rege Diskussion regte in der jüngsten Sitzung des Reckendorfer Gemeinderates der Antrag von Detlef Krappmann, Seitenbachstraße 13, auf Ausweisung eines personenbezogenen Schwerbehindertenparkplatzes aus. Die Ablehnung des Antrags wurde mit einem Kanaldeckel begründet, der sich genau dort befindet und frei bleiben muss.

Der Nachfrage der Gemeinderäte Bernhard Müller und Falko Badura, warum es denn nicht möglich sei, dass der Vermieter auf seinem Grundstück diesen Stellplatz nachweise, folgte die Feststellung von Gemeinderat Hartwig Pieler (CSU), dass dies im Altortbereich nicht gefordert werden könne. Alternativ wurde von Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD) vorgeschlagen, einen der drei Parkplätze auf der gegenüberliegenden Straßenseite für das Anliegen bereitzustellen. Dieser liege jedoch in einiger Entfernung zum Wohnhaus, so dass abgeklärt werden müsse, ob der Antragsteller dies überhaupt aus Gesundheitsgründen bewältigen könne.

So formulierte der Bürgermeister die Beschlussvorlage dahingehend, dass der Antragsteller überprüfen solle, ob nicht doch die Möglichkeit bestünde, innerhalb des Grundstückes "Seitenbachstraße 13" einen Stellplatz einzurichten. Wenn nicht, würde ein personenbezogener Schwerbehindertenparkplatz vor den beiden Anwesen "Nr. 16/18" ausgewiesen. Mit vier Gegenstimmen wurde dieser Beschluss angenommen. Im Sinne der Inklusion wohl eine gute Lösung, jedoch wird die Problematik der Barrierefreiheit im Altortbereich sicherlich in Zukunft weitere Diskussionen mit sich bringen.

"Ahorngasse" oder "Judengasse"

Dass die Zuhöreranzahl während der öffentlichen Gemeinderatssitzung in Reckendorf so hoch war, hing sicherlich auch mit dem Tagungsordnungspunkt "Top 5 - Umbenennung Ahornweg zu Judengasse" zusammen. So hörte man das Publikum, größtenteils Anwohner, im Vorfeld tuscheln: "Hätte man uns vorher nicht fragen können?"

Die Anfrage aus der letzten Bürgerversammlung, warum man nicht den "Ahornweg" wieder in "Judengasse" umbenennen könne, um die Erinnerung an das jüdische Erbe wach zu halten, musste Bürgermeister Deinlein zurückstellen, da es gar nicht so einfach sei, eine Straße umzuwidmen. Dies sei üblich, wenn der Antrag von einem direkt persönlich Betroffenen komme und er "triftige Gründe" (Art. 52 BayStrWG) dafür habe, und das sei hier nicht der Fall.

Blick in die Akten

Laut Archivlage besaßen die dort gelegenen Gebäude zuerst nur Hausnummern. In den Wiedergutmachungsakten von 1948 wurde dieser Verbindungsweg zwischen Hauptstraße und Mühlweg als "Schlossgasse" bezeichnet. Während der Volkszählung 1961 gehörten die Anwesen Hausnummer 92 bis 100 noch zum Mühlweg.

Am 27. April 1962 erfolgte schließlich die Widmung als "Judengasse", welche sich aber im Zuge der Hausnummern-Korrektur 1975/76 in "Ahornweg" änderte.

Bis die damaligen Beweggründe und Rechtsgrundlage eruiert werden können, sollte ein Beschluss zwecks Umwidmung zurückgestellt werden. Auf Nachfrage des Gemeinderats Hubert Rottmann betonte der Bürgermeister, dass die Kosten für eine derartige Umbenennung verhältnismäßig überschaubar seien.

Der finanzielle Aufwand für die Umschreibung der Personalausweise, Führerscheine etc. würde von der Gemeinde übernommen. Sichtlich erleichtert zeigte sich das Publikum darüber, dass es an diesem Abend nicht zu einer vorschnellen Entscheidung kam.